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Nachricht vom 10.03.2019    

Gag-Maschine Abdelkarim in Hachenburg

In seinem Programm „Staatsfreund Nummer 1“ lästert der Marokkaner Abdelkarim über die Marotten der Deutschen und ihren Umgang mit Flüchtlingen, wobei er sich und sein bedrohliches Taliban-Aussehen als Lachnummer mit einbezieht. Vor allem die Besucher in der ersten Reihe werden ständig einbezogen, mit unerwarteten Fragen verunsichert und mit komischen Kommentaren erheitert.

Abdelkarim auf der Bühne der Hachenburger Stadthalle. Fotos: Helmi Tischler-Venter

Hachenburg. Angesichts der am Samstagabend, 9. März in der Stadthalle anwesenden Soldaten vom Sanitätsregiment beantwortete der Kabarettist seine Frage selbst: „Sanitätsregiment? Wahrscheinlich die letzte Gruppe, die hat’s nicht in den Wald geschafft.“ Die beiden Stadtteile „Hachenburg“ und „Altstadt“ fand der Bielefelder verwirrend. Ebenso dass als Ort der Hachenburger Jugendkultur der Parkplatz vor dem Burger King genannt wurde. Die Fußballspieler aus Hattert-Atzelgift lieferten mit dieser Namenskombination dem Comedian ebenfalls Spottvorlagen. Seine Gags waren „reiner Smalltalk um die Zeit zu füllen“, trotzdem oder deshalb brachten sie das Publikum ständig zum Lachen.

Von seinen eigenen Erlebnissen erzählte der Nafdi (Nordafrikaner) so manche Geschichte: Angefangen von seinen Erfahrungen als unsportlicher Langsamläufer mit Riesenschuhen in der Grundschulzeit in der Bielefelder Bronx, über diverse Kulturschocks wie das Programmkino mit extrem langsamen Filmen, Saunabesuch eines Klassenkameraden zusammen mit den Eltern, nachvollziehbar: seine falschen Vorstellungen von Kapern, Meerrettich und Schattenmorellen, die er allesamt für Tiere hielt, über seine Begegnungen mit Hipstern und Sankt Martin bis zu einem All-you-can-eat-Asia-Buffet, das Dauerduft nach gebackenen Bananen impliziert.

Mit Jogginghose und Lederjacke wirke er russisch, aber er sei ein Undercover-Deutscher ohne deutschen Pass, aber mit Kadaver-Lifestyle. Persönlich erlebte er die Zauberzeremonie mit, bei der innerhalb von einer Stunde 40 Ausländer rein und 40 Deutsche aus dem Raum heraus gingen.

Als Zwangsintegration empfindet der Moslem die Angewohnheit mancher Deutscher, in der überfüllten Bahn Wurstbrot zu essen: Man muss Wurst einatmen, da erhält der Begriff „Jagdwurst“ einen neuen Sinn. Alkohol-Abstinenz mache ihn zum Außenseiter, aber: „Wenn Marokkaner besoffen sind, glauben sie, sie seien Spanier“. Dadurch komme es zu Übergriffen wie am Kölner Hauptbahnhof. Für dieses Problem hat Abdelkarim eine griffige Lösung parat: mehr schwule Männer, vor denen haben Marokkaner Angst.

Im zweiten Programmteil löste Abdelkarim auch politische Probleme auf seine urkomische Art. Merkel hält er für den Mafia-Boss in der Politik: Keiner hört oder sieht sie, aber ihre Feinde verschwinden alle in der Merkel-Raute. Flüchtlinge werden das Thema für die nächsten zwanzig Jahre bleiben, ist sich der Comedian sicher, aber „die Flüchtlinge waren für uns Migrantenkinder ein Aufstieg.“

Mit Toleranz und dem skurrilen Humor eines Abdelkarim lässt sich nicht nur ein Lachmuskel strapazierender Abend genießen, das ganze Leben wird leichter.

Beim nächsten Kleinkunstabend der Hachenburger Kulturzeit am 13. April bekennt Stephan Bauer: „Vor der Ehe wollt‘ ich ewig leben.“ Auf die Auftaktveranstaltung zu „Hachenburg plastikfrei“ am 26. März im Vogtshof wies Kulturreferentin Beate Macht besonders hin und warb um Mitarbeit. htv


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