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Nachricht vom 10.02.2018    

Geschichte erhalten und nicht verfälschen

Verschwundene Kirchenfenster sind im Diözesan-Museum des Bistums in Limburg wieder aufgetaucht. Die Kirchturmuhr der katholischen Kirche Maria Himmelfahrt in Hachenburg ist erneut renovierungsbedürftig.

Turmuhr der katholischen Kirche Maria Himmelfahrt in Hachenburg. Fotos: Reinhard Panthel

Hachenburg. Als denkmalgeschütztes Bauwerk auf dem historischen Alten Markt in Hachenburg gehört die katholische Kirche „Maria Himmelfahrt“ zu den baulichen Juwelen der mittelalterlichen Stadt Hachenburg. Im Laufe der Jahrzehnte immer wieder liebevoll gepflegt und renoviert und als Zeugnis der vergangenen Jahrhunderte eines der bedeutendsten Bauwerke, die das historische Stadtbild prägen. Demnächst steht erneut eine größere Sanierungsmaßnahme an, weil die Kirchturmuhr und der bauliche Hintergrund instandgesetzt werden müssen. Gleichzeitig gibt es auch eine freudige Botschaft zu verkünden: die verloren geglaubten wertvollen Kriegergedächtnisfenster sind wieder entdeckt worden. Sie lagerten vergessen im Diözesan-Museum in Limburg und sollen in Kürze in Hachenburg ausgestellt werden.

Die heutige katholische Kirche entstand aus dem ehemaligen Franziskanerkloster an gleicher Stelle. 1908 wurde die Kirche erweitert und durch den Anbau eines Glockenturms komplettiert. 1920/21 war der damals zuständige Pfarrer Schleppinghoff mit dafür verantwortlich, dass dem Zeitgeist entsprechend zur Straßenfront hin zwei farbige „Kriegergedächtnisfenster“ eingebaut wurden. Es waren Spenden aus den Familien des Grafen Alexander von Hachenburg und Konrektor Philipp Sahmer, die auf diese Weise ihre im ersten Weltkrieg gefallenen Söhne betrauerten. 1981/82 ließ Pfarrer Krämer mit Unterstützung durch den damaligen Verwaltungsrat und Landeskonservator diese als künstlerisch wertvoll eingeschätzten Kirchenfenster ausbauen, weil sie nicht genügend Licht in den Vorraum der Kirche einfallen ließen und als „kriegsverherrlichend“ einzustufen seien. Die Nachfahren der Stifterfamilien wurden darüber nicht informiert.

Seit 2011 suchte die Geschichtswerkstatt Hachenburg (GWH) zunächst vergeblich nach dem Verbleib dieser wertvollen Kirchenfenster. Spekulationen über einen möglichen Verkauf und Einbau in andere Kirchen wurde dabei großen Raum eingeräumt, zumal auch die befragte Diözese Limburg zunächst nichts über den Verbleib sagen konnte. Aber der Hartnäckigkeit von Bruno Struif und Recherchen aus den Nachkommen der Spenderfamilien ist es zu verdanken, das nun das Geheimnis gelöst werden konnte.

Die Mitglieder der Geschichtswerkstatt wurden mit Info-Schreiben aus dem Januar 2018 darüber informiert, dass die Kirchenfenster 1982 ausgebaut und durch neutrale Fenster im Barockstil ersetzt wurden. Sie sollten ursprünglich dem Landschaftsmuseum in Hachenburg als Dauerleihgabe übergeben werden, was jedoch nicht geschah. Danach blieben sie zunächst verschollen, bis sich herausstellte, dass die Fenster auf Umwegen und 2016 bei einer Revision der Bestände doch im Magazin des Diözesan-Museums in Limburg entdeckt wurden. Nun bemüht sich die Geschichtswerkstatt darum, die Fenster im Rahmen einer Sonder-Ausstellung der Öffentlichkeit zu präsentieren. Was danach mit den Fenstern geschieht, ist noch nicht geklärt. Vielleicht werden sie dann doch den ursprünglichen Versprechen gemäß als Dauerleihgabe im Landschaftsmuseum in Hachenburg der Öffentlichkeit zugänglich bleiben?



Bereits in den sechziger Jahren wurde die Kirchturmuhr einer gründlichen Renovierung unterzogen. Graf Alexander stiftete 1908 das hölzerne Ziffernblatt und die Uhr wurde im Laufe der Zeit stets von der Uhrmacherfamilie Bonn gewartet. 1993 war es wieder einmal soweit und eine Reparatur in luftiger Höhe fand Unterstützung durch die Freiwillige Feuerwehr Hachenburg, die mit Hilfe der Drehleiter das Arbeiten erleichterte. Das hölzerne Ziffernblatt hält natürlich nicht ewig und ist auch diesmal wieder ein Opfer der Witterungseinflüsse. Stadtbürgermeister Stefan Leukel hat diesen Vorgang auf seinem Schreibtisch liegen und macht sich schon Gedanken darüber, wie und wann die erneut notwendig gewordene Renovierung erfolgen kann. repa

Dazu ein Kommentar von Reinhard Panthel
Geschichte pflegen statt verändern
Liebevolle Pflege der Gebäude der Stadt Hachenburg sind Voraussetzungen für das oft bestaunte und bewunderte Flair des mittelalterlichen Juwels rings um das Hachenburger Schloss. Jedoch sind auch aus Unwissenheit oder Leichtfertigkeit Zeugen der Vergangenheit verändert oder der Spitzhacke geopfert worden. „Unter Denkmalschutz stellen“ heißt auch, die Geschichte zu wahren und zu erhalten. Eine so wertvolle Bausubstanz wie sie in Hachenburg noch vielerorts zu sehen ist, bedarf auch des Schutzes der Eigentümer und der politischen Kräfte, die für deren Erhalt Verantwortung übernehmen müssen.
Neben der Bewunderung für diese schönste Stadt im Westerwald, die oft auch als „Rothenburg des Westerwaldes“ genannt wird, gibt es leider auch Erbsünden der Vergangenheit zu beklagen. Viele Häuser im Stadtkern wurden mit Duldung oder durch den Wunsch der Politik geopfert und dem Erdboden gleich gemacht…. zum Teil für fragwürdige Verbesserungen. Spitzweg hätte seine Freude daran gehabt an der Friedrichstraße „Imhäuser´s Eck“ als Motiv zu malen, eine ganze Häuserzeile zum Schlossberg hin wurde geopfert. Bis heute gibt es noch keine plausible Erklärung dafür, dass Denkmale ohne Not vom Neumarkt oder Alten Markt vor die Tore der Stadt „umgebettet“ wurden. Man kann etwas verbessern aber auch „verschlimmbessern“ und muss es dann als Geschichtsfälschung verantworten.

Wenn in Limburg in jüngster Zeit ein Glockenspiel als störend empfunden und danach abgestellt wird, wenn andernorts eine Glocke nicht mehr läuten darf, weil sie ein 70 Jahre nach dem Krieg ein entdecktes störendes Symbol trägt, dann muss man nicht nur den Kopf schütteln, sondern auch danach fragen, warum Politiker darauf überhaupt unverständlich reagieren?


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