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Nachricht vom 26.10.2018    

Biberteich Freilingen: Naturschutzinitiative kritisiert SGD Nord

Schon im vergangenen Frühjahr hatte die Naturschutzinitiative e.V. (NI) öffentlich gemacht, dass sich in Freilingen im Westerwaldkreis (Rheinland-Pfalz) ein Biber angesiedelt hat. Seitdem hat das streng geschützte Tier als „Landschaftsarchitekt“ die Landschaft verändert, neue Lebensräume geschaffen und die biologische Vielfalt erhöht. Darüber berichtet die NI per Pressemitteilung und kritisiert gleichzeitig die SGD Nord für ihr aus NI-Sicht wenig fachgerechtes Agieren.

Die Naturschutzinitiative hat sich bereit erklärt, den „Biberteich Freilingen“ ehrenamtlich zu betreuen, Exkursionen, Führungen und Naturbildung anzubieten und sich an der Beschilderung des Biberteiches mit Informationstafeln zu beteiligen. (Foto: Harry Neumann/NI)

Freilingen. Bereits im Frühjahr 2018 hatte die Naturschutzinitiative e.V. (NI) öffentlich gemacht, dass sich in Freilingen im Westerwaldkreis (Rheinland-Pfalz) ein Biber angesiedelt hat. Seitdem hat das streng geschützte Tier als „Landschaftsarchitekt“ die Landschaft verändert, neue Lebensräume geschaffen und die biologische Vielfalt erhöht. Das Gebiet hat sich in kurzer Zeit zu einem einzigartigen neuen Biotop auch für andere Arten entwickelt. Darüber informiert die NI per Pressemitteilung.

Der Biber schafft neue Lebensräume und erhöht die biologische Vielfalt
Als bezeichnende Vogelarten der Stillgewässer konnten von der NI mit Reproduktionsnachweis Zwergtaucher, Tafelente, Reiherente, Blässhuhn und Stockente nachgewiesen werden: Weiterhin verrieten die sehr versteckt lebenden sehr seltenen Rallenarten Tüpfelsumpfhuhn und Wasserralle, dass zumindest zeitweise ein Revier besetzt war. Besonders beim Tüpfelsumpfhuhn stand bei vielen beobachtenden Vogelfreunden die Frage im Raum, ob die erste bestätigte Brut in Rheinland-Pfalz gelingen würde. „Die wenig fachgerechte Entscheidung der SGD Nord zur Wasserspiegelabsenkung in der kritischen Brutzeit wird diese Möglichkeit wohl zunichte gemacht haben, da danach keine Nachweise mehr gelangen“, erklärt Diplom-Biologe Immo Vollmer, Naturschutzreferent der NI.

Als Rastvögel und Nahrungsgäste konnten täglich andere Arten beobachtet werden, beispielsweise Kolbenente, Dunkler Wasserläufer, Waldwasserläufer, Rotschenkel, Flussuferläufer, Bekassine, Schwarzstorch, Weißstorch und regelmäßig die in der näheren Umgebung nistende Mehl- und Rauchschwalbe oder Bach- und Gebirgsstelze. Bemerkenswert sind laut NI auch die Beobachtungen der im Westerwald stark rückläufigen Grünlandvögel wie Braunkehlchen, Schafstelze oder Bekassine. Durch die im Zuge der Bibertätigkeit entstandene stärkere Vernässung anliegender Feuchtgrünlandflächen wäre eine Brut dieser Arten durchaus möglich. Die vernässten, lokal mit Büschen durchsetzten Feuchtwiesen im Umfeld boten dieses Jahr schon Brutplatz für Sumpfrohrsänger, Feldschwirl, Garten- und Dorngrasmücke.

Ohne eine bislang eingehende Untersuchung fiel auch eine hohe Zahl an Libellenarten und Amphibien auf, wobei der laut rufende Wasserfrosch keinem der Beobachter verborgen geblieben ist. Diese auffälligen Gruppen stehen stellvertretend für eine hohe, bislang nicht vertieft betrachtete Vielfalt an Insekten.




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NI droht mit Klage: Biberteich keine Gefahr für die Menschen
Der SGD Nord als Obere Naturschutzbehörde musste erst durch die NI eine Klage angedroht werden, um sich „Biber- und Wasservogelgerecht“ zu verhalten. Zu stark sollte der Wasserspiegel unter Mithilfe der Ortsgemeinde Freilingen und der Verbandsgemeinde Selters abgesenkt werden, weil angeblich die Gefahr der Überflutung ganzer Ortschaften vorhanden sei. „Man muss kein Experte sein um festzustellen, dass dies schon rein physikalisch unmöglich ist. Mit dieser Argumentation wurde lediglich in der Bevölkerung Angst geschürt anstatt über die streng geschützte Art zu informieren und das Angebot der NI aufzugreifen, den Biberteich im Rahmen einer Patenschaft ehrenamtlich mit zu betreuen“, schreiben die Naturschützer.

Wasserspiegelabsenkung während der Brutzeit unsachgemäß
„Besonders ärgerlich und fachlich nicht haltbar war es, dass die Obere Naturschutzbehörde während der Brutzeit der seltenen und streng geschützten Arten den Wasserspiegel um rund 30 Zentimeter hat absenken lassen. Das Verhalten der SGD Nord am Biberteich in Freilingen ist leider kein Ruhmesblatt für die Obere Naturschutzbehörde“, erklärte Harry Neumann, Landesvorsitzender der NI. Gerade in Zeiten, in denen die Artenvielfalt wegen fehlender Lebensräume und Feuchtgebiete massiv zurückgeht und das Insektensterben in aller Munde ist, hätte die Behörde die Chancen für die Biologische Vielfalt und die Naturbildung viel stärker in den Mittelpunkt stellen müssen, betonen die Ornithologen der NI.

Die Naturschutzinitiative hat sich bereit erklärt, den „Biberteich Freilingen“ ehrenamtlich zu betreuen, Exkursionen, Führungen und Naturbildung anzubieten und sich an der Beschilderung des Biberteiches mit Informationstafeln zu beteiligen. Weiterhin würde die Errichtung eines Aussichtsturmes für die Bürger, Schulklassen und die Wanderer des Westerwaldsteiges einzigartige und spannende Einblicke in den neuen Lebensraum der Tiere bieten. Ein Angebot der NI an die Ortsgemeinde Freilingen liegt dieser vor. „Der Biberteich ist eine große Chance für die Naturbildung sowie einen sanften und rücksichtsvollen Tourismus am Westerwaldsteig, der direkt am Biberteich vorbeiführt“, so Harry Neumann und Immo Vollmer. (PM)


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