Werbung

Nachricht vom 20.04.2019 - 14:36 Uhr    

Musik zur Sterbestunde

In ihrem 20. Gründungsjahr lud die Dekanatskantorei Montabaur – sie ist der Kammerchor des Evangelischen Dekanates Westerwald – traditionell zur „Musik zur Sterbestunde“ an Karfreitag in die Evangelische Lutherkirche in der Wäller Kreisstadt ein.

Die Dekanatskantorei Montabaur lud traditionell zur „Musik zur Sterbestunde“ ein. Foto: Dr. Dirk Schawaller

Montabaur. Gemeinsam mit der Cappella Taboris – dem Vokalensemble des Evangelischen Dekanates Westerwald – und den Musikerinnen des Orchesters gestalteten die Sängerinnen und Sänger ein weiteres Kantatenkonzert unter der Leitung von Dekanatskantor Jens Schawaller, das sich mit dem Passionsgeschehen musikalisch wie textlich auseinandersetzt.

„Meinen Jesum lass ich nicht“ – mit dieser Zeile eines bekannten Kirchenliedes charakterisiert der A-Musiker die theologisch-inhaltliche Ausrichtung des Karfreitagskonzertes, das mit der Kantate „Herr, wenn ich nur dich habe“ von Friedrich Wilhelm Zachow (1663 - 1712) für Soli, Chor, Streicher und Basso continuo eröffnet wurde. In dieser sehr polyphonen Komposition verlangt Zachow in vielfacher Hinsicht erfahrene Sängerinnen und Sänger, die die lebendige Musik adäquat umzusetzen vermögen.

Ihr folgte die archaisch anmutende Aria „Jesu, meines Lebens Leben“, eine Chaconne aus der Komponistenwerkstatt des norddeutschen Tonschöpfers Dietrich Buxtehude (1637 - 1707) für solistisch besetzten Sopran, Alt, Tenor, Bass, Streicher, Blockflöten und Basso continuo. Angelika Wies (Sopran), Monika Schlößer (Alt), Hildegard Sthamer (Tenor) und Ingo Jungbluth (Bass) zeigten sich dabei von großer Stimmkultur mit deutlichem Artikulationsvermögen und kammermusikalischer Dialogfähigkeit.

Über einem gleichbleibenden Bass entfaltet Buxtehude einen variationsreichen Chorsatz, den die Cappella sicher und souverän sang. Mit den zwei Motetten „Halt, was du hast“ und „Herr, du lässest mich erfahren“ für jeweils achtstimmigen Doppelchor und Basso continuo von Johann Michael Bach (1648 - 1694) begaben sich Dekanatskantorei und Cappella in ein prächtiges klangliches Zwiegespräch, bei dem Monika Bathon als zuverlässige Codirigentin wirkte. Beide Ensembles sangen sich alternierend und – als große Steigerung – gemeinsam bei hoher rhythmischer und intonatorischer Sicherheit die frühbarocke Musik zu.

Dazu bildete die sehr kammermusikalisch-filigrane Kantate „Jesu, meine Freude“ für Soli, Streicher und Basso continuo des Lübecker Komponisten Dietrich Buxtehude (1637 - 1707) einen bewussten Gegensatz. Im Orchester wirkten als bereits mehrfach bewährte Musikerinnen Cornelia Heppner (Violine I), Marie Hesse (Violine II), Sophie Jungbluth (Viola da braccia I), Anne-Rose Selbach (Viola da braccia II), Anneke Jung (Violoncello), Gudula Marxsen (Kontrabass), Andrea Scheugenpflug (Blockflöte I), Lydia Neumann (Blockflöte II) und Susanne Schawaller (Orgel).

Die Instrumentalistinnen wussten ebenso solistisch-präsent wie begleitend zu musizieren und waren von rhythmischen Souveränität und bester Intonation geprägt. Abgeschlossen wurde die Karfreitagsmusik mit einer weiteren Komposition von Friedrich Wilhelm Zachow, des Lehrers von Georg Friedrich Händel: mit der Kantate „Siehe, ich bin bei euch“ für Soli, Chor, Streicher, Blockflöten und Basso continuo wagten die Ausführenden bereits einen kleinen Blick über Jesu Tod hinaus zu seiner österlichen Auferstehung. Anstelle eines Applauses erhoben sich die Zuhörerinnen und Zuhörer des Karfreitagskonzertes andachtsvoll schweigend und dankten so allen Aktiven für die ergreifende Musik zur Sterbestunde.



Interessante Artikel



Jetzt Fan der WW-Kurier.de Lokalausgabe Montabaur auf Facebook werden!


Kommentare zu: Musik zur Sterbestunde

Es sind leider keine Kommentare vorhanden


Aktuelle Artikel aus der Kultur


Camerata Musica singt in spätgotischer Atmosphäre

Hadamar/Limburg. Erneut arbeitet die Kulturvereinigung Hadamar als Veranstalter mit dem Hotel Nassau-Oranien zusammen, das ...

Tanzshow: Vom Orient in die Südsee im Kulturzentrum „Zweite Heimat“

Höhr-Grenzhausen. Die Tänzerin Leila Tiana begeistert seit über 20 Jahren das Publikum mit einer bunten Vielfalt ihrer Tänze. ...

Kaffee und Kölsch im b-05

Montabaur. Neben zahlreichen kölschen Liedern haben sie auch weitere Tanz- und Stimmungslieder im Repertoire, sodass auch ...

Ausstellung „Jenseits des Eigentlichen“ in Höhr-Grenzhausen

Höhr-Grenzhausen. Genau dem stellt sich der Maler Gerard Kever aus der Region Hamburg in seiner neuen Ausstellung „Jenseits ...

Buchtipp: „Todesspiel im Hafen“ von Klaus-Peter Wolf

Dierdorf. Der Roman „Todesspiel im Hafen“ trägt den Untertitel „Sommerfeldt räumt auf“ und ist der abschließende dritte Band ...

Orgelkonzerte in Nassau und Gackenbach mit Johannes von Erdmann

Gackenbach. Die wandelnden Konzertbesucher dürfen sich in beiden Konzerten an demselben Künstler erfreuen: Johannes von Erdmann, ...

Weitere Artikel


Miquel knutscht, Benita zickt rum: Ein Besuch beim Casa de la Lama

Katzwinkel. Die Presse wird schon erwartet im Casa de la Lama in Katzwinkel. Nein, nicht von Sylvia Happ, der Besitzerin ...

WW-Lit: Annegret Held macht „Heimat Westerwald“ zum Thema

Unkel/Region. „Heimat Westerwald“ ist der Titel einer Veranstaltung der Westerwälder Literaturtage (WW-Lit) mit der Wäller ...

Radfahrer wurde bei Verkehrsunfall tödlich verletzt

Hachenburg/Steinebach an der Wied. Am Samstag, 20. April, gegen 15.30 Uhr, kam es auf der Landstraße 292 zwischen Hachenburg ...

Optimale Diagnostik am Standort Limburg konzentriert

Limburg. Chefarzt Prof. Dr. Stephan Steiner: „Durch die gute Kooperation mit dem Team der Radiologie können wir jetzt optimale ...

Ostern unterwegs: Was ist los in der Region?

Kreisgebiet/Region. „Sonne satt“ versprechen die Wettervorhersagen für die Ostertage. Beste Aussichten also für größere und ...

Spenden für neuen AWO-Bus

Wirges. SPD-Stadtbürgermeisterkandidatin Sylvia Bijjou-Schwickert spendete und veröffentlichte daraufhin einen kurzen Online-Beitrag ...

Werbung