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Nachricht vom 14.11.2017    

Stegskopf soll Naturschutzgebiet werden

Die Naturschutzinitiative e.V. (NI), GNOR und Pollichia begrüßen die Übernahme der Flächen des ehemaligen Truppenübungsplatzes Daaden/Stegskopf durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU Naturerbe GmbH). Sie fordern: Kein Ski-Trainingszentrum!

Stegskopf und Kleine Nister. Fotos: Harry Neumann

Region. „Wir halten es für sinnvoll, nun auch die bebauten Bereiche (Lager Stegskopf und „Mob-Stützpunkt“ in die Gebietskulisse des Nationalen Naturerbes aufzunehmen und der DBU Naturerbe GmbH zu übertragen“, erklärten Harry Neumann, Landesvorsitzender Naturschutzinitiative (NI), Prof. Dr. Klaus Fischer, GNOR (AK Westerwald) und Dipl.-Biologe Dr. Jürgen Ott, Präsident der Pollichia.

„Dies ist deshalb sehr sinnvoll, weil damit gewährleistet wird, dass es zu keinen Beeinträchtigungen und Konflikten kommen kann, die mit den Schutzzielen des europäischen FFH- und Vogelschutzgebietes und des Nationalen Naturerbes unvereinbar wären“, betonten die Vertreter der drei Verbände.

Die Ausweisung von Gewerbe- und Industriegebieten angrenzend an eines der größten und wertvollsten Nationalen Naturerbeflächen in Westdeutschland und dem größten in Rheinland-Pfalz werden durch die Naturschutzverbände nicht akzeptiert.

Dies wäre neben dem zu erwartenden Schaden für das Nationale Naturerbe, das Natura 2000-Gebiet und die angrenzenden Naturschutzgebiete auch wirtschaftlich nicht sinnvoll, da unmittelbar benachbart große Industriegebiete an der B 54 in überreichlichem Maße zur Verfügung stehen (Siegerland Flughafen/Burbach). Es ist auch nicht zu erwarten, dass sich die hohen Erschließungskosten auf dem abgelegenen Stegskopf jemals amortisieren werden.

Anstatt immer wieder neue Industrie- und Gewerbegebiete zu planen und zu bauen und damit den Artenrückgang und das Insektensterben noch weiter zu fördern, sollten interkommunale Kooperationen über Landes- und Gemeindegrenzen hinaus vereinbart werden“, forderte Prof. Dr. Klaus Fischer, GNOR.

„Die Wildkatze, die hier sogar reproduziert, benötigt zusammenhängende und ruhige Wälder. Ein Skibetrieb in der Paarungs- und Aufzuchtzeit ist hiermit nicht zu vereinbaren. Wir müssen auch nicht alles gewerblich nutzen, die Natur und unsere Wildtiere brauchen auch ungestörte Flächen, von denen es kaum noch welche gibt. Diesen Zweck erfüllen gerade die Nationalen Naturerbeflächen“, machte Wildkatzenexpertin Gabriele Neumann von der NI deutlich.

Nur so sei nach Auffassung der NI, GNOR und Pollichia dauerhaft zu gewährleisten, dass es zu keiner dem Nationalen Naturerbe entgegenstehenden Nutzung (zum Beispiel durch Ausweisung eines Industriegebietes seitens der Ortsgemeinde Emmerzhausen) kommen könne.

Die Naturschutzverbände begrüßen daher die Bereitschaft der DBU Naturerbe GmbH, auch den Lagerbereich mit in das Nationale Naturerbe aufzunehmen. Die Verbände unterstützen ebenfalls Pläne, den Lagerbereich zu renaturieren und einem Ökokonto zuzuführen.

Begrüßenswert sind auch die bereits durchgeführten Maßnahmen der DBU und BIMA zur Pflege des ehemaligen Truppenübungsplatzes und der Entsiegelung einiger Flächen. Besonders auf dem Höllkopf zeigen sich bereits nach kurzer Zeit die Erfolge der von der Naturschutzinitiative (NI) vorgeschlagenen und durch die Sparte Bundesforsten durchgeführten naturschutzfachlichen Maßnahmen zur Erhöhung der Biodiversität.

Einer touristischen Nutzung des ehemaligen Truppenlagers mit einem „Freizeitressort“ stehen NI, GNOR und Pollichia kritisch gegenüber. Es wird angesichts der Tatsache, dass das benachbarte, sehr attraktive und viel besser gelegene Schlosshotel Friedewald schon vor einiger Zeit seine Pforten dauerhaft schließen musste, bezweifelt, dass ein solches Projekt zu realisieren und mit den Schutzzielen zu vereinbaren wäre. Ebenso befinde sich nur wenige Fahrminuten entfernt das Restaurant „Zur Fuchskaute“, welches ein gleichgeartetes „naturnahes Angebot“ am Rande eines Naturschutzgebietes im Dreiländereck bereits aufweise.

Die Errichtung einer Informations- und Naturbildungsstätte zum Nationalen Naturerbe in einem der Gebäude erachten NI, GNOR und Pollichia als wünschenswert, wobei die Finanzierung, Entwicklung und der Betrieb dauerhaft sichergestellt sein müssen. Dies gehe nur gemeinsam mit der DBU und allen daran interessierten Naturschutzverbänden. Die drei Verbände NI, GNOR und Pollichia sind bereit, sich hier ehrenamtlich einzubringen. Veraltete und nicht mehr zeitgemäße Projekte sollten jedoch nicht mehr weiterverfolgt werden, da diese bei realistischer Betrachtung auch nicht finanzierbar sind.

Wie bereits im 2014 gemeinsam mit der BI Stegskopf entwickelten Konzept dargelegt, wünschen sich GNOR, NI und Pollichia eine behutsame und naturschutzfachlich verantwortungsvolle Öffnung von Wanderwegen, die vor allem den berechtigten Interessen der Bevölkerung vor Ort dient. Neben den beiden freigegebenen Platzrandstraßen wäre es wünschenswert, als nächstes eine „Nord-Süd-Verbindung“ im Osten und Westen zu schaffen. Diese sollten im Osten an den Weitwanderweg E1 und Rothaarsteig, im Westen an den Westerwaldsteig und Druidensteig angebunden werden.

Gerade die ortsansässige Bevölkerung hat unter der fast einhundertjährigen militärischen Nutzung des Truppenübungsplatzes am meisten gelitten und sollte nun die Möglichkeit bekommen, das „ökologische Juwel Stegskopf“ erleben zu können. Hierzu gehört nicht nur der von den drei Verbänden vorgeschlagene Aussichtsturm „Stegskopf“, sondern auch weitere Aussichts- und Ruhepunkte an ausgewählten Stellen (zum Beispiel Heimerich, Höllkopf, Russenbude mit Blick auf die alte Friedewälder Viehweide).

„Die Errichtung eines Trainingsstützpunktes für einen Skibetrieb auf dem Stegskopf lehnen die Naturschutzverbände jedoch strikt ab, da dies nicht mit den Naturschutzzielen und dem Schutzzweck zu vereinbaren wäre“, machte Dipl.-Biologe Dr. Jürgen Ott, Präsident der Pollichia, deutlich. Wie die bisherigen Erfahrungen gezeigt haben, ist zum Schutz der Natur im Nationalen Naturerbe die Schaffung einer Naturschutzwacht im Vorfeld der öffentlichen Nutzung eine unabdingbare Voraussetzung.

„Das Land Rheinland-Pfalz fordern wir erneut auf, ebenfalls Verantwortung zu übernehmen und das Nationale Naturerbe Stegskopf endlich als Naturschutzgebiet auszuweisen. Es ist für uns unverständlich, dass sich das Umweltministerium dieser Verantwortung seit Jahren entzieht“, betonten Prof. Dr. Klaus Fischer, Harry Neumann und Dr. Jürgen Ott für die Naturschutzverbände.
(PM)


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Kommentare zu: Stegskopf soll Naturschutzgebiet werden

2 Kommentare

Als ich den Artikel las fiel mir sofort auf, wie groß müssen die Worte "Trainingszentrum und Skibetrieb" auf alle Leser und Gegner wirken. Ich selbst musste unwillkürlich an Liftbetrieb und massenhaften Ansturm auf den Höllenkopf denken. Jedoch ist damit lediglich der Skilanglauf gemeint der bekanntermaßen alles andere als laut, zerstörerisch oder Umweltbelastend ist. Der Höllenkopf ist ja jetzt schon freigegeben zum Spazieren, Wandern oder Mountainbiken (auf den Wegen wohlgemerkt).Diese Aktivitäten können rund ums Jahr genutzt werden. Wenn die Tierwelt da nicht gestört wird frag ich mich warum das in den paar Wochen, falls es mal einen guten Winter geben sollte der Fall wäre. Der Höllenkopf ist eine mit Gras bewachsene weite Hochfläche die von Fichten im hinteren Teil begrenzt wird und auf der anderen Seite steil Richtung Emmerzhausen abfällt.Diese Fläche ist nicht das Revier der Wildkatze,diese bevorzugen das Leben in den Wäldern zum einen und die Brutzeit der Bodenbrüten wird sich zwischen April und Juli abspielen.

MfG
André Schmidt
#2 von André Schmidt , am 18.11.2017 um 10:01 Uhr
Was diese Naturschutzverbände sich da leisten ist unverantwortlich,Druck auf die Politik zu machen das am besten alles abgesperrt wird und die Lebensqualität die man dort erleben könnte wird völlig außer Acht gelassen.Seid ewigen Zeiten leben Mensch und Tier zusammen als die Bundeswehr noch am Stegskopf aktiv war wurde oftmals tag und nacht geschossen wie haben das damals nur die Tiere verkraftet? Warum ist es fast in allen anderen Gebieten möglich Sport und Natur in Einklang zu bringen, der Skisport hat auf dem Stegskopf eine über 100jährige Tradition und dieser wird der Natur bestimmt nicht schaden. Ihr Naturschutzverbände macht euch mal Gedanken darüber ob Absperren die beste Lösung ist oder ob doch nicht Sport und Natur zusammen gehören.
Mfg
Matthias Wiederstein
(Sportwart Nordisch SVS Emmerzhausen)
#1 von Matthias Wiederstein, am 16.11.2017 um 08:52 Uhr

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