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Nachricht vom 07.09.2016    

„Flüchtlinge erzählen“ in Kirburg

„Wir haben uns nicht getraut zu sagen, dass wir Flüchtlinge sind“, berichtet Heidrun Schäfer-Bertram, die als Fünfjährige zusammen mit ihrer Mutter und ihren beiden Geschwistern aus im Januar 1945 aus Westpreußen fliehen musste. Rainer Reeh hat als Baby nichts von seiner Flucht aus Schlesien mitbekommen. Und doch prägte diese Flucht das Leben seiner Familie.

Heidrun Schäfer-Bertram erzählt von ihrer Flucht aus Westpreußen. Fotos: Veranstalter

Kirburg. Seine Mutter empfand die Flucht in den Westen Zeit ihres Lebens als Verlust ihrer Heimat, sagt Rainer Reeh. Zwei Beispiele, die für die 14 Millionen Flüchtlinge stehen, die zwischen 1944 und 1950 aus den Ostgebieten geflohen sind. Bei der Veranstaltung „Flüchtlinge erzählen“ im Kirburger Gemeindehaus kamen rund 50 Menschen zusammen, die sich mit dem Thema Flucht heute und gestern beschäftigen wollten. Während der Berichte der Erzählenden war Betroffenheit spürbar, die Erzählende und Zuhörende empfanden, bei den persönlichen Schilderungen des Leides das Krieg und Flucht über die Menschen brachten. Rund zwei Millionen Deutsche starben auf der Flucht durch Gewalt, Kälte, Hunger, Erschöpfung und Krankheit zum Ende des zweiten Weltkriegs.

70 Jahre später erleben die Syrer Ali Osman, Yihla Arab und Moawia Alderi mit ihren Familien ein ähnliches Schicksal. Auch sie mussten ihre Heimat verlassen, so wie 4,9 Millionen weitere Syrer, die bis heute aus ihrem Land vor Krieg und Terror geflohen sind. Osman erzählte von seiner Flucht mit seiner Frau und den drei kleinen Kindern. Eine beschwerliche Überfahrt über die Türkei mit einem Boot nach Griechenland. Von dort teils zu Fuß und per Bahn über Mazedonien, Serbien, Ungarn nach Österreich und schließlich nach Deutschland. „Oft gab es nur wenig oder gar nichts zu essen und die Kinder hatten Angst“, berichtete er. Auf der Balkanroute verlief auch die Flucht von Arab mit Frau und Sohn. Heute hat er Angst um seine beiden Töchter, die mit ihren Familien noch in Aleppo leben.




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Zu der Veranstaltung „Flüchtlinge erzählen“ hatte die Evangelische Kirchengemeinde Kirburg im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „Eine Welt eingeladen“. „Integration geschieht nicht von heute auf morgen. Es braucht Zeit“, zieht ein älterer Teilnehmer, der selbst als Siebenjähriger flüchten musste, ein Fazit des gemeinsamen Abends. Er habe erlebt, wie lange es dauerte, bis die Heimatvertriebenen integriert wurden. Einige von den Gästen, die damals selbst Flüchtlinge waren, sind heute ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit tätig. Sie berichteten, dass Vorurteile gegenüber den Flüchtlingen abgebaut werden, wenn man sich gegenseitig wohlwollend wahrnehme.

Als kommende Veranstaltung im Rahmen der Reformationsdekade unter dem Jahresthema „Eine Welt“ lädt die Evangelische Kirchengemeinde Kirburg zum Konzert mit der A-capella-Gruppe „UNDIVIDED“ am 11.September um 18 Uhr in der Evangelische Kirche Kirburg ein. (shg)


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