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Nachricht vom 20.03.2018    

Bundespräsident im Kulturwerk: Plädoyer für das Ehrenamt

Von Andreas Schultheis

Mit einer Abendveranstaltung im Wissener Kulturwerk ging der Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Ende. Dort waren vor allem engagierte Mitarbeiter und Ehrenamtler aus Umwelt- und Naturschutz eingeladen, doch gleich zu Beginn machten der Bundespräsident und auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer deutlich, wie wichtig das Ehrenamt grundsätzlich für die Demokratie sei. Die Entstehung des Kulturwerks war dazu die denkbar beste Vorlage.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lobte im Wissener Kulturwerk all diejenigen
„die nicht in der Sofaecke sitzen und meckern und nicht darauf warten, was Staat und Politiker machen, sondern die die Ärmel hochrempeln und arbeiten. Ich habe den Eindruck, genau an einem solchen Beispiel sind wir hier.“ (Fotos: Schultheis)

Wissen. Der Bundespräsident und das Kulturwerk in Wissen: Da war doch was? Ja, da war etwas: Als das Kulturwerk Wissen 2009 eröffnet wurde, brachte Erfolgsautor Hanns-Josef Ortheil eine ganz besondere Geschichte mit: „Mein Traum von Wissen an der Sieg“. Darin berichtet er vom (geträumten) Besuch des Bundespräsidenten in der Siegstadt, wobei sich das Staatsoberhaupt per Hubschrauberflug von Katzwinkel aus einen Überblick verschafft über Geschichte und Entwicklung von Wissen aus Sicht Ortheils. „Mein Traum von Wissen an der Sieg“ erschien wenig später in Schriftform, angereichert mit historischen Aufnahmen aus dem Archiv von Ludwig Passerah.

Umweltschützer eingeladen
Nun war er da, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Im Kulturwerk sprach er vor geschätzten 300 Gästen. Anlass war sein Antrittsbesuch in Rheinland-Pfalz. Und das Kulturwerk war die letzte Station seiner Reise, die ihn und seine Ehefrau Elke Büdenbender sowie Ministerpräsidentin Malu Dreyer und deren Ehemann Klaus Jensen zu Orten der Demokratie im Land führte. Zur Abendveranstaltung hatte die Staatskanzlei engagierte Bürger aus Umwelt- und Naturschutzverbänden aus dem Norden von Rheinland-Pfalz eingeladen, um über deren Arbeit zu diskutieren, darunter der Naturschutzbund NABU Rheinland-Pfalz und der Nationalpark Hunsrück-Hochwald.

Ein idealer Ort für den Schlusspunkt der Reise
Steinmeier und Dreyer würdigten zu Beginn der Veranstaltung den gelungenen Wandel in Wissen am ehemals größten Kaltwalzwerk-Standort Europas mit seinerzeit bis zu 3.000 Beschäftigten. „Was Sie hier in Wissen geschaffen haben, ist ein idealer Ort für den Schlusspunkt der Reise“, sagte Ministerpräsidentin Dreyer mit Blick auf das Engagement aller Beteiligten bei der Realisierung des Wissener Kulturwerks. Sie resümierte die Stationen des Tages, darunter das Raiffeisenhaus in Flammersfeld und Thomas Magnete in Herdorf. Politiker sollten stets den Dialog mit der Bevölkerung suchen, allerdings machte sie auch deutlich, „dass uns die Demokratie nicht geschenkt wird.“ Rheinland-Pfalz habe viele Orte der Demokratie, beispielsweise die Wiege der deutschen Demokratie, das Hambacher Schloss, wo Steinmeier auch Station machte.



An mehr denken als an sich selbst!
Er habe schon in einer ganzen Reihe von außergewöhnlichen Orten Reden gehalten, in Deutschland und im Ausland, in einem Walzwerk allerdings noch nie, bekannte der Bundespräsident. Wissen sei nicht nur das Ende des Antrittsbesuches in Rheinland-Pfalz, sondern auch der gesamten Antrittsbesuche durch die deutschen Bundesländer – über 30 Tage mit rund 200 Terminen an „Orten der Demokratie“. Den Abschluss in Wissen nutzte er zu einem kurzen Plädoyer für das Ehrenamt und für alle, die anpacken, wenn andere zuschauen: „Wir haben zeitgenössische Orte besucht, Orte des Erinnerns, der lebendigen Demokratie, bekannte und weniger bekannte Orte.“ Seine Frau und er seien „begeistert gewesen von den Menschen, die wir getroffen haben, von ihrem Streben danach, die Welt zu verbessern, von deren Mut, Kreativität und Machergeist.“ Trotz der ungeheuren Vielfalt gebe es ein verbindendes Element der Menschen in allen Bundesländern, nämlich „die Fähigkeit von Menschen, an mehr zu denken als nur an sich selbst.“ Es seien solche, „die nicht in der Sofaecke sitzen und meckern und nicht darauf warten, was Staat und Politiker machen, sondern die die Ärmel hochrempeln und arbeiten. Ich habe den Eindruck, genau an einem solchen Beispiel sind wir hier.“ All denjenigen, die die Idee hatten, das Kulturwerk zu realisieren, sagte er unter dem Applaus des vollbesetzten Kulturwerks Dank.

Den Besuchern war bereits ab 17 Uhr ein buntes Kulturprogramm geboten worden, darunter das Gesangsduo Saskia Buggert und Nico Brandenburger, der Trompete spielende Zugführer Martin Kowalski, Tänzerinnen des Tanz(t)raums Balé aus Wissen. Und ja, Hanns-Josef Ortheil war auch da. Und auch sein „Traum von Wissen an der Sieg“, der aus Anlass des Steinmeier-Besuchs und zum bevorstehenden Stadtjubiläum 2019 sowie dem dann auch anstehenden zehnten Geburtstag des Kulturwerks neu aufgelegt wurde. (as)


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