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Nachricht vom 27.06.2019    

Stollen im Stollen: Da reift was in der Grube Bindweide

Wer denkt denn Ende Juni schon an Stollen? Weihnachten ist doch noch weit hin. „Gut Ding braucht Weile“, weiß man im Besucherbergwerk Grube Bindweide in Steinebach. Hier entwickelt sich nämlich das Projekt „Stollen im Stollen“. So ist geplant, spezielle Butter- oder Christstollen in der Untertagewelt reifen zu lassen. Bei hoher Luftfeuchte und verhältnismäßig niedrigen Temperaturen soll die altbekannte Spezialität gut durchziehen und sich mit dem typischen Stollenaroma zum einzigartigen Gaumenschmaus entwickeln.

In der Grube Bindweide in Steinebach begann jetzt der Probelauf zum Projekt „Stollen im Stollen“. Unmittelbar vor dem Einlagern der 50 Probestollen durfte natürlich ein erster Geschmackstest nicht fehlen. (Foto: Joachim Weger)

Steinebach. In Steinebachs Untertagewelt bahnt sich ein ungewöhnliches Zusammenspiel an: Es ist die noch junge Teamarbeit zwischen Bergmannsstand und Bäckerhandwerk. Ein neues Projekt könnte schon bald, wenn denn alles planmäßig läuft, im Besucherbergwerk Grube Bindweide für Schlagzeilen sorgen: „Stollen im Stollen!“ Auf den ersten Blick wirkt der Begriff ein wenig rätselhaft, doch die Projektidee hat es in sich. So ist geplant, spezielle Butter- oder Christstollen in Steinebach reifen zu lassen. Auf Veranlassung des Bergwerks-Fördervereins ist nun ein erster Probelauf gestartet. Es ist vorgesehen, den brotförmigen Stollen aus gehaltvollem Hefefeinteig wochenlang im kühlen und dunklen Stollen der Grube Bindweide zu lagern und in frischer Bergluft reifen zu lassen. „Gut Ding braucht Weile“, lautet das Motto im Bindweide-Team. Sollte der Probelauf gelingen, könnten später im Echtbetrieb die fertigen Stollen aus dem Stollen vielleicht zum Barbaratag am 4. Dezember in feierlichem Rahmen verkostet werden.

Ideale Bedingungen in der Grube
Längst weiß man in Fachkreisen der Deutschen Innungsbäcker, dass die Reife eines butterig-saftigen Christstollens entscheidend für den Geschmack ist. Als beste Umgebung gilt das natürliche Klima in Höhlen und Bergwerksstollen. Auch in der „Bindweide“ mit ganzjährig gleichbleibendem Grubenwetter ist von idealen Bedingungen auszugehen. Bei hoher Luftfeuchte und verhältnismäßig niedrigen Temperaturen von um die 10 Grad soll die altbekannte Spezialität gut durchziehen und sich mit dem typischen Stollenaroma zum einzigartigen Gaumenschmaus entwickeln.

Geschmackstest durch die Mitarbeiter
Schon lange hat man in Steinebach versucht, die Idee „Stollen im Stollen“ in die Tat umzusetzen. Doch es fehlte bisher an Fachleuten, die das Projekt in die Hand nehmen. Trotz preisgekrönter Vorbilder, etwa im Erzgebirge und im Vogtland, traute hierzulande so mancher Bäcker von altem Schrot und Korn dem Vorhaben nicht so recht. Bei spannender Herausforderung sei das Risiko für eine gelungene Versuchsreihe unter Tage einfach zu hoch, hieß es. Doch kürzlich wendete sich das Blatt, als nämlich Andreas Kohlhas aus Hachenburg Interesse am Versuchsprojekt zeigte. Der erfahrene Bäckermeister und Produktionsleiter vom Backhaus Hehl bereitete eine Marche von gut 50 Probestollen mit verschiedenen geschmacklichen Varianten vor, die jetzt in der „Bindweide“ lagern. „Die frischen Stollen waren 60 Minuten im Ofen, und jetzt folgt die Reife“, sagte Kohlhas im Kreis des Grubenteams. Bevor die Stollen mit der Grubenbahn 370 Meter in den Berg transportiert und dort in einem Querschlag eingelagert wurden, erfolgte im Bahnhof erst einmal ein Geschmackstest durch die Mitarbeiter. Immerhin ist beabsichtigt, geschmackliche Veränderungen im Zuge des Reifeprozesses zu erkennen. Um später ein optimales Resultat zu erzielen, werden die Stollen unter Tage sorgsam in unterschiedlichen Hüllen gelagert. Sogar an den Schutz des Backwerks vor tierischen Fans wie Fledermäusen ist gedacht. Am Lagerort sind ohnehin wöchentliche Kontrollen inklusive Geschmackstests nötig.



Oft bis in die Osterzeit genießbar
Förderverein-Geschäftsführer Konrad Schwan meldete sich freiwillig als erste Stollen-Testperson. Der klassische Christstollen aus wertgebenden Bestandteilen wie Butter, Mehl, Milch, Rosinen, Marzipan und anderen Füllungen hat vielerorts eine lange Tradition. Mit Puderzucker bestreut erinnerte der Stollen ursprünglich an das in Tücher eingewickelte Christkind. Der seit Jahrhundertern besonders in bergbaulichen Regionen beliebte winterliche Kuchen, auch als altes Fastengebäck bekannt, blieb oft bis in die Osterzeit genießbar. (PM)


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