Werbung

Kultur | - keine Angabe -


Nachricht vom 01.01.2019    

Lesetipp: „Caligulas Schwager" von Stephan Berry

Untertitel: „Das bemerkenswerte Leben des Höflings Marcus Vinicius“. Marcus Vinicius war Angehöriger einer angesehenen Familie, Senator und verheiratet mit einer kaiserlichen Prinzessin und als Höfling ein gewiefter Taktierer im lebensbedrohlichen inneren Zirkel des julisch-claudischen Kaiser-Machtbereichs. Als seine Ehefrau sich an einem Komplott gegen ihren Bruder Caligula beteiligte, schien sein tragisches Ende besiegelt.

Buchtite. Foto: Nünnerich-Asmus Verlag

Mainz. Vinicius überlebte die Falle, weil er die Spielregeln der Regierungskunst gut kannte. Er stammte ursprünglich aus Campanien, aus der Stadt Cales (heute Calvi Risorta). Seine Familie gehörte zu den örtlichen Honoratioren. Ihr Aufstieg in den römischen Senat fällt in die Zeit Caesars und seines Nachfolgers Augustus. Die neu ernannten Funktionäre waren bedingungslos kaisertreu. Da der Vater Marcus Vinicius zudem sehr fähig war, wurde er einer der führenden Generäle unter Augustus. Danach betätigte er sich als Redner bei Gericht, eine Tätigkeit, die von vielen rhetorisch versierten Männern aus der Oberschicht ausgeübt wurde. Im Jahr 46 starb Marcus Vinicius.

Aus dem Privatleben der Titelfigur Marcus Vinicius ist bekannt, dass er im Jahre 33 nach Christus von Tiberius mit seiner jungen Enkeltochter Livilla verheiratet wurde, einer Tochter des Germanicus, Neffe und Adoptivsohn des Kaisers. Durch diese Eheschließung wurde er Caligulas Schwager. Seine beiden Schwestern bewegten sich wohl im Umfeld der politischen Opposition. Zudem waren die großen Familien der Aemilier und Domitier verwandtschaftlich mit Vinicius verbunden. Voraussetzungen, die für diesen im macht- und ränkeschmiedenden Römischen Reich alles andere als günstig waren.

Stephan Berry nutzt für seinen antiken biografischen Kriminalroman schriftliche Quellen ebenso wie epigraphisches Material. Dabei erweisen sich nach Berrys Erkenntnis Quellentexte oft als wenig authentisch oder sie tradieren Fehler. Der Autor musste sich mit kritischem Blick durch Berge von römischen Texten arbeiten und deren Glaubwürdigkeit untersuchen, um ein zutreffendes Bild der Lebenszeit von Marcus Vinicius zu übermitteln. Die römischen Historiker waren parteiisch, denn sie waren entweder selbst Senatoren oder hochrangige Vertreter des Ritterstandes, die sich einig waren in der Verdammung von „schlechten“ Kaisern. Außerdem tauchen weltweit falsche Marci Vinicii auf, weil der Name sehr geläufig war. Relevant ist lediglich ein Marcus Vinicius, Sohn des Publius aus der Provinz Poblilia, dem der Autor terrierhaft nachspürte und fand.

Der Gesuchte war im Jahr 15 – ein Jahr nach Augustus Tod - als Militärtribun bei Feldzügen in Germanien unter dem Oberbefehlshaber Germanicus, Neffe, adoptierter Sohn und designierter Nachfolger des Kaisers Tiberius. Marcus war der Legio II Augusta mit Stammlager in Mogontiacum (Mainz) zugeteilt. Er überlebte eine Vielzahl Gefechte gegen die Cheruscer, Bructerer und Marser, aber er war nicht glücklich in diesem unzugänglichen Land mit seinen Wäldern und Sümpfen, lieber hätte er eine ruhige Kugel in Spanien geschoben. Aber es ging für ihn auch in Germanien vor allen Dingen um die Politik in Rom und die Chance, die richtigen und wichtigen Kontakte zu knüpfen. Bemerkenswert ist ein zweifaches Konsulat. Das erste wurde Vincinius unter Tiberius zuteil, das zweite im Jahr 45 unter Claudius.

Einen wichtigen Personal-Zirkel, zu dem auch der Titelheld gehörte, gab es um den Philosophen Seneca herum. Seneca hatte gute Beziehungen zu Caligulas Schwester Agrippina, die ihn zum Mentor ihres Sohnes Nero machte, des späteren Kaisers. Während der Krisenjahre, als es um die Nachfolge des Kaisers Tiberius ging, dessen beide designierte Nachfolger verstarben, hielt sich Marcus Vinicius offenbar aus allen Intrigen heraus. Innerhalb seines Familien- und Freundeskreises rollten allerdings Köpfe. Vinicius überstand auch die Säuberungsaktion nach dem Tod Caligulas. Der Caesar wurde während einer Theateraufführung ermordet, bei der auch Marcus Vinicius anwesend war. Beinahe wäre dieser sogar selbst Kaiser geworden.

Den sehr blutreichen Familienkonflikt um die Caesarenmacht dröselt Stephan Berry in viele Stränge auf. In (farblich abgesetzten) Exkursen beleuchtet Berry die Atmosphäre, die höfischen Verhältnisse mit Intrigen und Machenschaften, in deren Zwängen die Hauptperson steckte. Genau das Material, das heute noch viele bunte Blätter mit hoher Auflage am Leben hält.

19 Abbildungen von Artefakten aus der Caesaren-Ära und die Stammbäume der wichtigsten Akteure veranschaulichen das schwer zu durchschauende Geflecht.

Erschienen ist der gebundene 256-seitige Band im Nünnerich-Asmus Verlag, ISBN 978-3-961760-02-2. htv



Kommentare zu: Lesetipp: „Caligulas Schwager" von Stephan Berry

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

Beliebte Artikel beim WW-Kurier


Corona: Westerwaldkreis nun Warnstufe „gelb“

Am 20. Oktober meldet der Westerwaldkreis 720 bestätigte Corona-Fälle im Kreis, davon inzwischen 580 wieder genesen. 669 Westerwälder befinden sich in angeordneter Quarantäne. Der Westerwaldkreis rutscht nunmehr in die Warnstufe „gelb“, allein von der Hochzeit in Altenkirchen kamen 21 positive Fälle dazu.


Appell des Landrats an die Westerwälderinnen und Westerwälder

Vor dem Hintergrund der immer weiter steigenden Fallzahlen auch im Westerwaldkreis wendet sich der Landrat an die Mitbürger und Mitbürgerinnen. Die Zahl der Appelle vieler Stellen und Personen häufen sich exponentiell zu den steigenden Fallzahlen. „Und auch ich habe mich dazu entschlossen, mich als Landrat unseres Westerwaldkreises an Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, zu wenden.“


Veränderte Besuchsregelung im St. Vincenz-Krankenhaus

Die Besuchsregelung im St. Vincenz-Krankenhaus Limburg wird mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen im Landkreis ab kommenden Mittwoch, 21. Oktober, angepasst. Die seit Juli geltende Besuchsregelung bleibt grundsätzlich bestehen, jedoch wird die Anzahl der Besucher reduziert, die ein Patient empfangen darf.


Verbandsgemeinderat Hachenburg nahm seine Arbeit wieder auf

Aufgrund der Corona-Pandemie und des damit verbundenen „Lockdowns“ wurde die erste Sitzung des Verbandsgemeinderats in diesem Jahr unter Einhaltung der notwendigen Sicherheitsabstände in der Rundsporthalle Hachenburg durchgeführt. Bürgermeister Peter Klöckner informierte über die von der Verwaltung getroffenen Maßnahmen während der Corona-Pandemie.


Region, Artikel vom 21.10.2020

Betrunken auf der A 3 unterwegs

Betrunken auf der A 3 unterwegs

Durch Zeugen wurde ein sehr auffällig fahrender Pkw auf der A 3 in Fahrtrichtung Köln gemeldet. Der Fahrzeugführer könne die Spur nicht halten und sei fast schon in die Mittelleitplanke gefahren. Zu einer konkreten Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer sei es aber noch nicht gekommen.




Aktuelle Artikel aus der Kultur


Pigor singt. Benedikt Eichhorn muss begleiten: Einführung für Anfänger

Hachenburg. Diese Melange aus cool geswingter Tagespolitik, schmelzend gesungener Alltagsidiotie und brüllend gerappten Nachrichtenthemen ...

Jazzmusik der 20er und 30er

Selters. Die Musiker Gregor Groß, Frank Bergmann, Armin Franz, Johannes Pfeifer, Karl Fedke, Marian Zygmunt sowie die Sängerin ...

Open-Air-Konzert im Stöffel mit Mirko Santocono am 24. Oktober

Enspel. Sein Debüt-Album „Meine Zukunft ist anders“ erschien 2019. Auch mit seinem Titel „Farben“ hat er bewiesen: Unterhaltungsmusik ...

Von entspannten Songs bis hin zu heißen Rockrhythmen

Enspel. Und die kleine Mathilda (10 Jahre), die unbedingt Praktikantin sein möchte, legt Besuchern gekonnt das Armband um. ...

Autor Peter Probst erzählt vom Teenager-Sein im Jahr 1970

Enspel. Für diese Literaturmatinee hatte sich der Geschäftsführer Martin Rudolph, aber auch Heinz Fischer eingesetzt. Und ...

“CARA“ am kommenden Sonntag in der Stadthalle Montabaur

Montabaur. Deshalb lief auch der Vorverkauf für die erste Veranstaltung in der neuen Corona-Kulturreihe „Folk & Fools – Spezial“ ...

Weitere Artikel


Der etwas andere Jahresrückblick: Stefan Reusch und Schräglage retten 2018

Wissen. Es sieht nicht so gut aus auf der Welt. Sicher: 2018 wurde das Jahr der Groko und der Fußballweltmeisterschaft, das ...

Winterwanderung des NABU Hundsangen durch den Wildpark Weilburg

Hundsangen. Der Wildpark in Weilburg, heute Teil des Hessischen Staatswaldes, hat eine lange Geschichte. Über mindestens ...

Am Sonntag Derby: Neuwied gegen Diez-Limburg

Neuwied. „Es war eine sinnvolle Pause, die uns noch einmal Kraft für den letzten Hauptrundenmonat gegeben hat", befürwortete ...

Unbekannte köpfen junges Reh und nehmen Kopf mit

Rehe. Einem Jungtier wurde auf bislang unbekannte Art der Kopf abgetrennt und mitgenommen. Ein Muttertier lag verendet im ...

Kino zeigt „Schindlers Liste“ – AfD-Mitglieder erhalten freien Eintritt

Hachenburg. Der Film „Schindlers Liste“ erzählt die Geschichte des Industriellen Oskar Schindler, der während des Zweiten ...

Silvia Doberenz: Stress ich oder bin ich? Kulturzentrum „Zweite Heimat“

Höhr-Grenzhausen. Gewohnt humorvoll und interaktiv beantwortet sie dabei wichtige Lebensfragen: Werde ich es am Ende meines ...

Werbung