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Nachricht vom 10.08.2016    

Neunkhausen: Windräder und kein Ende?

Am 8. August wurde ins Bürgerhaus Neunkhausen zur Gemeinderatssitzung eingeladen. Es sollte unter anderem beraten werden über die Kündigung von Gestattungsverträgen zur Verpachtung von Flächen zur Windkraftnutzung in Neunkhausen und den Entwurf des regionalen Raumordnungsplanes mit den einzig verbliebenen Flächen rund um Neunkhausen und den angrenzenden Dörfern im Norden der Verbandsgemeinde Bad Marienberg.

Demonstration gegen Windräder bei Neunkhausen. Foto: privat

Neunkhausen. Zu dem heiklen Thema Windräder im Wald von Neunkhausen und Umgebung waren trotz Ferienzeit neben einheimischem Publikum aus Neunkhausen und angrenzenden Dörfern viele Bürgerinitiativen zu einer Demonstrationsveranstaltung gegen Windkraft vor dem Bürgerhaus gekommen. Neben Neunkhausener Bürgerinnen und Bürger waren auch viele benachbarte Gruppierungen aus Mörlen, Elkenroth und dem Gebhardshainer Land, aus Westerburg und auch dem Sieg- und Hellertal sowie dem Wildenburger Land vertreten. Sie alle gehören dem Bündnis „Energiewende für Mensch und Natur e.V.“ Rheinland-Pfalz an, in dem sich landesweit mittlerweile weit mehr als 50 Bürgerinitiativen gegen den weiteren unkontrollierten Ausbau der Windkraft zusammengeschlossen haben.

Hauptkritikpunkte an den aktuellen Ausbauplänen waren vor allem der von der Landesregierung geplante, viel zu geringe Abstand zur Wohnbebauung (minimal nur 1100 Meter Abstand, für Außengehöfte teilweise sogar nur 600 Meter für mittlerweile über 200 Meter hohe Windindustrieanlagen), sowie die – gemessen an der Naturzerstörung der mittlerweile bundesweit fast 26000 installierten Anlagen - viel zu geringe Effektivität: Typischerweise erzeugen auch neuere Anlagen – sofern der Wind überhaupt stark genug weht – in unseren Lagen sehr oft weniger als zehn Prozent Strom von dem was maximal möglich wäre. Im Mittel wird dabei von diesen Anlagen sehr oft nicht mehr Leistung erzeugt, wie sie ein bis zwei größeren PKW-Motoren entspricht.

Neben knapp 100 Demonstranten war auch der Naturschützer Harry Neumann von der Naturschutzinitiative vor Ort dabei. Mit Besorgnis sieht er, wie die Windindustrie unser schönes und erhaltenswertes Naturland Deutschland und hier vor allem unsere Wälder bisher praktisch unkontrolliert mit immer mehr Windenergieanlagen zupflastert. Einzigartige Naturlandschaften werden zerstört, die Ruhe des Waldes und seiner (Wildtier-)Bewohner, aber auch der vor allem ländlichen Regionen und Dörfer ist Vergangenheit.

Sofern die bestehenden Pachtverträgen zur Windkraft in Neunkhausen umgesetzt werden, werden hier – wie vielfach auch an anderen Stellen - Tatsachen für die Bevölkerung für mehr als die nächsten 30 Jahre geschaffen, ohne dass sich irgend jemand ernsthaft Gedanken darüber macht, wie Menschen und Tiere in unmittelbarer Nähe neben den alles überragenden immer höher werdenden Anlagen leben werden oder sollen. Viele Menschen, die ehemals für die Energiewende mit Windindustrieanlagen waren und jetzt diese Industrie-Anlagen in unmittelbarer Nähe um ihre Häuser haben, klagen sehr stark über die Auswirkungen der Geräusche und den Schlagschatten. Ärzte und Wissenschaftler fordern deshalb unabhängige Untersuchungen über Infraschall, der von den Anlagen ausgeht und der für viele Herz- und Kreislaufkranke, für psychisch angegriffene Menschen zu weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen wird.

Aus diesem Grund stellte die Fraktion " Farbe für Neunkhausen" in der Sitzung den Antrag, den seit drei Jahren unverändert bestehenden Pachtvertrag nunmehr zu kündigen. Aus Sicht der Fraktion sind solche Verträge derzeit nicht sinnvoll, zunächst sollten Auswirkungen und auch die Sinnhaftigkeit mit entsprechenden Rahmenbedingungen geklärt werden. Trotz der Bedeutung für die Gemeinde, stellte sich auf Nachfrage der Fraktion heraus, dass nur zwei weitere Ratsmitglieder den Vertrag überhaupt gelesen hatten und vier Ratsmitglieder den Vertrag bisher noch nicht einmal gesehen hatten: Entsprechende Unterlagen waren den Ratsmitgliedern vorab nicht beigefügt worden. Trotz der vorgetragenen Bedenken wurde der Antrag auf Kündigung allerdings gegen die Stimmen der Fraktion einstimmig abgelehnt.

Im zuvor erörterten Tagesordnungspunkt „Regionaler Raumordnungsplan“ wurde bereits deutlich, dass die einzigen verbliebenen Vorrangflächen für Windindustrieanlagen in der VG Bad Marienberg rund um Neunkhausen seitens der Orts- und Verbandsgemeinde auf einem Eingabestand von mehr als zwei Jahren (aus beziehungsweise vor dem Jahre 2014) beruhen. Die Anregung der Fraktion Farbe für Neunkhausen, dass viele andere Ortsgemeinden mittlerweile sehr viel kritischer mit dem Thema Windkraft umgehen und hier die Planung nunmehr auch seitens der Ortsgemeinde Neunkhausen nochmals kritisch geprüft und hinterfragt werden sollte, fand keine Gehör beim restlichen Gemeinderat. Erneut gegen die Stimmen der Fraktion Farbe für Neunkhausen wurde vom übrigen Gemeinderat mehrheitlich und ohne weitere Diskussion einstimmig davon abgesehen, neue Anregungen zu prüfen oder abzugeben. Die vorhandene offen gelegte Planung zu den Flächen rund um Neunkhausen bleibt damit komplett ohne kritische Anmerkungen durch die Ortsgemeinde.

Mit großer Enttäuschung verließ ein Großteil der Naturschützer und Betroffenen in Neunkhausen die Gemeinderatssitzung schließlich vor dem eigentlichen Ende, mit der Überzeugung, dass hier mit Blick auf versprochene Gewinne und Pachteinnahmen für die Gemeindekasse, leichtfertig gegen den Natur- und Menschenschutz entschieden wurde. (Pressemeldung von Gabriele Füllgrabe, Farbe für Neunkhausen)


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Kommentare zu: Neunkhausen: Windräder und kein Ende?

4 Kommentare

Wie gut, Herr Joachim Barget, dass die einschlägigen FACHLEUTE, wie Professor Sterner, Stadler und auch Ämter wie das Bundesumweltamt sehr wohl der Meinung sind, dass die Windenergie sinnig ist und dem Klima nützt. Welche Fachleute sind bei einem Vortrag in Mörlen meinen ist mir unklar. Dort waren meinen Informationen zufolge nur Vertreter von Vernunftkraft u.ä..
#4 von Schnell, am 13.08.2016 um 22:23 Uhr
Noch ein kleiner Nachtrag zu meinem Kommentar. Alle Verantwortlichen, Befürworter und andere Interssierten sollten diesen Bericht lesen.
Mehr brauch man dazu nicht zu sagen. Diese Beispiele gibt es zu hauf. Ist es wirklich sinnvoll, das alles zu ognorieren?
http://www.ww-kurier.de/artikel/50247-windkraft-ja-oder-nein---ein-selbstversuch
#3 von Joachim Barget, am 12.08.2016 um 19:06 Uhr
Ich kann nicht nachvollziehen, wie man als Ratsmitglied seine Ja-Stimmt gibt für etwas von dem man gar keine Ahnung hat. Bei so einer weit reichenden Entscheidung ist es doch unverzichtbar sich über dieses Thema intensiv zu informieren. Das die meisten Ratsmitlieder den Gestattungsvertrag nicht gelesen haben bzw. ihn nicht mal vorliegen haben, ist mir unverständlich. Ist hier wirklich nur die Unwissenheit das Problem, oder ist es doch die Geldgier ohne Rücksicht auf Verluste. Vor nicht allzu langer Zeit konnte man auf einem Vortrag im benachbarten Mörlen hören, das diese Windkraftanlagen auf Grund zu schwacher Windhöfigkeit in diesem Gebiet unwirtschaftlich wären. Verkehrte Welt oder was ?? Schutz der Natur, der Tiere, der Menschen. Ist das wirklich alles egal ? Sind das die sinnvollen Vorschläge der Befürworter. Abgesehen davon, ist es nicht die Aufgabe der so genannten "Herrschaften" alternative Vorschläge zu machen. Dafür gibt es in der Politik/Wirtschaft/Forschung viele hochbezahlte "Fachleute". Ich bin sehr froh, dass es diese Menschen gibt die sich für ihre u. unsere Natur u. Umwelt so einsetzen. Mein Vorschlag wäre, die Subventionen in Speichetechnik zu investieren. Dann würde Windkraft an geeigneten Standorten schon wesentlich mehr Sinn machen.
#2 von Joachim Barget, am 12.08.2016 um 07:51 Uhr
Es wäre doch sehr zu begrüßen, wenn die dort "aufgetretenen" Herrschaften endlich mal ihrer Meinung nach sinnvolle Vorschläge machen würden, wie sie sich die Energiewende vorstellen! Energiesparen? Ja, gute Idee - aber kaum umzusetzen. Dass sieht Jeder, wenn er sich den verlauf des Energieverbrauchs der letzten Jahre ansieht!

#1 von Marvin Schnell, am 11.08.2016 um 17:46 Uhr

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