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Nachricht vom 18.03.2018    

Artenreiche Wiesen im Westerwald

Die Veranstalter NABU Rennerod und Bad Marienberg freuen sich über das rege Interesse. Mehr als hundert Landwirte und Naturfreunde waren am 9. März abends in das Dorfgemeinschaftshaus von Nisterau gekommen. Weitere Veranstaltungen zum Naturschutz finden in Kürze statt.

Wiese auf der Fuchskaute. Foto: Markus Kunz

Nisterau. Markus Kunz, Vertragsnaturschutzberater seit 1990, Biotopbetreuer seit 2001 und Mitglied in der GNOR (Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz) zeigte in historischen Bildern das vielfältige landwirtschaftliche Mosaik, welches noch bis in die 1970er Jahre die Westerwälder Landschaft prägte. Einer reichen Flora und Fauna stand die mühsame Erwerbstätigkeit der Menschen auf kleinen Parzellen gegenüber. Selbst feuchte bis nasse Standorte wurden noch zur Heumahd genutzt. Mit Traktoren und moderner Landtechnik änderte sich das Bild. Größere Flächen werden von immer weniger Landwirten bewirtschaftet. Feuchte Teilstücke fallen brach oder werden aufgeforstet.

Was von Naturfreunden als schöner Erholungsraum gesehen wird, ist für Landwirte die Erwerbsgrundlage. Düngung führte zu Ertragssteigerungen, erhöht jedoch den Konkurrenzdruck in den Pflanzengesellschaften und verringert die Artenvielfalt. Ehemals typische Vogelarten wie das in den Wiesen brütende Braunkehlchen erleiden zurzeit dramatische Verluste. Selbst im Naturschutzgebiet Breitenbachtalsperre, wo sie noch am häufigsten vorkommen, ist ihr Bestand in den letzten zehn Jahren um mehr als die Hälfte eingebrochen.

Markus Kunz zeigte am Beispiel des Renneroder Landwirts Karl-Martin Gros, dass Vertragsnaturschutz auch in Haupterwerbsbetrieben erfolgreich dazu beitragen kann, bunte und artenreiche Wiesen zu erhalten. Er erklärte Fördermodelle für eine extensive Bewirtschaftung. Bei geringer bis keiner Düngung, späterer Mahd, wechselnden Brachen und Erhalt von Strukturelementen wie Kraut- und Strauchsäumen werden geringere Einkommen durch Flächenprämien ausgeglichen. Die Landwirte im Westerwaldkreis sind in der Anwendung des Vertragsnaturschutzes landesweit führend. Markus Kunz sieht hier eine positive Entwicklung.

Nach dem Vortrag kam eine lebhafte Diskussion auf. Probleme mit dem Überhandnehmen von Rabenvögeln und giftigen Futterpflanzen wurden angesprochen. Bärbel Kiehne (NABU Bad Marienberg, Lehrerin Gymnasium Westerburg) berichtete, wie sie draußen mit ihren Schülern im Biologieunterricht den dramatischen Rückgang von Insekten erlebte. Markus Mille, Geschäftsführer des Bauern- und Winzerverbandes Westerwald bedankte sich für die Einladung: „Gut, dass hier Naturschützer und Landwirte zusammenkommen, dass wir nicht nur übereinander sondern auch miteinander reden. Neben extensiver muss auch intensive Landwirtschaft möglich sein, um unsere Versorgung zu sichern. Denn Lebensmittelimporte sind Exporte im Naturverbrauch.“



Matthias Müller (Hubertushof - Irmtraut, Interessengemeinschaft Landwirte VG Rennerod) meinte, Fördermodelle sollten sich nicht allein auf Flächen beziehen, sondern müssten auch Randstreifen angemessen unterstützen. Frank Ebendorff (NABU Rennerod) zeigte sich besorgt über den starken Rückgang der Braunkehlchen. Dies jedoch allein den Landwirten anzulasten, sei nicht richtig. Die Ursachen seien vielfältig. Auch unsere sich ausdehnenden Siedlungen würden immer naturferner. Jeder kann mithelfen und mit naturnaher Gestaltung von Garten und Freiflächen die Insektenwelt fördern, ohne die es keine Aufzucht der Vogeljungen gibt.

Die Veranstalter wollen den Fragen zu Grünlandbewirtschaftung und Artenvielfalt weiter nachgehen. Die NABU-Ortsgruppen im Westerwald laden dazu Landwirte und Naturinteressierte herzlich ein:

Freitag, 25. Mai: 5 vor 12! Sind unsere Wiesenbrutvögel noch zu retten?
NABU Hundsangen und Rennerod zu Besuch bei Braunkehlchen, Wiesenpieper & Co. im Hohen Westerwald. Leitung: Dipl.-Geograph Markus Kunz. Treffpunkt Parkplatz Tankstelle und Imbiss an der B54 Emmerichenhain um 18 Uhr.

Sonntag, 3. Juni: Blühende Bergwiesen auf der Lipper Höhe. Diplom-Biologe Peter Fasel führt durch die bunte und artenreiche Welt extensiv bewirtschafteter Grünlandflächen. Veranstalter: NABU Rennerod und Umgebung. Treffpunkt Katholische Kirche Rennerod um 9 Uhr. (PM) .


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