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Nachricht vom 04.12.2018    

„Menschen mit Handicaps sind eine Bereicherung für den Betrieb“

Ein Schreibtisch mit PC und Telefon, den ganzen Tag Buchstaben und Zahlen vor der Nase: das ist definitiv nicht die Welt von Tobias Schneider. „Ich bin halt nicht so der Bürotyp“, erklärt er und lacht. Für den 21-Jährigen, der lernbeeinträchtigt ist, gibt es nichts Schöneres, als in der freien Natur zu sein und mit den Händen zu schaffen. Dieser Traum hat sich erfüllt: Nach einer Ausbildung in einem Westerwälder Inklusionsbetrieb, gefördert von der Agentur für Arbeit Montabaur, wurde der junge Mann übernommen.

Tobias Schneider und Jörg Deimling. Foto: Arbeitsagentur Montabaur

Astert. „Helfer im Garten- und Landschaftsbau“ steht im Gesellenbrief. Dass dieser Helfer ganze Arbeit leistet, bestätigt sein Chef gerne. „Tobias ist ein Mensch, der Initiative zeigt. Und das zählt“, sagt Jörg Deimling, Inhaber der Firma Garten & Landschaft, die ihren Sitz in Astert und ihre Betriebsstätte in Müschenbach hat. Derzeit gibt es 13 Beschäftigte – den Chef und zwei Auszubildende eingeschlossen.

Inklusionsbetriebe sind rechtlich und wirtschaftlich selbstständige Unternehmen, die mindestens 30 und maximal 50 Prozent schwerbehinderte Mitarbeiter haben. Sie können finanzielle Mittel für Aufbau, Erweiterung, Modernisierung und Ausstattung aus der so genannten Ausgleichsabgabe erhalten. Diese müssen private und öffentliche Arbeitgeber zahlen, die im Jahresdurchschnitt 20 und mehr Mitarbeiter beschäftigen und nicht - wie gesetzlich vorgeschrieben - mindestens fünf Prozent ihrer Stellen mit schwerbehinderten Menschen besetzen.

Tobias Schneider hat die Burggartenschule in Hachenburg besucht und besitzt einen Förderschulabschluss. Die Firma Deimling hat er bereits als Achtklässler kennen gelernt. Aus den Schnuppertagen wurde in der neunten Klasse ein Langzeitpraktikum. Einen Tag pro Woche war er im Betrieb und sah, wie vielfältig die Arbeit ist – angefangen beim Rasenmähen über die Pflanzenpflege bis hin zum Anlegen neuer Gärten samt Pflasterarbeiten. „Da hab´ ich gemerkt: das ist das Richtige für mich!“, sagt der junge Mann. Diese Überzeugung strahlt er auch aus.

Mit geballter Unterstützung der Arbeitsagentur Montabaur ging er seinen Weg. Er begann mit einer Einstiegsqualifizierung (EQ) und galt in dieser Zeit als Praktikant. Für Betriebe ist eine solche EQ grundsätzlich kostenneutral. Sowohl die vorgeschriebene Vergütung als auch die Beiträge zur Sozialversicherung werden von der Agentur für Arbeit erstattet. Während der Lehre zum Fachpraktiker (so die neue Bezeichnung) im Garten- und Landschaftsbau, die Tobias Schneider anschließend absolvierte, flossen knapp drei Jahre lang 20 Prozent des Gehalts inklusive aller Sozialabgaben als Fördermittel.

„Nicht wenige Jugendliche brauchen Starthilfe ins Berufsleben“, sagt Elmar Wagner, Leiter der Agentur für Arbeit Montabaur und nennt etliche Gründe wie ein schlechtes Zeugnis, einen fehlenden Schulabschluss, ein schwieriges soziales Umfeld, eine Behinderung… Gezielte und individuelle Unterstützung nutze allen Beteiligten: Arbeitgeber, die schwächeren Bewerbern eine Chance geben, gewinnen den dringend benötigten Nachwuchs. Und junge Menschen können ein eigenbestimmtes Leben führen. Elmar Wagner: „Tobias Schneiders Beispiel zeigt, dass eine solche Investition sich lohnt. Mit Fleiß und Ausdauer hat er sein Ziel erreicht.“ Für diese Beharrlichkeit spricht unter anderem, dass der junge Westerwälder, solange er auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen war, um 4:30 Uhr aufstehen musste, um pünktlich in der Neuwieder Berufsschule zu sein.

Inzwischen hat Tobias Schneider nicht nur den Auto-Führerschein. Dank Zusatzprüfung ist er Einzige in der Belegschaft, der mit Anhänger fahren darf. Jörg Deimling fühlt sich einmal mehr darin bestätigt, dass jeder Mensch mit seinen Aufgaben wachsen kann. Dafür biete ein Inklusionsunternehmen beste Bedingungen: „Das Miteinander, die Aufmerksamkeit und die Kommunikation werden ganz selbstverständlich gefördert. Wir alle lernen voneinander. Menschen mit Handicaps sind eine Bereicherung für den Betrieb. Zudem bleiben sie ihrem Arbeitgeber treu.“ (PM)


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