Werbung

Nachricht vom 09.09.2017    

Windenergieanlagen bleiben Todesfallen

In einer gemeinsamen Pressemitteilung nehmen die Naturschutz-Verbände "Naturschutzinitiative e.V. (NI)", "NABU Kroppacher Schweiz", "GNOR" und "POLLICHIA" Stellung zur Meldung der Kreisverwaltung Westerwald, dass die Untersuchungen zur Todesursache abgeschlossen seien. Die Naturschutzverbände fordern einen vollständigen Rückbau der Anlagen.

Harry Neumann mit einem am Roten Kopf gefundenen toten Rotmilan. Foto: privat

Westerwaldkreis. Harry Neumann, Landesvorsitzender der Naturschutzinitiative, stellt fest: „Der Rotmilan gehört in Deutschland zu den überproportional durch Windenergieanlagen gefährdeten Arten. Dies wird durch Ergebnisse der Staatlichen Vogelschutzwarte von Brandenburg verdeutlicht, nach denen Windräder an vorderster Stelle bei den Verlustursachen für den Rotmilan angeführt werden. Mittlerweile ist auch hinreichend bekannt, dass gerade an höheren Windenergieanlagen mit einem Rotor-Boden-Abstand von mehr als 80 Metern in zunehmendem Maße Rotmilane getötet werden. Gleichermaßen finden sich Schlagopfer bei dieser Art vermehrt in Wäldern. Dies liegt höchstwahrscheinlich darin begründet, dass in jüngster Zeit verstärkt auch Waldgebiete für die Errichtung von Windenergieanlagen geopfert wurden.

In einer Pressemitteilung teilt die Kreisverwaltung Westerwald aktuell mit, dass für den Standort Roter Kopf bei Westerburg im Juni 2017 Untersuchungen zum Rotmilan in Auftrag gegeben wurden. Diese Untersuchungen erfolgten jedoch erst, nachdem die Naturschutzverbände mehrfach auf die getöteten Rotmilane im Westerwald hingewiesen hatten. Der Untersuchungsbeginn war somit viel zu spät, nämlich erst nach dem Fund des dritten Rotmilans (Hartenfelser Kopf) im Westerwald in diesem Jahr. Die Untersuchungen für den Roten Kopf hätten bereits ab April – mit dem Fund des ersten Rotmilans – eingeleitet werden müssen. Dann hätte das Gefahrenpotential für die Art möglicherweise noch rechtzeitig abgewendet werden können. Allerdings wurden zu dem Zeitpunkt weder die Öffentlichkeit noch die Naturschutzverbände über den getöteten Rotmilan, von dem die Kreisverwaltung Kenntnis hatte, informiert. Selbst nach der folgenden Totfundmeldung im Mai im selben Bereich blieben notwendige Maßnahmen aus. Die Kreisverwaltung ließ die Kadaver nicht untersuchen, obwohl diese gemeldet wurden, in einem Fall sogar der Polizei.

Im Rahmen eines Monitorings für den Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) wurden seit mehreren Jahren regelmäßig Flugbewegungen von Rotmilanen entlang des Roten Kopfes und Einflüge in den Wald beobachtet. Frühzeitig eingebrachte Hinweise wurden jedoch bei den Windenergieplanungen von den zuständigen Stellen missachtet. Bei diesem Monitoring wurde auch der Wespenbussard in dem Gebiet nachgewiesen. Aufgrund von dessen Kollisionsgefährdung wird von den Vogelschutzwarten in der Fachkonvention des „Helgoländer Papiers“ ein Mindestabstand von 1.000 Metern um Brutplätze gefordert. Wie aus den damaligen Planungsunterlagen zum Roten Kopf hervorgeht, wurde 2014 ein Nistplatz in etwa 800 Metern Entfernung zu den heutigen Anlagen nachgewiesen. Für diese Art besteht daher ebenfalls ein sehr hohes Kollisionsrisiko.

Das sehr hohe Konfliktpotential am Roten Kopf wurde zudem bereits erkennbar, als im Zeitraum der Bauphase der Anlagen in weniger als 1.000 Metern Entfernung ein Brutplatz von Schwarzstörchen entdeckt wurde. Bereits hier wurde von Seiten der Naturschutzverbände hervorgehoben, dass das Waldgebiet eine besondere Sensibilität aufweist und eine Windenergienutzung daher abzulehnen ist. Abgesehen von einem kurzen Baustopp wurden die Anlagen allerdings dennoch errichtet und in Betrieb genommen.

Beim Rotmilan werden überwiegend Altvögel an den Rotoren getötet. Während der Brutzeit sind die Verluste besonders verheerend, weil der Tod eines Elterntieres zusätzlich das Überleben der Nachkommen und damit den Bruterfolg gefährdet. Die Aussage, dass Rotmilane im Herbst in ihre Winterquartiere ziehen, ändert nichts an dieser Tatsache, sondern soll vermutlich nur von dem hohen Konfliktpotenzial ablenken. Kollisionen können zudem auch während der Zugzeit auftreten.

Wie auch in Bezug auf die jetzigen Untersuchungen wurde von Anfang an argumentiert, dass der Großteil (circa 95 Prozent) der Flugbewegungen von Großvögeln außerhalb des Gefahrenbereiches der Windenergieanlagen stattfindet. Durch die Häufung der Totfunde in diesem Jahr hat sich allerdings eindeutig gezeigt, dass solche Einschätzungen wenig Aussagekraft haben und der tatsächlichen Gefährdung, die für die Arten besteht, nicht gerecht werden. Aus artenschutzfachlicher Sicht ist es völlig unzureichend, dass nun mithilfe sogenannter „ergänzender Maßnahmen“ der Anlagenbetrieb weiterhin gerechtfertigt werden soll. Da Rotmilane auch weiter als in ihrem engeren Horstbereich nahrungssuchend umherfliegen, sind Kollisionen immer vorprogrammiert. Hier hilft nur ein großräumiges Freihalten von Windenergieanlagen.

Mit dem Ziel, das Gebiet „unattraktiv“ für den Rotmilan zu gestalten, werden der Art dagegen Nahrungshabitate innerhalb ihres Lebensraums entzogen. Die hohe Nutzungsintensität des Gebietes ist allerdings unabhängig von einer landwirtschaftlichen Bearbeitung, wie zum Beispiel Mahd. Zudem stehen die Lebensraumnutzung und Flüge über dem Wald nicht ausschließlich in Zusammenhang mit der Nahrungssuche. Die diesbezügliche von der Kreisverwaltung beabsichtigte Herangehensweise ist daher wenig zielführend. Weiterhin ist es befremdlich, dass mit der Aussage bezüglich einer „Steigerung der Aktivität von Nord nach Süd“ impliziert werden soll, dass die nördlichen Anlagenstandorte weniger konfliktträchtig seien. Die beiden Totfunde stammen nämlich gerade von diesen Anlagen im Wald.

Von den Naturschutzverbänden wird gefordert, dass die Lebensräume und Brutgebiete der sensiblen Arten vollständig von Windenergieanlagen freigehalten werden. Da Waldgebiete sowohl für (Groß-)Vögel als auch für Fledermäuse wichtige Habitate darstellen, besteht ebenfalls die Notwendigkeit, dass Wälder für eine Windenergienutzung ausgeschlossen werden. Der einzige Schutz für den Rotmilan und andere windenergiesensible Arten ist in der Konsequenz der Rückbau der Anlagen. (PM)


Jetzt Fan der WW-Kurier.de Lokalausgabe Selters auf Facebook werden!


Kommentare zu: Windenergieanlagen bleiben Todesfallen

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

Beliebte Artikel beim WW-Kurier


31 Corona-Fälle im Westerwaldkreis über das Wochenende

Am 19. Oktober meldet der Westerwaldkreis 695 (+31) bestätigte Corona-Fälle im Kreis. Der aktuelle Inzidenzwert liegt gemäß Berechnung des Landesuntersuchungsamtes Rheinland-Pfalz bei 28. Damit liegt der Westerwaldkreis in der Warnstufe „gelb".


Politik, Artikel vom 19.10.2020

Standortfaktor ICE-Bahnhof Montabaur

Standortfaktor ICE-Bahnhof Montabaur

Im neuen Jahresfahrplan von DB Fernverkehr, gültig ab dem 13. Dezember 2020, bleiben sowohl die Anzahl der Zughalte als auch die zeitliche Verteilung weitgehend auf dem bekannten Niveau. Es werden also weiterhin über 200 wöchentlichen ICE- Fahrten in Montabaur verkehren. Das ist das erfreuliche Ergebnis des jährlich stattfindenden Fahrplangespräches zu dem Vertreter des Angebotsmanagements der DB Fernverkehr AG, des Westerwaldkreises sowie der Verbandsgemeinde und der Stadt Montabaur zusammenkommen.


Region, Artikel vom 19.10.2020

Autos in Höhr-Grenzhausen verkratzt

Autos in Höhr-Grenzhausen verkratzt

Zwei Fahrzeughalter erschienen persönlich auf der Polizeiwache Höhr-Grenzhausen, um Sachbeschädigungen an ihren Autos anzuzeigen. In beiden Fällen wies der PKW tiefe Kratzer auf, die nachts verursacht wurden. Die Polizei bittet um Zeugenaussagen, Telefon: 02624-9402-0.


EWM gehört zu Deutschlands innovativsten Mittelständlern

Die EWM AG aus Mündersbach gehört bereits zum zweiten Mal in Folge zu den TOP 100 Deutschlands innovativster Mittelständler – zu diesem Ergebnis kommt die „WirtschaftsWoche“. Dafür wurden im Auftrag des Wirtschaftsmagazins 3.500 deutsche Unternehmen analysiert. Deutschlands größter Hersteller von Lichtbogen-Schweißtechnik gelangte dabei unter die besten 100.


“CARA“ am kommenden Sonntag in der Stadthalle Montabaur

Endlich, am kommenden Wochenende geht es wieder los mit Veranstaltungen der Kleinkunstbühne Mons Tabor und Live-Kultur in der Stadthalle Montabaur! Darauf haben viele in der Region gewartet. Mit der Gruppe CARA kommt zum Auftakt eine der derzeit erfolgreichsten Bands des Irish-Folk in die Kreisstadt.




Aktuelle Artikel aus der Politik


Standortfaktor ICE-Bahnhof Montabaur

Montabaur. Die Verantwortlichen sind sich einig darin, dass der ICE-Bahnhof ein wichtiger Standortfaktor für die gesamte ...

„Meet the Greens“ - zum zweiten Mal

Hachenburg. Wichtig: Damit die Corona-Vorschriften beachtet werden können, bitte unbedingt mit Maske kommen und bei Erkältungssymptomen ...

Ausbau der Rheinstraße (L307), Ransbach-Baumbach, Bauabschnitt IV

Ransbach-Baumbach. Im ersten Teil der Maßnahme werden die längs der Fahrbahnachse verlaufenden Kanal- und Trinkwasseranlagen, ...

CDU-Landtagskandidaten Jenny Groß MdL und Janick Pape mit Spitzenergebnissen aufgestellt

Region. Am vergangenen Samstag hat in Ludwigshafen die Aufstellung der CDU-Landesliste stattgefunden. Die Westerwälder Christdemokraten ...

Verbandsgemeinderat Montabaur hat getagt

Montabaur. Das Thema „Verbandsgemeindehaus“ nahm wie immer einen großen Raum in der Sitzung des VGR ein und wird deshalb ...

Mädchen-Wochenende: KreativWerkstatt 2.0

Montabaur. Unter dem Motto „Licht und Schatten“ werden passend zur dunklen Jahreszeit viele schöne Kunstwerke angefertigt. ...

Weitere Artikel


Feierliches Gelöbnis bei Sanitätsregiment in Rennerod

Rennerod. Auch waren zahlreiche Ehrengäste unter ihnen die zu Beginn den Einmarsch des 11. Sanitätsregimentes unter Begleitung ...

Schustermarkt in Montabaur lockt mit buntem Programm

Montabaur. Handwerker und Kunsthandwerker sind in der Fußgängerzone und in der Bahnhofstraße zu finden. Ein Schwerpunkt sind ...

FDP-Bundestagskandidat: Bildung, Digitalisierung, Sicherheit sind Schwerpunkte

Wofür haben Sie sich bisher politisch engagiert – und wieso?
Bei uns in Wirges für Jugend & Kultur, weil die Jugend für ...

Bad Marienberger Wanderer auf sagenhaften Wegen

Bad Marienberg. An der Station drei angekommen, erzählte eine Info-Tafel von dem Sarg im Zingelsloch. Weiter durch Wald folgte ...

Reformation macht Schule

Bad Marienberg. Wie wurde Schule zu Zeiten der Reformation im Alltag umgesetzt? Welchen Einfluss hatten reformatorische Gedanken ...

Charity Tour zugunsten DKMS - Etappenpause in Hachenburg

Hachenburg. Am Sonntagvormittag treffen mehr als 65 trainierte Radfahrer/innen vom Radtreff Campus Bonn (RCB) aus Bonn kommend ...

Werbung