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Nachricht vom 20.09.2016    

Altenpflegeschüler/innen vermissen gesellschaftliche Anerkennung

Auch im Westerwald wurden in den letzten Jahren alle Potentiale ausgeschöpft, um genug Fachkräfte für die Altenpflege zu gewinnen. Kritiker hatten davor gewarnt, dass der damit verbundene Zuwachs nicht von Dauer sein wird. Jetzt zeigt sich: erstmals nach Jahren gehen im Westerwald die Zahlen der Auszubildenden wieder spürbar zurück.

Die Schüler der Oberstufenklasse der Altenpflegeschule Westerburg. Fotos: Veranstalter

Westerburg. Dies erfuhr das Forum Soziale Gerechtigkeit bei einem Besuch in der „Fachschule für Altenpflege“ an der BBS Westerburg.

Die Gäste konnten sich in fast drei Stunden davon überzeugen, dass diese negative Entwicklung nicht an der Qualität der Schule oder der dort zu erreichenden Abschlüsse liegen kann. „Hier wird richtig innovativ und engagiert gearbeitet und die Schülerinnen und Schüler werden umfassend auf ihre gesellschaftlich so überaus wichtige berufliche Tätigkeit vorbereitet“, stellte Forumssprecher Uli Schmidt (Horbach) hinterher anerkennend fest.

Zunächst hatte die für die Fachschule zuständige Bereichsleiterin Cordula Duchêne die Gäste begrüßt und die Moderation an die Klasse 14 b der Altenpflege-Oberstufe übergeben. Die 13 Nachwuchsaltenpfleger/innen stellten eindrucksvoll die Probleme und Vorteile ihres Berufes vor. Als negativ wurden genannt: hoher Stressfaktor, schlechte Mediendarstellung, geringe gesellschaftliche Anerkennung und die finanzielle Benachteiligung gegenüber anderen anstrengenden Berufen. Von zwei Müttern, die im Alter von 37 und 43 Jahre noch drei Jahre die Schulbank drücken um als examinierte Altenpflegerin arbeiten zu können, wurde anschaulich die Doppelbelastung Kinder und Beruf dargestellt. „Die Politik muss die Rahmenbedingungen für arbeitende Mütter weiter verbessern“, forderte eine der beiden.
Erstaunlich aber: die positiven Seiten ihres künftigen Berufes waren für die meist jungen Leuten doch um ein Vielfaches größer: Genannt wurden Sichtworte wie Dankbarkeit, der schönste Job der Welt oder Spaß im Team und mit den pflegebedürftigen Menschen. Einer meinte in Bezug auf Letztere: „Ich habe ganz viele Großeltern!“.

In der Diskussion mit den Schülerinnen und Schülern stand dann die mangelnde gesellschaftliche Anerkennung ihres künftigen Berufes im Mittelpunkt. Der oft geäußerten Meinung, pflegen könne jeder auch ohne Schulbildung, wurde entschieden widersprochen. Die Gäste waren von dem Realitätssinn der Schulklasse sehr überrascht. So meinte Kreistagsmitglied Annelie Scharfenstein (Montabaur): „So können nur junge Leute handeln und reden, die voll von ihrem Beruf überzeugt sind und die aus Leidenschaft dahinter stehen“.

Beim Rundgang durch die Räume wurde die innovativ gestaltete Lernumgebung vorgestellt. Gewürdigt wurde auch, dass der Westerwaldkreis als Schulträger ein ausreichendes Budget zur Verfügung stellt.




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Der dritte Teil des Besuches bestand aus einem Gespräch der Forumsgäste mit dem Kollegium der Fachschule. Zunächst wurde von den Lehrkräften über Konzept und Entwicklungen der Altenpflegeschule informiert. Dabei fand man für den von Teamleiterin Edith Detzler vorgestellten Rückgang der Schülerzahlen in der Oberstufe innerhalb eines Jahres von 99 auf 75 Schülerinnen und Schüler keine eindeutige Erklärung. Der mögliche Verdienst der Abgänger von brutto 2.300 € wurde von allen als zu bescheiden gewertet. „So wird es schwer, genug Nachwuchs zu finden“, meinte Frank Lange vom DRK-Seniorenpark Schlossblick in Westerburg.

Gelobt wurde die Tatsache, dass über 100 Pflegeeinrichtungen Kooperationspartner der Schule sind und die Zusammenarbeit meist gut und zuverlässig funktioniert. Positiv auch die Bemühungen der Agentur für Arbeit, beispielsweise über Bildungsgutscheine, auch älteren Interessenten eine Altenpflegeausbildung zu ermöglichen. Derzeit nutzen das 46 Personen, denen ohne diese finanzielle Unterstützung der Schulbesuch nicht möglich wäre.

Abschließend wurde über die Perspektiven des Pflegeberufes diskutiert. Alle Anwesenden begrüßten die neue Landespflegekammer als große Chance, endlich eine starke Interessenvertretung für den Berufsstand zu schaffen. Als Lehrer an der Altenpflegeschule wies Wolfgang Müller darauf hin, dass dies nur gelingen kann, wenn die Kammer von möglichst allen Pflegekräften mitgetragen wird.

Einig waren sich Forums-Gäste, Schüler und Lehrkräfte in ihrer Einschätzung: Berufe von der Industrie bis zu Handwerk und Dienstleistungen werden künftig verstärkt mit guten Arbeitsbedingungen und spürbar steigenden Löhnen um die knapper werdenden jungen Menschen werben. Wenn da nicht entscheidend die Verdienstmöglichkeiten der Pflegeberufe gestärkt werden, wird es in Zeiten des sich verschärfenden demografischen Wandels viel zu wenige Pflegekräfte geben. „Da bleiben dann nur noch diejenigen übrig, die das zu hundert Prozent aus Überzeugung machen“, meinte einer der Oberstufenschüler.


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