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Nachricht vom 01.07.2018    

Dekanat lernt den Weg des Abfalls kennen

Pfarrerinnen, Pfarrer und Mitarbeiter der kirchlichen Arbeitsbereiche des Evangelischen Dekenats Westerwald besuchten die Firma Bellersheim Abfallwirtschaft in Boden und setzten somit die Tradition fort, als Kirche mit den Betrieben der Region ins Gespräch zu kommen – gerade wenn es um ein so wichtiges Thema wie das Problem der Müllentsorgung geht. Pro Jahr nimmt Bellersheim etwa eine Viertelmillion Tonnen Abfälle an.

Bellersheim-Speditionsleiter Peter Fülber erklärt den Vertretern des Evangelischen Dekanats Westerwald die Anlagen. (Foto: Evangelisches Dekanat Westerwald)

Boden. Mehrere Dutzend Vertreter des Evangelischen Dekanats Westerwald haben einen Vormittag in einer nicht unbedingt gemütlichen, aber hochinteressanten Umgebung verbracht: Die Pfarrerinnen, Pfarrer und Mitarbeiter der kirchlichen Arbeitsbereiche besuchten die Firma Bellersheim Abfallwirtschaft und setzten somit die Tradition fort, als Kirche mit den Betrieben der Region ins Gespräch zu kommen – gerade wenn es um ein so wichtiges Thema wie das Problem der Müllentsorgung geht. In Boden erfuhr die Dekanatsdelegation, was aus unseren Abfällen wird.

Unzählige Würfel aus gepresstem Kunststoff
Pro Jahr nimmt Bellersheim etwa eine Viertelmillion Tonnen Abfälle an. Darunter sind gut verwertbare Materialien wie Schrott oder Glas, aber auch Kompliziertes wie beispielsweise Matratzen, deren Federkerne durchaus in Brand geraten können, wenn sie geschreddert werden. Besonders problematisch ist auch der Plastikmüll. Unzählige Würfel aus gepresstem Kunststoff sind auf dem Bellersheim-Gelände zu imposanten Wänden aufgetürmt und erinnern bisweilen an bizarre Skulpturen. „Es gibt eine Überkapazität an Kunststoff“, sagt Speditionsleiter Peter Fülber. Wundern dürfte das niemanden angesichts der schieren Menge der bunten Quader auf dem Areal, über das Fülber und Betriebsleiter Torsten Henn die Besucher führen. Die beiden Experten wissen, worin das eigentliche Problem besteht: „Es liegt an uns, wie es mit dem Plastikmüll weitergeht. Müssen wir unseren Kaffee wirklich aus Kapseln zubereiten oder billige Kleidung mit hohem Kunststoffanteil kaufen? Letztlich ändert sich nur etwas, wenn wir unser Konsumverhalten ändern“, unterstreicht Fülber.



Es fängt beim Einzelnen an
Umweltbewusstsein fängt eben in den eigenen vier Wänden an – oder im eigenen Mülleimer, sagt Peter Fülber: „Diese grünen, sogenannten Bio-Müllbeutel haben nichts in der Biotonne zu suchen. Sie sind zwar mit Maisstärke versetzt, aber das Material ist und bleibt Plastik.“ Während die Dekanatsmitarbeiter und einige Gäste aus anderen Dekanaten über das riesige Gelände gehen, vorbei an gigantische Pressen, Sortieranlagen und zahllosen Containern, wird ihnen schnell klar: Die Müllentsorgung ist eine hochkomplexe, wichtige Angelegenheit – und ein Knochenjob für viele der 130 Menschen, die in der Anlage arbeiten. Sie sorgen dafür, dass aus Westerwälder Abfällen Neues entsteht: zum Beispiel Wertstoffe für Produkte. Oder jährlich 13.000 Tonnen Bio-Stab-Erde, die sich hervorragend zu Dünger verarbeiten lässt. Oder mehr als 3 Millionen Kilowattstunden Strom aus Biogas, den Bellersheim pro Jahr ins öffentliche Netz einspeist. „Wir als Kirche müssen ein Vorbild sein, wenn es um den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen geht“, sagt der Inhaber der Dekanatsfachstelle für Gesellschaftliche Verantwortung, Wilfried Kehr am Ende des Besuchs. „Und es ist wichtig, dass Kirche mit denjenigen Unternehmen in Kontakt bleiben, in den unsere Gemeindemitglieder arbeiten. Deshalb wollen wir die gute Tradition dieser Besuche auch in Zukunft fortsetzen.“ (PM)



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Kommentare zu: Dekanat lernt den Weg des Abfalls kennen

1 Kommentar

Immer wieder liest, hört man: „Wir müssen, wir sind schuld, es liegt an uns“! Es liegt nicht in erster Linie an „UNS“, diese gigantischen Müllberge aus Plastik zu verhindern. Wenn das Müllvolumen für eine Pizza dreimal größer ist, als das essbare Produkt, dann liegt es zunächst einmal, abgesehen vom Personalgeiz der Discounter, an den Hygienevorschriften der Gesundheitsminister. Und wenn ein Mikrochip von der Größe eines Fingernagels von Plastikmüll in Postkartengröße eingepresst sein muss, dann liegt es auch nicht an „UNS“! Nein, der Vorwurf der Erdvermüllung ist an die Politik zu richten, die mit Genehmigungen, Vorschriften und der bequemen Idee des „Sauberkaufens“, mittels Grünem Punkt, die Müllberge ungehindert wachsen lassen. Und ja, auch das Kaufverhalten von „UNS“ spielt eine große Rolle! Denn wer glaubt, drei Salatblätter mit Zwiebel und Dressing in einer Plastikpackung kaufen zu müssen, oder die verpfändete Einwegflasche an den Straßenrand wirft, der macht sich in der Tat mitschuldig und sollte sich nicht wundern, wenn er irgendwann Plastik statt Gräten im frischen Schollenfilet findet.
Solange allerdings die Politik vor den Müllbergen wie der Frosch vor’m Scheißhaufen sitzt, bleiben auch diese Berge ein unüberwindliches Hindernis.
Jörgen Christmann, Alsbach

#1 von Jörgen Christmann, am 01.07.2018 um 12:47 Uhr

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