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Nachricht vom 12.06.2019 - 12:54 Uhr    

Klimawandel und Insektensterben auch im Westerwald

Aufmerksam verfolgten die Besucher einen Kurzfilm der beiden Jungfilmer Florian Havranek und Colin Haubrich zum Thema Klimawandel im Westerwald und einen Vortrag von Hans-Günter Mohr zum Thema Insektensterben. Das Studio im Selterser Stadthaus war bis auf den letzten Platz gefüllt.

V.l.n.r.: Colin Haubrichs und Florian Havraneks Film „Unser Westerwald – Gezeitenwelt“ fand großen Beifall. Fotos: privat

Selters. Der Film „Unser Westerwald – Gezeitenwelt“ fand großen Beifall der Zuschauer im Selterser Stadthaus. Zu sehen waren typische Westerwälder Landschaften und wie diese durch die Industrialisierung verändert wurden, aber auch, wie sich die Natur nach dem Abbau von Basalt ihren Platz wieder zurückgewinnt. Deutlich wurden die Auswirkungen des Sturmes Kyrill und der Borkenkäferplage.

Die Autoren Florian Havranek und Colin Haubrich hatten sich über ihre gemeinsame Ausbildung zum Klimabotschafter kennengelernt. Schon im Jahr 2017 hatten sie sich des Themas angenommen, weit vor „Fridays for Future“ und den Aktionen von Greta Thunberg. Die beiden gaben Einblicke in die Entstehung des Filmes mit prominenter Unterstützung: Sprecher des Filmes ist Kurt Beck, ehemaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Ein zweiter Film der beiden ist in Vorbereitung, er wird sich ausschließlich mit dem Thema Wald befassen.

In seinem Vortrag „Wildbienen und die Gärten das Grauens“ ging Hans-Günter Mohr auf den Artenschwund von Insekten ein. Die vielen grauen Steingärten trügen auch dazu bei, seien aber nicht der Hauptgrund für den Rückgang der Insektenvielfalt. Der Vorsitzende des Imkerverbandes Nassau e.V. legte großen Wert auf verlässliche Informationen. Er kritisierte die teilweise aufreißerische Berichterstattung in den Medien.

Insekten seien nicht nur wichtige Pflanzenbestäuber und Nahrungsquelle für andere Tiere, sondern auch unentbehrlich als Recycler organischen Materials. Aus dem Rückgang der Insekten entstünden wirtschaftliche und gesundheitliche Nachteile, erklärte Mohr. Als Beispiel nannte er deformierte Äpfel mit nur drei Kernen im Gehäuse. Insektenhotels seien aber nicht das Allheilmittel gegen das Aussterben, denn 70 Prozent der Arten lebten in Erdhöhlen und die in Insektenhotels vorkommenden Wildbienen seien zurzeit nicht bedroht.

Hans-Günter Mohr gab konkrete Handlungsempfehlungen. Der Landwirtschaft empfahl er, Randbereiche einer Wiese seltener zu mähen, auf Herbizide an blühenden Ackerrändern zu verzichten und „Bienenhügel“ anzulegen. Kommunen empfahl er, Grünanlagen, Parks, Friedhöfe und Kreisverkehre für Mensch und Insekten mit gut geplanten Staudenmischungen attraktiv zu gestalten. Er schlug vor, Vorgärten zu vernetzen und das Thema auch in Vorgartensatzungen der Städte und Gemeinden zu verankern. Privaten Gartenbesitzern empfahl der Insektenfachmann in Teilbereichen Wildblumenwiesen anstelle von Steingärten anzulegen. Sehr hilfreich bei der Suche nach Nahrung und Nistplätzen seien Staudenbeete, heimische Sträucher und Laubbäume und das Anpflanzen von früh-, mittel und auch spätblühende heimische Arten über die gesamte Vegetationsperiode hinweg.

Veranstalter war die Freie Wählergruppe (FWG) der Verbandsgemeinde Selters. Dessen 1. Vorsitzender, Hanno Steindorf, freute sich über das große Interesse am Klimaschutz und über das professionelle Engagement junger Menschen. Er kündigte an, weitere Themenabende in diesem Stil zu veranstalten. (PM FWG)

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Kommentare zu: Klimawandel und Insektensterben auch im Westerwald

1 Kommentar

Insektensterben verdanken auch den vielen Windparks im Westerwald, und das ist bewiesen. die Landwirtschaft bringt auch einen großen Anteil mit ins Spiel, und nicht zu vergessen die neumodischen Kiesel/ Schottergärten. Wenn die Insekten wüssten welche Macht sie haben, würde es die Menschen bald nicht mehr geben.

#1 von Ingo Wittenberg, am 17.06.2019 um 12:20 Uhr

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