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Nachricht vom 23.02.2018 - 19:23 Uhr    

Ausgezeichnet: Betriebe sichern die Fachkräfte von morgen

Woche der Ausbildung: Agentur für Arbeit Montabaur würdigt unternehmerisches Engagement - Vecoplan AG und Stiftung Scheuern erhalten das Zertifikat für Nachwuchsförderung – Nachwuchs kommt auf klassischem Weg aus den Schulen - viele lernen Betrieb durch Praktikum kennen.

Stiftung Scheuern. (von links) Leiterin des Personalmanagements Antje Koch-Gellermann, Vorstand Pfarrer Gerd Biesgen und Elmar Wagner, Chef der Arbeitsagentur Montabaur. Fotos: privat

Montabaur. Wie lassen sich die Fachkräfte von morgen gewinnen? Die „maßgeschneiderte“ Ausbildung im Betrieb ist unbestritten der Königsweg. Zwei Unternehmen, die in unserer Region mit gutem Beispiel vorangehen, erhielten jetzt das Zertifikat für Nachwuchsförderung der Bundesagentur für Arbeit: die Vecoplan AG (Bad Marienberg) und die Stiftung Scheuern (Nassau).

Ausgewählt und ausgezeichnet wurden sie von der Agentur für Arbeit Montabaur, deren Bezirk den Westerwald- und den Rhein-Lahn-Kreis umfasst. Agenturchef
Elmar Wagner nutzt alljährlich die Woche der Ausbildung (diesmal: 26. Februar bis 2. März), um jeweils einen Betrieb pro Landkreis für sein Engagement zu würdigen.

Wagner weiß: Es wird nicht einfacher, Lehrstellen mit geeigneten Kandidaten zu besetzen. Die Gründe sind vielfältig. In Zeiten des demografischen Wandels und hoher Studierneigung schmilzt das Potenzial. Viele der rund 300 Ausbildungsberufe haben die jungen Menschen nicht „auf dem Schirm“, und etliche finden sie schlichtweg unattraktiv. Manche Bewerber kommen wegen schlechter Schulnoten nicht zum Zuge. Ein besonderes Problem im ländlichen Raum mit oft schlechter Verkehrsanbindung ist die mangelnde Mobilität.

„Trotz aller Schwierigkeiten bleibt die Ausbildungsbereitschaft der heimischen Unternehmen ungebrochen. Dem gemeinsamen Arbeitsgeberservice der Agentur und der Jobcenter werden Jahr für Jahr mehr Lehrstellen gemeldet“, beobachtet der Agenturleiter. „Unser Auftrag ist es, Betriebe und Bewerber bestmöglich zu beraten und zu unterstützen: Für die einen geht es um die Sicherung qualifizierter Mitarbeiter, für die anderen um den Start in ein erfolgreiches Berufsleben.“

Die Vecoplan AG, ein international führender Spezialist für Umwelt und Recycling-Technologien, ist Hersteller von Maschinen und Anlagen für die Zerkleinerung, Förderung und Aufbereitung von Holz, Biomasse, Kunststoffen und Papier. Vorstand Werner Berens bringt es auf den Punkt: „Aus Müll entstehen Wertstoffe und Energie.“ Das Unternehmen machte 2017 einen Umsatz von etwa 90 Millionen Euro. Unter den 380 Beschäftigten sind derzeit 33 Azubis – angefangen vom Industriekaufmann über die Konstruktionsmechanikerin bis hin zur Fachkraft für Lagerlogistik – sowie sechs Studierende auf dem Weg zum Bachelor bzw. Master in den Bereichen Betriebswirtschaft und Maschinenbau.

„Ausbildung ist seit jeher im Fokus der Vecoplan, und wir legen großen Wert auf Qualität: Unsere Azubis sind keine billigen Arbeitskräfte“, erklären die beiden Ausbilderinnen Anja Kohlhaas und Miriam Zieres. Das Unternehmen hat traditionell eine zweistellige Ausbildungsquote und kaum Probleme, gute Nachwuchskräfte zu finden. „Hauptquelle“ sind Schulpraktika, durch die man sich früh kennen lernt. Das Konzept geht auf: Die jungen Leute bleiben Vecoplan treu. „In den letzten Jahren war es keine Handvoll, die wir nicht übernommen haben“, stellen die Ausbilderinnen mit Stolz fest.

Die Stiftung Scheuern mit Hauptsitz in Nassau betreut, begleitet und fördert Menschen mit Behinderungen – ambulant, in Wohngruppen, in Werkstätten und in der Tagesförderstätte. Gemäß dem Leitsatz „Im Leben leben“ geht es um die Teilhabe in der Gesellschaft. Dazu gehört, (erwerbs)tätig zu sein. So unterhält die Stiftung u.a. eine Wäscherei, eine Druckerei und eine Schreinerei und bietet Dienstleistungen in vielen Bereichen: Garten- und Landschaftsbau, Gastronomie, Metallverarbeitung, Montage und Verpackung.
Fast 1.000 Beschäftigte sind für ihre Klientel im Einsatz. Ausgebildet wird in der Heilerziehungspflege und der Sozialassistenz; hinzukommen Erzieher/innen sowie in der Verwaltung Kaufleute im Büromanagement oder in der IT und in den Werkstätten verschiedene Handwerksberufe. Derzeit hat die Stiftung insgesamt 46 Azubis; im Sommer starten mindestens 20 neue.

Der dringend benötigte Nachwuchs kommt auf „klassischem Weg“ aus den Schulen; viele junge Menschen lernen ihren künftigen Arbeitgeber über Praktika kennen. „Wir haben aber schon vor Jahren erkannt, dass wir auch neue Wege gehen müssen und überlegt: Wie können wir von innen qualifizieren?“, erzählt Antje Koch-Gellermann, Leiterin Personalmanagement. Dank dieser Strategie hat die Stiftung Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fortgebildet oder auf völlig neue Tätigkeiten im pflegerischen und pädagogischen Kerngeschäft umgeschult. Auch von außen kommt Bereicherung. Mario Müller zum Beispiel hat mit 42 Jahren seinen Job als Steuerfachangestellter an den Nagel gehängt und macht - mit aufgestockter Vergütung - eine duale Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Die Stiftung hat immer wieder Azubis in dieser Altersklasse. Es sind Frauen und Männer, die einen Beruf als Berufung entdecken. Antje Koch-Gellermann bringt es auf den Punkt: „Wer bei uns arbeitet, weiß: Es ist normal, verschieden zu sein.“

Die Agentur für Arbeit Montabaur ist für Betriebe und Bewerber da: Jugendliche, die sich beruflich orientieren möchten oder einen Ausbildungsplatz suchen, wenden sich an die Berufsberatung, Telefon: 0800 4 5555 00. Arbeitgeber wählen die 0800 4 5555 20. Beide Servicenummern sind kostenfrei.

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