Werbung

Nachricht vom 27.03.2018    

Jahrhundertentscheidung: Emmerzhausen kauft Stegskopf-Teile

Der Ortsgemeinderat von Emmerzhausen hat den Kauf von Teilen des Stegskopfes beschlossen. Ortsbürgermeister Heinz Dücker sprach von einer Jahrhundertentscheidung, deren Richtungsweisung sich erst in der Zukunft herausstellen werde. Für den Mobilmachungsstützpunkt, der in der ersten Hälfte der 1970er Jahre erbaut wurde, sieht die Ortsgemeinde künftig eine gewerbliche Nutzung vor. Auch für das frühere Truppenlager gibt es bereits Überlegungen.

Noch bleiben die Tore des Stegskopfs geschlossen. Wie lange, ist ungewiss. (Foto: anna)

Emmerzhausen. Nun ist es beschlossene Sache: Der Rat der Ortsgemeinde Emmerzhausen hat sich einstimmig dafür entschieden, die Liegenschaft des ehemaligen Mobilmachungsstützungs (Mob-Stützpunkt) auf dem Stegskopf einschließlich der Zufahrt von der L 280 und das Lager Stegskopf einschließlich der Zufahrt vom Mobilmachungsstützung bis zum Nordtor und vom Südtor bis zur B 54 im Wege der kommunalen Erstzugriffopiton von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BimA) zu erwerben. Der Kaufpreis richtet sich nach dem Wertgutachten des Baufachlichen Gutachterdienstes der Sparte Portfoliomanagement der BImA-Hauptstelle Koblenz zum Wertermittlungsstichtag am 8. März 2018.

Gewerbliche Nutzung für Mob-Stützpunkt
Beide Beschlussvorlagen wurden von den Ratsmitgliedern einstimmig angenommen. Somit hat der Rat der Ortsgemeinde fünf Tage vor dem Verstreichen der Frist die Übergabe der Liegenschaften an die DBU Naturerbe GmbH (Deutsche Bundsstiftung Umwelt) für Klarheit gesorgt. Ortsbürgermeister Heinz Dücker sprach von einer Jahrhundertentscheidung, deren Richtungsweisung sich erst in der Zukunft herausstelle. Ansonsten wären auch die genannten Flächen dem Nationalen Naturerbe zugefügt worden. Für den Mob-Stützpunkt, der in der ersten Hälfte der 1970er Jahre erbaut wurde, sieht die Ortsgemeinde künftig eine gewerbliche Nutzung vor. Die bebaute Fläche misst rund 8.750 Quadratmeter. Die eingezäunte Fläche umfasst etwa 4,65 Hektar, der Ortsgemeinde werden jedoch einschließlich Grünflächen, Abrundungsflächen, der Platzrandstraße Nord entlang des Mob-Stützpunktes und der Zufahrtsstraße von der L 280 etwa neun Hektar übertragen.

Nutzung des ehemaligen Truppenübungslagers
Mit Blick auf das ehemalige Truppenübungslager hat die Ortsgemeinde ihren Willen bekundet, dies einer gewerblich-industriellen, wohnbaulichen, touristischen oder dienstleistungsbezogenen Nutzung zu eröffnen. Das Lager umfasst rund 40 Hektar Fläche mit zahlreichen Gebäuden, die in den 1950er Jahren errichtet wurden. Die Liegenschaft ist vollständig eingezäunt und umfasst neben einem Straßennetz, das alle Gebäude erschließt, auch wassergebunden, bitminös und betoniert befestigte Plätze. Das besondere Veräußerungsverfahren des Lagers von der BImA an die Ortsgemeinde Emmerzhausen sieht ein Nutzungskonzept vor, auf dessen Basis die Wertermittlung erfolgt. Das Konzept sieht folgende Nutzungen vor: Ein Pferdesportzentrum (21 ha), ein Nordic aktiv Sportzentrum (2,8 ha), Natur- und Kulturzentrum (0,3 ha), eine Gesundheitsimmobilie (1,2 ha), Ferienwohnungen (2,2 ha), Technische Versorgung (1,6 ha), Energieversorgung (4,2 ha) sowie die Nutzung von Bestandsgebäuden als Büros oder Besprechungsräume (1,2 ha). Dies soll auch eine Ergänzung und Attraktivierung zum Nationalen Naturerbe darstellen, sowie die Vernichtung hoher, steuerfinanzierter Sachwerte durch angepasste Folgenutzung ermöglichen.



Es gibt auch Risiken
Ortsbürgermeister Dücker unterrichtete die Ratsmitglieder aber auch über die Risiken, die der Kauf berge. Zum einen das Erwerbsrisiko, das Risiko der Altlasten, ein Planungsrisiko, das Erschließungsrisiko und das Vermarktungsrisiko. Auch die Frage des Brandschutzes ist nicht vollständig geklärt. Daher verfolgt die Ortsgemeinde eine Strategie der Risikominimierung. Diese sieht zum einen eine möglich verbindliche Weiterveräußerungsmöglichkeit vor. Ein Weiterverkauf soll möglich an einen Investor oder eine Investorengruppe erfolgen und die gesamte Fläche des Lagers beinhalten. Auch die Zahlungs- und Nachzahlungspflichten sollen somit weitergegeben werden. Ebenso sollen die Planungs- und Erschließungskosten vom Erwerber übernommen werden. Seitens der Verantwortlichen in der Ortsgemeinde möchte man den Weiterverkauf der Flächen noch in diesem Jahr abschließen. Die Tore zum ehemaligen Lager bleiben so lange geschlossen, bis die Bebauungsplanung abgeschlossen ist. Neben dem genannten Konzept der naturnahen Nutzung liegt auch ein Angebot eines Großinvestors zur Errichtung eines Logistikzentrums im Lagerbereich vor. Für welche Variante sich der Rat nun letztlich entscheiden wird, steht noch offen, die Diskussion darum werde weit schwieriger werden als die Diskussion um den Kauf, so Dücker.

Militärische Nutzung beeinträchtigte Gemeindeentwicklung
Zur Ratssitzung waren diesmal außergewöhnlich viele interessierte Bürgerinnen und Bürger gekommen, sowie Wolfgang Stock und ein weiterer Vertreter vom BUND. Stock und seine Mitstreiter befürworten das Konzept zur naturnahen Nutzung des ehemaligen Lagerbereiches, ebenso wie verschiedene Einwohner des Ortes. Dass jedoch bald etwas geschehen muss, steht außer Frage. Die Natur ist derzeit dabei sich das Areal zurück zu holen. Wege und Gossen wuchern mehr und mehr zu und auch auf den großen Freiflächen des Naturerbes sprießen mittlerweile zahlreiche Ginstersträucher und andere Büsche empor. Bevor es in der Ratssitzung um die Abstimmung zum Kauf der Liegenschaften kam, gab Ortsbürgermeister Dücker noch eine Erklärung ab. Darin berichtete er, dass die Gesamtfläche der Ortsgemeinde Emmerzhausen 707 Hektar betrage, wovon 205 Hektar auf das ehemalige Militärgelände Stegskopf entfallen, was 29 Prozent der Gesamtfläche ausmacht. Die lange Zeit der militärischen Nutzung des Gebietes habe die Ortsgemeinde in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung stark beeinträchtigt. Der Stegskopf bemisst sich insgesamt auf 2000 Hektar, wovon nun 50 Hektar einer zivilen Nutzung zugeführt werden sollen. Der überwiegende Teil von 97,5 Prozent wurde kostenlos an die DBU übertragen. Einen besonderen Dank sprach Dücker den beiden ehemaligen Ratsmitgliedern Jörg Neidlinger und Sabine Pawelke aus, die mit viel Engagement über Internet Ideen und Investoren für ein Nutzungskonzept gesammelt haben. (anna)



Lesen Sie gerne und oft unsere Artikel? Dann helfen Sie uns und unterstützen Sie unsere journalistische Arbeit im Westerwaldkreis mit einer einmaligen Spende über PayPal oder einem monatlichen Unterstützer-Abo über unseren Partner Steady. Nur durch Ihre Mithilfe können wir weiterhin eine ausgiebige Berichterstattung garantieren. Vielen Dank!




Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Daaden-Herdorf auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
     


Kommentare zu: Jahrhundertentscheidung: Emmerzhausen kauft Stegskopf-Teile

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus der Politik


SPD Wirges ehrt langjährige Mitglieder

Wirges. Entsprechend viele Jubilare konnten für ihre langjährige Mitgliedschaft und Treue mit Ehrennadeln und Ehrenurkunden ...

Jugendbahnhof Bad Marienberg überzeugt mit tollem Angebot

Bad Marienberg. Wie die CDU in der Verbandsgemeinde Bad Marienberg in einer Pressemeldung mitteilt, nahmen die Fraktionen ...

Neuwieder Christdemokraten besuchten Landesparteiausschuss in Bad Marienberg

Bad Marienberg. Für den Kreisverband Neuwied nahmen Viktor Schicker (Waldbreitbach), Stefan Betzing (Dattenberg), Jürgen ...

Sandra Weeser empfängt Besuchergruppe aus Kreis Altenkirchen und Westerwald in Berlin

Region. Laut Pressemitteilung des Wahlkreisbüros von Sandra Weeser in Betzdorf standen unter anderem eine Stadtrundfahrt, ...

Einladung zum Kreisthementag der JU Westerwald mit Prof. Dr. Helge Braun MdB

Selters. Um die teils massiven Auswirkungen dieser multiplen Krisen auf verschiedene Akteure abzufedern, hat die Bundesregierung ...

Gründe für Kerosinablass über dem Westerwaldkreis

Westerwaldkreis. Die CDU-Politikerin fragte zunächst nach dem Grund des Kerosinablasses und nach der Flughöhe, in der dies ...

Weitere Artikel


Helmut Schmidtgen zeigt Herz für Krebspatienten

Montabaur-Eschelbach. Anlässlich seines 40-jährigen Bestehens hatte das Koblenzer Beratungszentrum der Krebsgesellschaft ...

„Strick und Schnack“: Handarbeitsgruppe für Senioren in Selters

Selters. Stricken, Nähen, Häkeln und Sticken liegen voll im Trend der Zeit. Menschen können in der Gemeinschaft beim kreativen ...

Professionell auf Jobsuche gehen

Montabaur. Bei der Suche nach einem neuen Job ist sie der Türöffner: die professionelle Bewerbung. Sie erfordert gute Vorbereitung ...

Leise Töne bei der Lesung „hautnah“

Montabaur. Freunde der Literatur kommen am Donnerstag, 19. April, im Kundenzentrum der Energieversorgung Mittelrhein (evm) ...

Frank Graf ist neuer Bezirksbeamter in Selters

Selters. Frank Graf ist der neue Bezirksbeamte der Polizei für die Verbandsgemeinde Selters. Er tritt die Nachfolge von Ralf ...

Neue Boxtrainer in der Region

Herdorf/Region. Nach sechsmonatiger Ausbildung haben am Wochenende 15 Traineranwärter des Boxverbandes Rheinland erfolgreich ...

Werbung