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Nachricht vom 07.02.2019    

Veranstaltung: Radverkehrskonzept für bessere Mobilität im Westerwald

„Radverkehrskonzept als Chance für eine bessere Mobilität im Westerwald“ lautete das Thema einer Veranstaltung am Mittwoch, 6. Februar in Montabaur, zu der Uli Schmidt vom Kreisverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) eingeladen hatte. Zahlreiche Interessenten hörten in der gut gefüllten Bürgerhalle des Historischen Rathauses Vorträge von Fachleuten sowie Statements aus den Bereichen Kommune, Radsport, Tourismus, Gesundheit und Naturschutz.

Veranstalter und Moderator Uli Schmidt. Fotos. Helmi Tischler-Venter

Montabaur. Politik und Wetter seien dem Fahrradfahren gegenüber immer aufgeschlossener, stellte Veranstalter Uli Schmidt aus Horbach einleitend erfreut fest und zitierte den Grünen-Politiker Cem Özdemir: „Das Fahrrad gehört in die Bundesliga der Politik.“ Im Westerwaldkreis gebe es viele touristische Radwege. Im nächsten Schritt gelte es ein alltagstaugliches Radwegenetz zu erstellen für Leute, die von A nach B zum Arzt, Schule oder Einkaufen wollen. Im Alltag werde für Kurzstrecken zwischen 1 bis zu 3 Kilometern noch immer zu oft das Auto genutzt. Dabei liegen viele Entfernungen zwischen benachbarten Gemeinden überwiegend im fahrradtauglichen Bereich bis zirka 10 Kilometer. Doch mangele es dafür an sicheren, direkten und schnellen Radwegeverbindungen.

Der Hausherr, Bürgermeister Ulrich Richter-Hopprich bestätigte, die Liebe zum Auto sei im Westerwald sehr stark. Die geographischen Probleme des Westerwalds als Mittelgebirge und schwieriges Wetter würden durch technische Entwicklungen wie dem Fahrrad mit Hilfsmotor oder einem vierrädrigen Fahrrad mit Dach ausgeglichen. Die Verbandsgemeinde Montabaur sei geradezu prädestiniert für eine hohe Fahrradnutzung. Der Bürgermeister stellte fest, dass das Fahrrad kein Allheilmittel sei. Man müsse unterschiedliche Mobilitätsansätze zusammenfassen. Die Wichtigkeit hätten alle Parteien im Landtag erkannt.

Dr. Rupert Röder vom VCD-Landesverband forderte: „Die menschengerechte Stadt muss das Ziel der Politik sein.“ Die bedingungslose Priorität des Autos sei nicht mehr selbstverständlich, die Verkehrswende sei auch nötig im Hinblick auf Klimawandel und Abgaswerte. Nötig sei ein Ausbau des ÖPNV plus Wege für Fahrräder und Fußgänger. Die meisten Unfälle mit Fahrradfahrern seien Abbiegeunfälle. Sichtbarkeit verleihe Sicherheit. Wegen sehr unterschiedlicher Rad-Infrastruktur seien Radwege unter 2,50 Meter Breite ungeeignet. Röder zeigte ein interessantes Radwege-Modell aus den Niederlanden, eine Straße aus Solarpanelen, die für Radfahrer nutzbar ist.

Peter Jurkschat vom Radsportverein RSG Montabaur wies auf die besondere Verantwortung für Kinder und Jugendliche hin und beklagte den miserablen Zustand vieler Straßen, die das Radfahren gefährlich machen. Diesen Mangel bestätigte Sören Sander, der seine Erfahrungen als Radfahrer in Montabaur schilderte. Vorgeschriebene Radwege mit Gegenverkehr seien auch sehr gefährlich und oft unsinnig. Zudem forderte er die Absenkung von Bordsteinen. Auch die Initiative, die sich für einen Radweg zwischen Montabaur und Holler einsetzt, will am Ball bleiben und nach Rita Schneiders Aussage ein Radverkehrskonzept für den Westerwaldkreis anschieben. Mehrere Redner und Zuhörer wünschten sich am Bahnhof Garagen für Fahrräder und E-Bikes.



Der Klimaschutzbeauftragte der VG Hachenburg, Henrik Lütkemeier zitierte die Vision einer Studie, dass mit Unterstützung aus Politik und Bevölkerung der Radverkehr „mit ambitionierter Förderung“ bis 2050 auf 69 Prozent des Nahverkehrs zu steigern und 90 Prozent Emissionen zu reduzieren seien.

Jonas Krause-Heiber, Regionalgeschäftsstellenleiter vom NABU nannte als Ziel eines Radverkehrskonzeptes die Reduzierung der negativen Auswirkungen des Verkehrs auf Natur und Menschen. Bei der Bauplanung von Radwegen müsse immer auch an den Naturschutz gedacht und Flächenverlust vermieden werden.

Karin Maas, Leiterin der Tourist-Info sah eine große Bedeutung des Radfahrens neben dem Wandern für den Tourismus. Von touristischer Seite sei man auf einem guten Weg, es seien ständig Wege ausgeschildert worden, aber das komfortable Alltagsnetz für die Bevölkerung lasse sehr zu wünschen übrig.

Jupp Trauth, Radwegeplaner von Hunsrück-Velo wollte Freizeitfahrer in die Natur und Alltagsfahrer auf die Straße schicken. Er betonte, das Rad sei kein langsames Verkehrsmittel, daher fahre man innerorts besser auf der Straße mit Schutzstreifen als auf Zwei-Richtungs-Radwegen. Rheinland-Pfalz brauche ein großräumiges Radwegenetz mit Anschluss aller Mittelzentren: plausibel, sicher, schnell, mit Winterdienst und Beleuchtung. Das Land müsse mehr Geld in den Radwegebau stecken, der LBM müsse an jeder Straße den Radverkehr berücksichtigen und diese Anweisung müsse von oben kommen.

Einig waren sich alle Fachleute, dass durch ein Radverkehrskonzept viele positive Effekte geschaffen werden können. Geeignete Radwege in Verbindung mit dem ÖPNV und Fahrradgaragen könnten das gesundheits- und naturbewusstseinsfördernde Radfahren im Westerwald populär machen. Das setzt entsprechende Investitionen und ein Umdenken bei allen Straßenbaulastträgern voraus. Ziele sind ein gutes Alltags-Radwegenetz und eine gute Infrastruktur. Interessierte Bürger sind zu beteiligen, denn sie kennen Mängel und Lücken der Wege.

Uli Schmidt will mit seinem Protokoll der Ergebnisse und Forderungen der Veranstaltung einen Antrag im Kreistag einbringen mit dem Ziel, dass der Kreistag zustimmt, ein Radverkehrskonzept für den Westerwaldkreis durch ein zu beauftragendes Fachbüro erstellen zu lassen und in das Straßenbauprogramm des Kreises jeweils geeignete Radwegebaumaßnahmen verbindlich einzustellen.

Zum Schluss überraschte Schmidt die Besucher mit dem Geständnis, dass seine Idee eines autofreien Gelbachtal-Sonntags seinerzeit von Ministerpräsident Rudolf Scharping und Innenminister Roger Lewentz in die Aktion „autofreies Rheintal“ umgesetzt wurde. htv


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Kommentare zu: Veranstaltung: Radverkehrskonzept für bessere Mobilität im Westerwald

2 Kommentare

Radfahren und Westerwald.. zwei Welten prallen aufeinander..
Dabei wäre es alleine schon für den Tourismus wichtig.
Ich kann es nicht nachvollziehen, wie dieses Thema von politischer Seite so vernachlässigt wird.
#2 von Markus Dübbert, am 09.02.2019 um 08:43 Uhr
Der innerörtliche Radwegebau scheitert häufig am mangelnden Platz. Abhilfe könnte eine völlig neue Individualverkehrskonzeption sein. Das Automobil ist vom Namen her schon ein Anachronismus. Ist es doch die meiste Zeit des Tages immobil. Im asiatischen Raum ist man schon etwas weiter. Personendrohnen werden die Zukunft beherrschen und zwar als ÖPNV mit geringen Kosten, wenn die richtige Technologie zum Einsatz kommt. Die heutigen Straßen können dann den Radfahrern überlassen werden und dem verbleibenden Gütertransport. Der Widerstand der Besitzstandswahrer und Besserwisser wird nicht ewig halten.
Quellen:
Lüling Magnetmotor UfA-Wochenschau
https://www.youtube.com/watch?v=8QvMcCLjB_8

Troy Reed USA 1995
https://www.youtube.com/watch?v=bVCGp8U_pqs

und das eingebaut in
https://www.facebook.com/cnet/videos/10156375643657275/

Jeder fängt mal klein an:  https://youtu.be/EQK9m_OBVgY
#1 von Michael Musil, am 08.02.2019 um 10:42 Uhr

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