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Nachricht vom 19.06.2017    

„Family Business“ im Stöffelpark

„Family Business“: Das sind Richard Bargel und Fabio Nettekoven. Sie treten am Samstag, den 15. Juli, um 20 Uhr im Stöffel-Park Enspel auf und werden für nur 12 Euro im Vorverkauf, beziehungsweise 15 Euro an der Abendkasse, die Bühne rocken. Karten gibt es im Stöffel-Park, im Zigarrenhaus Wengenroth, in der Buchhandlung Logo und in den Tourist-Information Wiesensee und Alter Markt.

Foto: Privat

Enspel. Richard Bargels neues Album „It´s Crap!“, eingespielt mit seiner Band „Dead Slow Stampede“, wurde 2014 für den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik nominiert. Nicht minder preisverdächtig ist das Duo „Family Business“ mit dem die beiden Saitenkünstler der Band zeigen, dass sie auch ohne ihre Rhythmusgruppe ein schlagkräftiges Gespann sind. Interessant, wie hier zwei Generationen vortrefflich miteinander kommunizieren. Auf der einen Seite Richard Bargel, Urgestein der deutschen Blues-Szene und seit über 45 Jahren „on the road“ und auf der anderen Seite Fabio Nettekoven, in seinen frühen Zwanzigern, aber schon ein ausgefuchster Saitenvirtuose und Multi-Instrumentalist.

Da drängt sich das Bild des Paten auf, der seinen Nachfolger erkoren hat, den Sohn oder Enkel, der sich den Regeln der Autorität zwar noch beugen muss, längst aber eigene Vorstellungen davon hat, wie er seine Welt gestalten will. In diesem Spannungsfeld zwischen der Abgeklärtheit und Altersweisheit eines erfahrenen Veteranen und der drängenden, übersprudelnden Kraft eines jungen Mannes spielen sich die kreativen musikalischen Dialoge zwischen Bargel und Nettekoven ab. Ein Profitgeschäft ist dies für beide Seiten – Family Business eben – und erst recht für das Publikum. Das vielschichtige Repertoire mit dem sich die beiden „Familienmitglieder“ erfolgreich von konkurrierenden Clans abheben, spielt sich im weiten Feld der Americana-Musik ab.

Blues ist ihr finsteres Hauptgeschäft, doch sie dealen auch mit Folk, Rock, Country, Tex-Mex, Zydeco, Latino und europäischer Chanson-Tradition, heiße musikalische Handelswaren, mit denen der Pate seine originellen Eigenkompositionen schon immer zu würzen wusste. Neben schwerem Geschütz, wie Dobro, E-Gitarre und Lap-Steel-Gitarre, verstehen sie es ebenso gut mit Kleinkalibrigem, wie Mandoline, Banjo, Ukulele und anderen, zarter besaiteten Instrumenten ihrem Publikum den nötigen Respekt abzufordern, sie aber auch zu treuer Gefolgschaft zu bewegen. Da zahlt das Publikum gern und bereitwillig das Schutzgeld in einer Währung, die nicht erst gewaschen werden muss: mit begeistertem Applaus.

Richard Bargel ist in Verden kein Unbekannter. Bereits vor drei Jahren brachte der Kölner als „Men in Blues“ gemeinsam mit dem ehemaligen BAP-Gitarristen Klaus „Major“ Heuser die Alte Kornbrennerei zum Kochen. Mit seinem Gitarristen Fabio Nettekoven ist er neuerdings auch als Duo unterwegs. Dass sie zu zweit Spitze sind, belegten Bargel und Nettekoven in Verden eindrucksvoll. Bargel suchte von Anfang an den Kontakt zum Publikum, erzählte kleine Geschichten rund um die Songs. Zu hören gab es hauptsächlich Eigenkompositionen, einige älteren Datums, dazu viele von der aktuellen CD „It‘s crap!“.

Wenn auch Bargel und Nettekoven verschiedenen Generationen angehören, die Virtuosität auf ihren Instrumenten verbindet sie. So schafften die beiden Vollblutmusiker es sofort, das Verdener Publikum für sich einzunehmen, schon nach dem ersten Song gab es jubelnden Applaus. Die beiden Saitenkünstler sind Multi-Instrumentalisten, beherrschen Dobro-Slide, E-Gitarre und Labsteel-Gitarre ebenso wie Ukulele, Banjo oder Mandoline. Begeistert johlte das Publikum, wenn sich Bargel und Nettekoven gegenseitig zu musikalischen Höchstleistungen puschten. Doch es ist die tiefe Bluesstimme von Richard Bargel, die der Musik die Seele gibt und einen fast schon magischen Bann um die Zuhörer webt. Dies ist zum Beispiel in „Autumn Blues“ von der neuen CD zu spüren.

Auch das mystische „Lady of the black Bamboo“, inspiriert von der Geschichte der Marie Laveau, einer Voodoo-Queen aus Louisiana, bekommt durch Bargels Stimme die richtige Intensität. Doch Bargel und Nettekoven können auch anders. So ist „Slow moving Woman“ eine ironisch-amüsante Liebeserklärung an Bargels Frau. Zurück in die Geschichte des Blues ging es mit dem von Gitarre und Ukulele begleiteten, fröhlichen „Mississippi Blues“. Richtig Stimmung kam auf, als die beiden Musiker bei einem Song auf Instrumentenbegleitung verzichteten und stattdessen mit dem Publikum im Wechsel klatschten. Als Bargel dabei durch die Reihen ging, dürfte auch beim Letzten der Funke übergesprungen sein. Das zeigte sich im sich ständig steigernden begeisterten Applaus des Publikums. Der Titel „It‘s crap!“, zu Deutsch „Es ist Mist!“, traf auf dieses Konzert nun wirklich nicht zu.


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