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Nachricht vom 06.02.2019    

Zwischen Tradition und Innovation: Alexander Graf von Hachenburg

Im Rahmen der Reihe „Kultur unter der Lupe“ präsentierte der Kultur- und Verkehrsverein Limbach den Referenten Dr. Jens Friedhoff, seit 2012 Stadtarchivar von Hachenburg, im Haus des Gastes. Am 5. Februar fand der Ersatztermin für den am 17. Dezember ausgefallenen Vortrag „Alexander Graf von Hachenburg: Auf den Spuren eines Westerwälder Originals“ mit sehr großem Publikumsinteresse statt.

Ralph Hilger (rechts) vom KuV Limbach begrüßt den Referenten Dr. Jens Friedhoff und die Zuschauer. Fotos: Helmi Tischler-Venter

Limbach. Organisator Ralph Hilger stellte erfreut fest, dass „mehr Menschen als Limbach Einwohner hat“ gekommen seien. Die Stühle reichten, aber Hilger musste zusätzliche Parkplätze anweisen.

Friedhoff stellte angesichts des Andrangs fest, dass auch der Graf davon begeistert gewesen wäre. Dieser letzte adlige Bewohner des Hachenburger Schlosses sei eine spannende und skandalumwitterte Persönlichkeit gewesen. Selbst Familienmitglieder bezeichneten ihn als „Original“.

Graf Alexander wurde am 14. Juli 1847 im saynschen Stadtpalais zu Paris als Sohn des Grafen Ludwig Adolph Friedrich von Sayn-Wittgenstein-Berleburg - der durch Schenkung der Burg Sayn sowie des Schlosses Sayn und des Rittergut Boos-Waldeck von König Friedrich Wilhelm IV. Fürst von Sayn-Wittgenstein-Sayn war - und dessen zweiter Ehefrau, der schönen russischen Fürstin Leonilla von Bariatinski (1816-1918), geboren.

Friedhoff zeichnete das Portrait eines Adligen, dessen Weg in den Militärdienst vorgegeben war: Nach dem Besuch der Gymnasien in Bonn und Münster wurde der 18-Jährige Königshusar. Er nahm 1866 am preußisch-Österreichischen Krieg teil und 1870/71 am Deutsch-Französischen Krieg. Als Major erlebte er von 1914 bis 1918 den Ersten Weltkrieg. Dem Vaterland treu zu dienen war seine Auffassung und standesgemäße Haltung.

1870 heiratete Alexander Yvonne de Blacas d'Aulps, der Ehe entstammten vier Kinder. Nach dem Tod des Vaters und dem Ausscheiden seiner älteren Brüder trat Graf Alexander 1879 das
Sayner Erbe an und übernahm das von seinem Vater 1860 gegründete Fideikomiss Sayn mit dem Titel eines Fürsten von Sayn-Wittgenstein-Sayn. Nachdem seine erste Frau gestorben war, heiratete er die Erzieherin seiner Kinder, Freifrau Helene von Krolikowski. Wegen dieser nicht standesgemäßen Ehe musste er das Fideikommiss Sayn mit dem Fürstentitel zu Gunsten seines ältesten Sohns Stanislaus aufgeben. Heutiger Linienchef ist der in Bendorf-San lebende Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn.

Dem Grafen wurde der Titel "Graf von Hachenburg, Prinz zu Sayn-Wittgenstein" verliehen. Ab 1883 wählte der Graf die preußische Stadt Hachenburg als Wohnsitz. Er lebte zur Miete im Schloss. Dort wurden zwei weitere Söhne geboren: Hans und Eberhard. 1895 verließ die Familie Hachenburg und zog in das renovierte Schloss Friedewald, dessen Ruine der Geschichtsbesessene aus nostalgischen Gründen zum kunsthistorisch großartigen Renaissanceschloss ausgebaut hatte. Doch zwangen den Grafen finanzielle Engpässe, den Friedewalder Besitz an seinen Neffen Otto von Sayn-Wittgenstein-Berleburg zu verkaufen.

Im Dezember 1918 kehrte Alexander als Major aus dem Krieg zurück. Er lebte zunächst in Bad Godesberg, dann zwischen 1922 und 1925 bei Verwandten in Schloss Berleburg, danach drei Jahre in Koblenz-Pfaffendorf und von 1928 bis 1937 in Bad Ems. Im Jahr 1937 kehrte er nach Hachenburg zurück. Im Juli des Jahres wurde er zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Er starb 1940 im Alter von 93 Jahren im Krankenhaus in Wissen. Er liegt – auf eigenen Wunsch- in der Abteikirche Marienstatt begraben, ebenfalls eine Gründung der katholischen Sayner.

Graf Alexander von Hachenburg hat ein finanzielles Chaos hinterlassen, denn er hat immer über seine Verhältnisse gelebt. Wahrscheinlich war der Graf auch ein Spieler, der immer in Geldnöten lebte.

Überregional bekannt waren seine rauschenden Feste in Hachenburg, wo er Räume und Stallungen sowie Ländereien gepachtet hatte. Legendäre Kostümfeste und Maskenbälle auf dem Schloss sowie die „Italienische Nacht“ im Burggarten zogen viele Persönlichkeiten an. Jeweils am zweiten Weihnachtsfeiertag richtete er eine Weihnachtsbescherung für Bedürftige und Notleidende aus. Auch das gehörte zu seinem adligen Selbstverständnis.

Der Graf verbesserte die Infrastruktur der Stadt. Spuren davon kann man überall in Hachenburg finden: Das Kaiser Wilhelm-Denkmal geht auf seine Initiative zurück. Er schenkte der Stadt den goldenen Löwen mit dem Stadtwappen auf dem Marktbrunnen, auf dem bisher nur ein Pinienzapfen angebracht gewesen war. Auf Anregung des Grafen wurden Wanderwege entlang der Nister geschaffen, neue Wege im Burggarten angelegt und Ruhebänke dort aufgestellt. Er stiftete die Uhr an der Marktkirche. Graf Alexander gründete den wahrscheinlich ersten deutschen Tennisclub und war erster Vorsitzender des Verschönerungsvereins.

Der Graf war Förderer und Ehrenpräsident des Schützenvereins, dem er die Schützenkette aus dem Kunsthandel zurückkaufte und schenkte. 1909 übergab er dem Verein die Bataillonsfahne aus den Napoleonischen Kriegen. Geschichtsbewusstsein gepaart mit Selbstdarstellung zeigt die Prägung einer Medaille mit dem Bildnis des Grafen. Aufgrund seiner Vermittlung wurden die Dernbacher Schwestern nach Hachenburg gerufen und für das Helenenstift gewonnen. Seine Verdienste um den Schützenverein und die Wiederbeschaffung der Schützenkette sowie das Hachenburger Musik- und Chorleben sind unvergessen. 1930 wurde der Marsch „Fürst Alexander von Hachenburg“ komponiert, obwohl er diesen Titel nicht mehr besaß. Graf Alexanders Heimatverbundenheit und Mäzenatentum bescherten ihm 1973 den Titel „Ehrenbürger der Stadt Hachenburg“ unter Bürgermeister Vollmann.

Graf Alexander präsentierte sich gern als Mann von Stand. Er war einer der Ersten, die in Hachenburg Auto oder Schi fuhren, ein innovativer Charakter. Am liebsten war er inmitten „seiner“ Hachenburger, wie auf Fotografien zu sehen ist. Es leben noch etliche Zeitzeugen, die sich lebhaft an den Grafen erinnern.

Graf Alexander war auch Genealoge und Historiker und als solcher schriftstellerisch tätig. Er schrieb eine saynsche Familiengeschichte und gab mehrere Bücher heraus. Seine Sammelleidenschaft bescherte der Stadt 1936 ein Heimatmuseum im Schloss, das jedoch samt Gebäude verkauft wurde. Heute sind einige wenige Exponate noch im Landschaftsmuseum Westerwald und im Gewölbe des Archivs in der Perlengasse 2 zu sehen.

Am 18. Februar findet bereits die nächste Veranstaltung des KuV Limbach statt. Es werden wieder viele Besucher erwartet zu dem Thema: „Die Westerwald-Brauerei – zwischen Heimat, Tradition und Innovation“. Informationen auf der Homepage: www.kuv-limbach.de/heimat-unter-der-lupe. htv


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