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Nachricht vom 17.10.2017    

Senioren stellten sich den Greueltaten der Nazis

Hadamar ist eine schöne Kleinstadt mit langer Geschichte und einem reichhaltigen Kulturerbe. Aber es ist auch die Stadt, in denen die Nazis grausame Verbrechen an vielen tausend wehrlosen Euthanasieopfern verübt haben. Dieser dunklen Vergangenheit stellte sich jetzt die Senioreninitiative „555 Schritte – fit bis ins höchste Alter“ aus dem Buchfinkenland bei einem Besuch in Hadamar.

In der einzigartigen Liebfrauenkirche erlebten die „555er“ auch die schönen Seiten von Hadamar. Foto: privat

Buchfinkenland. Dass dieser Ausflug in die Vergangenheit keine reine Vergnügungsfahrt wird, war den Verantwortlichen ebenso wie den teilnehmenden Seniorinnen und Senioren schon bei der Planung klar. Doch ein erfahrener Mitarbeiter der Gedenkstätte auf dem Hadamarer Mönchsberg konnte den insgesamt 55 Buchfinken die Angst nehmen: „Viele hochaltrige Besucher, die die damalige Zeit zumindest noch als Kind erlebt haben, fühlen sich nach der Führung mehr befreit als schockiert“. Dies war dann auch die überwiegende Reaktion der Gäste aus dem Ignatius-Lötschert-Haus und den Dörfern rundherum.

Bei der Führung in Kleingruppen wurden die Gäste behutsam mit dem Grauen in der Gedenkstätte vertraut gemacht. Dort, wo von den Nazischergen fast 15.000 Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen ermordet wurden, wurde durch die Schilderung einiger Einzelschicksale anschaulicher, was damals dort wirklich passierte. „Man kann weder mit dem Kopf noch mit dem Herzen begreifen, was hier geschehen ist“ meinte einer der Gäste. Gefragt wurde mehrmals nach den Opfern aus dem südlichen Westerwald.




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Die schönen Seiten von Hadamar durften die Senioren vorher beispielhaft beim Besuch der wunderschönen spätgotischen Liebfrauenkirche kennen lernen. Stadtführer Peter Weber stellte dieses sakrale Kleinod vor, das als nationales Kunstdenkmal gilt. „Um sowas zu sehen, muss man sonst nach Bayern oder Österreich fahren“, meinte einer der Mitreisenden.

Im Anschluss an den Besuch der Gedenkstätte wurde bei Kaffee und Kuchen im nahen Kloster-Café dann das zuvor Gesehene und Gehörte aufgearbeitet. Dabei wurde klar, dass fast alle Seniorinnen und Senioren zum ersten Mal auf dem Mönchsberg waren und sich vorher nie seiner grausamen Vergangenheit gestellt hatten. „Ich hatte erst auch Zweifel, ob ich überhaupt mitfahren soll, aber jetzt bin ich euch dankbar, dass ihr mir einen Einblick in diesen schrecklichen Teil unserer Vergangenheit ermöglicht habt“, meinte eine Seniorin, die bereits das 90.Lebensjahr überschritten hat. Dem stimmten viele aus der hochbetagten Reisegesellschaft zu. (PM)


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