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Nachricht vom 12.12.2017    

Gert Rehfeld: Der wissensdurstige Pfarrer sagt Adieu

Was bleibt? Diese Frage stellt sich Pfarrer Gert Rehfeld seit einigen Monaten oft. Auch heute, kurz vor seinem Abschied als Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinden Maxsain und Wölferlingen. Er sitzt auf der Fensterbank seines Arbeitszimmers in Maxsain und blickt hinaus auf den Garten des Pfarrhauses. Den hat er in den vergangenen 18 Jahren, in denen er hier tätig war, gehegt und gepflegt. Und an ihm sieht man, wenn die Saat aufgeht und Pflanzen gedeihen. Aber an einer Gemeinde?

Gert Rehfeld. Foto: Peter Bongard

Maxsain/Wölferlingen. Gert Rehfeld denkt häufig über solche Fragen nach. Er denkt überhaupt viel nach. Sein Äußeres passt in gewisser Weise zu dieser Nachdenklichkeit: Der drahtige 65-Jährige trägt Oberstudienrat-Jacketts, spricht mit feiner, zurückhaltender Stimme, und manchmal verzweigen sich seine Gedanken, als ob er mit sich selbst einen Diskurs führt.

Der Wissensdurst liegt in seinen Genen: Der gebürtige Greifswalder wächst in Frankfurt auf, sein Vater ist Wissenschaftler; Fortschritt und Technik sind die bestimmenden Themen im Hause Rehfeld. Gert folgt zunächst dem Beispiel seines Papas und studiert Physik, später zusätzlich noch Anglistik und Geographie in Würzburg. Doch die Antworten auf die Dinge, die ihn wirklich interessieren, findet er weder in der Sprach- noch in der Naturwissenschaft. „Letztlich hat mich die Frage nach dem Sinn des Lebens und meine Zeit beim CVJM dazu gebracht, Theologie zu studieren“, erzählt er.

Rehfeld geht dieser Frage an den Universitäten Erlangen und Marburg nach und absolviert sein Vikariat Mitte der 80er-Jahre in Höhr-Grenzhausen. Dann lernt er nicht nur die philosophische, sondern auch die diakonische Dimension des Glaubens kennen: die Nächstenliebe und –hilfe. Er absolviert ein Spezialvikariat in Indien und kehrt nach einem halben Jahr tief beeindruckt nach Deutschland zurück: „Das war eine außerordentlich beglückende Zeit, in der ich viele begabte Menschen erleben durfte.“

Nach einigen Zwischenstationen kommt er im Winter 1999 schließlich nach Maxsain. Sein Start im Westerwald war schwierig – nicht nur wegen des Schneechaos’, das ihn auf seiner ersten Fahrt nach Maxsain erwartet. „Als ich hier anfing, waren das Pfarrhaus und das Gelände in einem desolaten Zustand“, erinnert er sich. „Ich hatte kein vernünftiges Büro und musste mich um die Renovierung, meinen regulären Dienst und zudem noch um die 600-Jahr-Feier des Ortes kümmern.“

Nicht nur die äußeren Umstände waren kompliziert: Auch innerlich fällt ihm der Wechsel von der Stadt nach Maxsain schwer. „Alleine die Wege zwischen den einzelnen Gemeindeorten zu finden war anfangs ein ziemlicher Lernprozess“, sagt er lächelnd. Sein damaliger Kirchenvorstand ist ihm in dieser Zeit eine große Hilfe. „Die Männer und Frauen haben mich in dieser Zeit begleitet und konstruktiv unterstützt. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar“, sagt Rehfeld.

Im Laufe der Monate lichtet sich das Dickicht – in und ums Pfarrhaus und in der Arbeit. Rehfeld lernt die Eigenheiten des Dorflebens und der Dörfer untereinander kennen, die zu den Kirchengemeinden Maxsain und Wölferlingen gehören. Er nimmt am Ortsgeschehen teil, singt im Männergesangsverein mit, erlebt viele „bereichernde Begegnungen“, wie er es formuliert: „Es ist eben etwas anderes, auf dem Land Pfarrer zu sein als in der Stadt. Dort geht es um die großen politischen Themen, um Emanzipation, um soziale Gerechtigkeit; darum, aktiv Missstände zu verändern. Doch hier auf dem Land geht es ums alltägliche Leben. Ums Feiern wie ums Mitfühlen und Mittragen, wenn jemand krank ist oder stirbt. Dieses ehrliche Miteinander ist in der Stadt schwer vorstellbar“, glaubt er.




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Doch nicht nur das Miteinander ist ihm wichtig, sondern auch die persönliche Einkehr. Während eines dreimonatigen „Sabbaticals“ beschäftigt sich der Pfarrer intensiv mit dem Thema Muße – nicht um die Füße hochzulegen, sondern um dadurch etwas weiterzugeben. „Es geht darum, die innere Ruhe zu finden, aus der dann neue Kraft wächst, mit der man der Gemeinschaft dienen kann“, sagt er.

Nun geht er in den Ruhestand und kann der Muße noch mehr Raum geben. „Ich brauche Kommunikation, Musik, Bewegung und kulturellen Austausch“, sagt er. Und er möchte seiner Nachfolgerin oder seinem Nachfolger nicht im Wege stehen und zieht deshalb ins Kannenbäckerland. „Denn jeder Pfarrer hat seinen eigenen Stil. Es wäre schwierig, wenn ich im Ort bleiben und der ,Neue’ immer mit mir verglichen werden würde.“

Was bleibt also nach 18 Jahren in Maxsain und Wölferlingen? Bei Rehfeld selbst sicher die Erkenntnis, dass das Dorfleben vom Miteinander zwischen Kommune und Kirche lebt, vom gegenseitigen Tragen und Mitfühlen, auch von Momenten der inneren Einkehr. Und nach außen sind es die Projekte, die Rehfeld betreut hat und die nachklingen: die Renovierung des Pfarrhauses, des Freilinger Gemeindehauses, der Maxsainer Kirche und der Orgel, der rege Austausch und die gegenseitigen Besuche mit der Kirchengemeinde Krina bei Bitterfeld. All das fasst Rehfeld mit der „Hoffnung auf eine gute Kontinuität“ zusammen. „Ich hoffe, dass die Menschen wissen, dass sie sich immer an ihren Pfarrer wenden können – unabhängig davon, wer die Stelle innehatte oder nun innehaben wird. Und ich wünsche mir, dass das gute Miteinander von Orts- und Kirchengemeinde weitergeht“, sagt er. Gert Rehfeld hat dieses Pflänzchen der Verbundenheit während seiner Zeit ruhig und verlässlich gepflegt. Sein Nachfolger oder die Nachfolgerin wird nicht nur einen gut bestellten Pfarrgarten vorfinden. (bon)

Gert Rehfelds Abschiedsgottesdienst findet am 28. Januar um 14 Uhr in der Evangelischen Kirche Maxsain statt. Aus Wölferlingen verabschiedet sich Gert Rehfeld schon an Silvester, 31. Dezember, um 10.15 Uhr (Evangelische Kirche Wölferlingen).


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