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Nachricht vom 02.07.2019    

Der Wald hat Fieber und braucht dringend Pflegekräfte

Forstwirtauszubildende aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland erhalten nach erfolgreicher Prüfung am Forstlichen Bildungszentrum in Hachenburg Ihre Abschlusszeugnisse.

Stefan Asam, Direktor der Zentralstelle der Forstverwaltung Rheinland-Pfalz während seiner Rede über die waldbezogenen Herausforderungen des Klimawandels. Fotos: Marco Reetz, FBZ

Hachenburg. Im Rahmen einer Feierstunde am Forstlichen Bildungszentrum Rheinland-Pfalz (FBZ) gratulierten am Freitag, 28. Juni, zahlreiche an der Ausbildung beteiligte Menschen den jungen Forstwirtinnen und –wirte. Der Präsident der Landwirtschaftskammer RLP, Herr Ökonomierat Norbert Schindler, überreichte die Prüfungsurkunden persönlich und hob in seiner Ansprache die große Bedeutung des lebenslangen Lernens hervor.

Die Glückwünsche für die erfolgreichen Absolventinnen überreichen neben Landwirtschaftskammerpräsident Norbert Schindler und Direktor Stefan Asam von der Zentralstelle der Forstverwaltung, Dr. Becker (LWK RLP), der Vorsitzende des Prüfungsausschusses Frank Feiten und für die Personalvertretung der Landesforsten Siegfried Rohs (HPR/BPR) sowie die Leiterin des Forstlichen Bildungszentrums Rheinland-Pfalz Monika Runkel.

Herr Siegfried Rohs sprach vom ‚Patienten Wald‘ der dringend ‚Pflegekräfte‘ benötigt. Die fachlichen Anforderungen an die ‚Pflegekräfte‘ Forstleute sei dabei ungleich höher als jemals zuvor, weil die Schwächung des Lebensraumes Wald sehr komplex sei und wir bisher nur einige Symptome sähen, jedoch weder die Krankheit vollständig kennen noch eine wirksame ‚Medizin‘ dafür haben. Die Qualifizierung der Forstleute im Umgang und der Forstunternehmen mit den Klimafolgen sei zwingende Voraussetzung für die erfolgreiche Bewältigung der neuen Herausforderung.

Als besonderer Höhepunkt begrüßte der neue Leiter der Zentralstelle der Forstverwaltung in Neustadt/Weistraße, Herr Direktor Stefan Asam, die frisch gebackenen Forstwirte (37) und Forstwirtinnen (3).

Wald ist die Basis unserer Daseinsvorsorge

Herr Asam traf in seiner Festrede zum Thema ‚Herausforderungen im Klimawandel‘ den Nerv des Publikums. Die insbesondere im Norden des Landes dramatischen Borkenkäferschäden in Nadelwäldern führen zu flächigem Ausfall des Waldes und langfristiger Veränderung des Landschaftsbildes. Die zahlreichen Funktionen des Waldes, werden jahrzehntelang nicht mehr vollumfänglich erfüllt werden können. Die auch im Hinblick auf die CO2 Bildung wichtige Rohstofffunktion des Waldes wird der Gesellschaft und den Waldbesitzenden (Einnahmeausfall und Kosten für Wiederbewaldung) fehlen. Die Wiederbewaldung dieser Kahlflächen wird eine sehr große fachliche, logistische und nicht zuletzt finanzielle Herausforderung werden, die nur gemeinsam bewältigt werden kann. Gut ausgebildete Forstfachkräfte brauchen wir dazu mehr denn je. Fachkräfte die umfassend qualifiziert und hoch motiviert die Wiederbegründung und vor allem die jahrzehntelang folgende Pflege der Jungwälder durchführen können.

Die drastischen Auswirkungen des Klimawandels beleuchtete Herr Asam anhand einiger Eckdaten:

• 2018 war das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die 10 höchtsen Jahresdurchschnittstemperaturen seit 1880 lagen alle in den vergangenen 20 Jahren
• Seit Beginn des industriellen Zeitalters (ca 1880) stieg dir Durchschnittstemperatur um 0,6 Grad C, bis 2100 ist mit weiteren 1-4,5 Grad C zu rechnen
• Das Niederschlagsdefizit im Sommer 2018 betrug 40 %, und wurde in 2019 übertragen, fehlt jetzt also zusätzlich
• Was noch vor wenigen Jahrzehnten als "Jahrhundertsturm" galt, tritt zwischenzeitlich in kurzen Abständen auf: Die Strumereignisse "Burglind" (3. Januar) und Friederike (18. Januar) 2018 schwächten den Wald und schufen zahlreiche Angriffspunkte für die nachfolgenden Käferschäden unter denen der Wald aktuell leidet
• 84 % aller Bäume sind laut Waldzustandserhebung 2018 geschädigt
• Strakregenereignisse und in Folge Erosionen und Überschwemmungen häufen sich
• Borkenkäferkatastrophe: 2018 waren es 1 Mio Efm (60 % Käfer, 40 % Sturmwurf), der finanzielle Schaden liegt bereits bis dato bei mehr als 50 Mio Euro.
• Immer neue Schädlinge greifen die geschwächten Wälder an, die sich unter Hitze und Wassermangel nicht mehr ausreichend wehren können: z. B. bringt aktuell das ‚falsche weiße Stengelbecherchen (Pilz)‘ die meisten unserer Eschen sichtlich zum Absterben. Neophyten wie die Beifuß-Ambrosie, drüsiges Sprinkraut und die Kermesbeere vermehren sich rasant.

Die Erde hat Fiber und der Wald als ‚grüne Lunge‘ hat Atemnot‘ so zitierte Asam Frau Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Das Gleichgewicht unserer Ökosysteme ist in Gefahr und damit auch die vielfältigen Leistungen des Waldes:

• Wasserschutz, Grundwasserneubildung, Wasserrückhalt
• Lebensraum für Tier,-Pflanzen- und Pilzarten
• Kohlenstoffspeicher in Humus und Vegetation
• Erosionsschutz
• Erholungsfunktion etc.
• Holzproduktion

Die wichtigste ‚Forst-Aufgabe‘ wird der Aufbau widerstandkräftiger, naturnaher, diverser und stresstoleranter Wälder für die Gesellschaft von morgen sein. Asam wirbt für eine breit aufgestellte Baumartenpalette und warnst eindringlich vor Schnellschüssen ‚mutmaßlich klimatoleranter Baumarten‘.

Die Landesregierung hat dazu ein 7 Mio Euro starkes ‚Sofortprogramm Borkenkäferkalamität‘ (2019/20) auf den Weg gebracht und setzt sich bundesweit für die dringend erforderliche Aufstockung der GAK Mittel ‚Förderung von Maßnahmen zur Bewältigung der durch Extremwetterereignisse verursachten Folgen im Wald‘. ein. Die GAK Mittel (25 Mio Efür 5 Jahre) würden 71 Cent !!! je ha Kommunal- und Privatwald in RLP bedeuten. Weniger als der ‚Tropfen auf den heißen Stein‘.

Die Nutzung unserer Wälder und die Verarbeitung des Holzes in langlebigen Produkten (Häuser und Möbel etc.) trägt dabei zum Klimaschutz bei, denn damit wird CO2 gebunden und bei anderen Baustoffen vermieden. In Deutschland werden 14 % des CO2 Ausstoßes durch die nachhaltige Waldbewirtschaftung kompensiert. Mit 10 Mio t/a sind es in RLP sogar 26 % des jährlichen CO2-Ausstoßes, der durch den Sektor Holz und Forst kompensiert wird- das entspricht immerhin dem CO2 Ausstoß von ca 1 Mio Menschen.

Trotz der enormen Herausforderungen gratuliert Herr Asam den Absolventinnen zu einer sehr guten Berufswahl und endet mit dem Zitat von Konfuzius: ‚Wähle einen Beruf, den du liebst und Du brauchst keinen Tag mehr in Deinem Leben zu arbeiten‘. Landesforsten ist froh 10 Festanstellungen und weitere 5 befristete Verträge für die jungen Kolleginnen und Kollegen anbieten zu können.

Überbetriebliche Ausbildung am FBZ

Die 24 Ausbildungsbetriebe der Landesforsten des Privatwaldes , der Forstunternehmen , des Kommunalwaldes , des Saarlandes und der BIMA entsendeten ihre Auszubildenden während der Ausbildungszeit zu insgesamt 9 einwöchigen Vertiefungsmodulen der sogenannten ‚überbetrieblichen Ausbildung‘ (übA) an das FBZ. Die Übernahme der übA für das Saarland ist per Staatsvertrag geregelt.

Die Prüfung

Die diesjährig insgesamt 43 Prüflinge (40 männliche, 3 weibliche) aus zwei Bundesländern haben hier in mehreren Teilabschnitten ihre praktische Prüfungen durchlaufen. Zwei Wochen lang ging es dabei nicht nur wetterbedingt im Staatswald des Forstamtes Hachenburg heiß her. Bei der Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Forstwirtin/-wirt mussten 43 Auszubildende, darunter auch 3 junge Damen, aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland zeigen was sie im Laufe der 3-jährigen Ausbildung gelernt haben. Geprüft wurden die jungen Fachkräfte für die Waldpflege in den Fächern Holzernte, Pflanzenschutz und Jungwaldpflege. Erstmalig wurde ein für Rheinland-Pfalz neues Prüfungsverfahren angewendet. Zwei Azubis bildeten dabei ein Team und mussten die Aufgabe in Partnerarbeit erledigen, ganz so wie auch im richtigen Berufsleben. Hierbei konnten die Prüfer neben den zahlreichen Fachkompetenzen auch soziale Aspekte wahrnehmen. Gefällt wurden ausnahmslos trockene, vom Borkenkäfer befallene Bäume, eine Folge des trockenen Sommers 2018.

Bei der Pflanzenschutzaufgabe wurde der Einsatz von chemischen Mitteln simuliert. Zwar handelte es sich bei den verwendeten Mitteln nur um gefärbtes Wasser, die jungen Forstwirtinnen und Forstwirte mussten aber dennoch die richtige Persönliche Schutzausrüstung anlegen sowie das Mittel fachgerecht ansetzen und ausbringen. Bei Temperaturen weit über 30 Grad wurde dabei manchem Prüfling ganz schön heiß. Bei der Jungwaldpflege konnten die Damen und Herren dann beweisen, wie man junge Bäume richtig behandelt, so dass Sie zu stabilen und wertvollen Beständen heranwachsen.
Wald-Werte-Wahren, so lautet das Motto von Landesforsten Rheinland-Pfalz. Dieser Slogan steht für die tägliche Arbeit staatlicher, kommunaler und privater Forstleute in unserem Land. Im Lichte des Klimawandels erlangt der Slogan noch einmal mehr Bedeutung. (PM)


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