Werbung

Wirtschaft | - keine Angabe -


Nachricht vom 15.04.2019 - 17:49 Uhr    

Über die Zukunft des Geldes oder das Geld der Zukunft

Die Digitalisierung von Bezahlvorgängen und Finanzmärkten war Thema bei der internationalen Tagung „MoneyLab: Infrastructures of Money“ auf dem Campus Unteres Schloss der Uni Siegen. Das Zahlen per Smartphone ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Auch sonst werden die Finanzmärkte immer digitaler – und damit schneller. Doch was bedeutet das für die Zukunft des Geldes und der Märkte?

Dr. Crystal Abidin erforscht, wie sich mit Social Media Geld machen lässt. Dazu untersuchte sie die Erfolgsstrategien von Influencern in Australien, Südostasien und Europa. (Foto: Uni Siegen)

Siegen. An der Supermarkt-Kasse wird nicht mehr das Portemonnaie gezückt, sondern das Smartphone. Per Bezahl-App wird die Rechnung beglichen – kein Kramen nach Scheinen, Groschen oder Karten, kein Kontrollieren und Verstauen von Wechselgeld. Das Zahlen per Smartphone ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Auch sonst werden die Finanzmärkte immer digitaler – und damit schneller. Doch was bedeutet das für die Zukunft des Geldes und der Märkte? Wird das Bargeld irgendwann komplett verschwinden? Welche neuen Infrastrukturen des Geldes brauchen wir? Beim „MoneyLab“ im Museum für Gegenwartskunst und auf dem Campus Unteres Schloss haben Wissenschaftler, Künstler und Aktivisten über diese und ähnliche Fragen diskutiert. Es handelte sich um eine gemeinsame Tagung des Sonderforschungsbereichs (SFB) „Medien der Kooperation“ der Universität Siegen und des Institute of Network Cultures aus Amsterdam.

Bezahlen als Medienpraktik
Dr. Sebastian Gießmann ist Nachwuchsgruppenleiter am Sonderforschungsbereich und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Geld als Medium und dem Bezahlen als Medienpraktik. Beides habe sich durch die zunehmende Digitalisierung verändert, sagt Gießmann: „Bezahlen ist heute nicht mehr nur der Tausch von Geld gegen eine bestimmte Ware, sondern durch die neuen Bezahltechniken geht es plötzlich auch dabei um digitale Medienkompetenz.“ Bei der Abwicklung digitaler Bezahlvorgänge werden Daten erhoben und abgespeichert. Geld werde damit immer mehr zu einem sozialen Medium, es existiere vor allem in Form einer vernetzten Buchhaltung, erklärt Gießmann: „Das ist der große Unterschied zum Bargeld. Scheine und Münzen liefern in unserer digitalen Welt ein Maß an Anonymität, das ansonsten immer mehr verloren geht. Deshalb glaube ich auch nicht, dass das Bargeld in näherer Zukunft komplett verschwinden wird.“

Vertrauensvorschuss gefragt
Hinzu komme insbesondere in Deutschland eine relativ ausgeprägte Skepsis gegenüber digitalen Bezahlsystemen: „Bargeld verfügt über offensichtliche Sicherheitsmerkmale, die jeder selbst optisch und haptisch überprüfen kann. Eine solche Prüfmöglichkeit bieten Apps hingegen nicht, hier ist ein größerer Vertrauensvorschuss gefragt“, sagt Gießmann. In anderen Ländern sei man grundsätzlich offener – das habe sich zum Beispiel auch bei der Etablierung der Kreditkarte als Zahlungsmittel gezeigt. In den USA wurde die Massen-Kreditkarte bereits in den 60er Jahren eingeführt. Der Digitalisierungsprozess der Bezahlinfrastrukturen habe schon damals begonnen und sich seitdem fortlaufend entwickelt, betont Gießmann: „Ich wundere mich immer, wie in Deutschland über Digitalisierung gesprochen wird. Als hätte das gerade eben erst angefangen.“

Gefahr von „Flash-Crashs“
Auch an den Börsen haben sich moderne Handelstechniken wie der Hochfrequenzhandel mit automatisch generierten Verkaufsaufträgen etabliert. Das macht Abläufe schneller, birgt aber auch Risiken: Durch automatisierte Vorgänge können an den Märkten rapide Abwärtsbewegungen entstehen, die nicht zu stoppen sind und zu so genannten „Flash-Crashs“ führen. Umso bedeutsamer sind die zugrundeliegenden Algorithmen, die die Finanzmärkte steuern – sie wurden beim „MoneyLab“ durch die Chicagoer Soziologin Karin Knorr-Cetina eingeordnet.

Wie verdienen Influencer Geld?
Außerdem ging es bei der Tagung um vernetzte digitale Medien und Möglichkeiten der Kommerzialisierung, die sich daraus ergeben: Social Media-Plattformen wie Instagram oder Tumblr ermöglichen es Nutzern, mit Beiträgen Geld zu verdienen. Welche Strategien erfolgreiche Influencer dazu anwenden, erläuterte Social Media-Forscherin Dr. Crystal Abidin. Entscheidend sei ein Mix aus besonderen Fähigkeiten oder Eigenschaften, Exklusivität – aber auch Alltäglichkeit, erklärte Abidin. So zeichnen sich erfolgreiche Influencer einerseits durch Attraktivität, großen Reichtum oder ein bestimmtes Talent aus. Gleichzeitig ermöglichen sie es ihren Followern, durch regelmäßige Posts an ihrem – vermeintlichen – Alltag teilzuhaben. Welche Art von Inhalten Influencerinnen dabei erstellen, welche Kommerzialisierungsstrategien sie nutzen und wie sie die Algorithmen der jeweiligen Plattformen zu ihren Gunsten optimieren, erforscht Abidin in Australien, Südostasien und Europa.

„Moneylab“ im Herbst in Amsterdam
Beim „MoneyLab“ handelt es sich um eine jährliche Veranstaltung, die 2019 zum ersten Mal in Siegen stattgefunden hat. Vorherige Veranstaltungsorte waren neben Amsterdam unter anderem London und Buffalo. Im Herbst 2019 wird das „Moneylab“ erneut in Amsterdam stattfinden. (PM)



Interessante Artikel



Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
 


Kommentare zu: Über die Zukunft des Geldes oder das Geld der Zukunft

Es sind leider keine Kommentare vorhanden


Aktuelle Artikel aus der Wirtschaft


Erstes Examen von 21 Azubis am BiGS

Siegen. Der Kurs 2016-2019 ist der erste Kurs, der die Ausbildung noch in den alten Räumen der Kinderkrankenpflegeschule ...

Einzelhandel im Westerwaldkreis lädt zum „Heimat shoppen“ ein

Montabaur. 2019 beteiligen sich erstmals über 50 Städte und Gemeinden aus allen vier rheinland-pfälzischen IHK-Bezirken an ...

Im Einklang mit der Natur: Mank transportiert ökologische Vielfalt in die Gastronomie

Dernbach. Der neue Servietten-Look zeichnet sich vor allem durch warme, natürliche Farbtöne und ein dezentes, naturverbundenes ...

Gute Ideen für Herbst-Wochenenden in der Region

Kletterwald Bad Marienberg

Wer seinen Adrenalinspiegel in die Höhe treiben will, der ist im Kletterwald Bad Marienberg ...

Westerwald-Metzgerei Hüschs Landkost feiert 60. Geburtstag

Rosenheim. Seit 60 Jahren steht die Westerwald-Metzgerei Hüschs Landkost für höchste Qualität und Frische. Der Gourmetpreis ...

Unternehmensrundreise im Westerwaldkreis

Westerwaldkreis. Tatsache ist, dass auch die Unternehmen im Westerwald einen weiterhin wachsenden Personalbedarf - nicht ...

Weitere Artikel


Aktion „Saubere Landschaft“: Landrat gibt Startschuss in Höchstenbach

Westerwaldkreis. Aus den Verbandsgemeinden Bad Marienberg, Selters und Wirges nahm sogar aus jeder Ortsgemeinde eine Gruppierung ...

Einblicke in den Kita-Alltag erhalten

Region. Sarah Grebel und Christina Lowjaga haben sich im vergangenen Jahr für diesen Weg entschieden. Bei beiden jungen Frauen ...

Verkehrsunfall unter Alkoholeinfluss - Zeugen gesucht

Bad Marienberg. Am Montagabend befuhr eine 38-jährige Frau mit ihrem PKW die L 293 aus Richtung Unnau kommend in Richtung ...

Kunden in der Region von Energycoop-Pleite betroffen

Koblenz. Im Netzgebiet der Unternehmensgruppe Energieversorgung Mittelrhein (EVM-Gruppe) sind hiervon allein 532 Strom- und ...

Kreismusikschule Westerwald freut sich über Violine

Montabaur. Nun wird die Geige zukünftig von begabten Schülerinnen und Schülern im Kreis wieder zum Klingen gebracht.

In ...

Seniorenmesse war ein voller Erfolg

Vallendar / Westerburg / Bendorf. Das Wetter war perfekt und die Stimmung bestens. Alle 29 Aussteller hatten sichtlich Freude ...

Werbung