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Nachricht vom 14.04.2018    

„Forum Siegen“ widmet sich Marx und Raiffeisen

Beide wurden vor 200 Jahren geboren, beide haben weltweit Spuren hinterlassen: Friedrich Wilhelm Raiffeisen gilt als einer der Väter des Genossenschaftswesens, Karl Marx legte die theoretischen Grundlagen für Kommunismus und Sozialismus. Das „Forum Siegen“ widmet beiden eine Vorlesungsreihe.

Das „Forum Siegen“ widmet Marx und Raiffeisen eine Vorlesungsreihe. (Foto: Veranstalter)

Siegen/Altenkirchen. Vor 200 Jahren kamen sowohl Karl Marx als auch Friedrich Wilhelm Raiffeisen zur Welt. Anlass für das Leitungsteam von „Forum Siegen“, der öffentlichen Vorlesungsreihe der Universität Siegen, sich im Sommersemester des Themas „Zwischen Revolution und Reform – 200 Jahre Marx und Raiffeisen“ anzunehmen.

Gedanken von Gleichheit und Gerechtigkeit
Als Marx und Raiffeisen 20 Jahre alt waren, begann die industrielle Revolution das Leben der Menschen nachhaltig zu verändern. Im Alter von 30 Jahren formulieren Karl Marx und Friedrich Engels das kommunistische Manifest. Quasi als Lebenswerk arbeitete Marx an der Kritik der politischen Ökonomie. Er analysierte den Kapitalismus und prognostizierte Phänomene, die heute noch aktuell sind: Die Mehrwertaneignung und das Prinzip der Kapitalvermehrung, Entfremdung, Fetischcharakter der Ware, abnehmende Profitraten, einseitige Globalisierung, Ungleichheit, furchtbare Naturzerstörung. Marx‘ Lehre wurde später in feudalen Systemen erprobt und hat zum Teil zu grausamen und desaströsen Entwicklungen – Stichwort Stalinismus – geführt. Die Ideen von Marx und Engels zum wissenschaftlich begründeten Kommunismus waren vom Gedanken der Gerechtigkeit und Gleichheit getragen.

Nicht am „Ende der Geschichte“ angekommen
Raiffeisen versuchte den offensichtlichen Missständen der Zeit mit Reformen zu begegnen. Elinor Ostrom, Nobelpreisträgerin für Ökonomie, hat die Bedeutung der Commons durch ihre Forschungen betont und unterstrichen. Raiffeisen hat zudem Formen der gegenseitigen Kreditgewährung sowie den gemeinschaftlichen Erwerb und Besitz von Landmaschinen angeregt. Die vielfältigen sozialen, ökologischen und ökonomischen Krisen unserer Zeit zeigen nicht zuletzt, dass wir nicht am „Ende der Geschichte“ angekommen sind und die gegenwärtige Form des Kapitalismus nicht als Weisheit letzter Schluss gelten kann. Deshalb, so die Organisatoren von „Forum Siegen“, erscheine es bedeutsam, über Weiterentwicklungen, Alternativen und Eutopien nachzudenken.

Das Semesterprogramm:
• Am Donnerstag, 26. April, lautet das Thema von Professor Dr. Georg Stanitzek (Universität Siegen): „Ästhetische Formen der Ideologiekritik in den 1960er und 1970er Jahren“. Der Referent macht vertraut mit Roland Barthes‘ „Mythen des Alltags“.
• „Klasse an sich‘ und ,Klasse für sich‘ – ein taugliches Begriffspaar in verwirrenden Zeiten?“ lautet das Vortragsthema von Professor Dr. Thomas Münch (Hochschule Düsseldorf) am 17. Mai. Mit kritischer Theorie und marxistischem Denken genauso vertraut wie mit konkreten sozialen und politischen Problemen, führt Thomas Münch mitten in Paradoxien und Unklarheiten und (ein wenig) wieder hinaus.
• Am 24. Mai liest der Schriftsteller Ingo Schulze (Berlin) aus seinem zeitkritischen Roman „Peter Holtz – Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst“. Schulze schildert in dem zeitkritischen, aber auch humorvoll-geistreichen Roman, welche Mühen es macht, sich vom Geld zu befreien.
• Über „Die Aktualität der Philosophie von Karl Marx“ trägt am 7. Juni Professor Dr. Dres. h.c. Michael Quante (Universität Münster) vor. Quante betont das Philosophische im Werk von Marx und stellt die Kontinuität im Gesamtwerk wieder her.
• Am 14. Juni schließlich diskutieren Dr. sc. Eckhard Priller (Maecenata Institut Berlin) und Professorin Dr. Christoph Strünck (Universität Siegen) über die Aktualität der Genossenschaften. Zunächst spricht Eckhard Priller über „Genossenschaften haben Zukunft – ökonomische und soziale Faktoren“. Christoph Strünck erläutert dann „Die Erneuerung einer sozialen Innovation: Warum Raiffeisen den Kapitalismus besser macht“.
• Zum Semesterabschluss trägt Dr. Christina Morina (Universität Amsterdam) am 5. Juli zum Thema „Die Erfindung des Marxismus. Wie eine Idee die Welt eroberte“ vor. Eine Diskussion über positive wie negative Wirkung der Ideen von Karl Marx steht an.



Die Veranstaltungen von „Forum Siegen“ sind öffentlich und finden jeweils donnerstags ab 20 Uhr im Kultur- und Medienhaus Lÿz an der St.-Johann-Straße in Siegen statt. Jedermann ist herzlich eingeladen. (PM)


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