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Nachricht vom 18.07.2016    

Zeichen gegen Rechts gesetzt

Ein klares Zeichen gegen rechtsextremistische Tendenzen im Westerwald, insbesondere im Raum Rennerod, setzte eine Fachtagung des neugegründeten “Bündnis Offensiv“ in der Westerwaldhalle Rennerod mit Präses Dr. Ulrich Oelschläger. Der Einladung zu der Tagung waren rund 60 Teilnehmer gefolgt.

Präses Dr. Ulrich Oelschläger spricht in Rennerod über die Rolle der christlichen Kirchen in der Politik. Fotos: Sabine Hammann-Gonschorek

Rennerod. Zu Beginn der Veranstaltung hielt der Präses der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Ulrich Oelschläger ein Impulsreferat, in dem er die aktuelle Gefahr der rechtsextremen Strömungen durch politische Gruppen analysierte und den geschichtlichen Hintergrund des Widerstandes der Kirchen gegen Rechtsextremismus in Politik und Staat aufzeigte. Er berichtete von einer Auseinandersetzung, die er selbst im März dieses Jahres mit einem AFD-Mitglied in seiner Heimatstadt Worms hatte. Der Disput habe ihn selbst noch einmal zu der Grundfrage geführt, inwieweit Kirche sich in Politik einmischen dürfe.

Er führte durch mehrere Beispiele über die Jahrhunderte der deutschen Politik aus, dass als Konsequenz aus der Historie die Kirche unbedingt dazu berufen sei, sich einzumischen, wo Menschen Unrecht geschieht. Dennoch seien Wahlempfehlungen nicht Sache und Tradition der Evangelischen Kirche. Er selbst habe die Frage eines Journalisten nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz nach einem Kirchenausschluss von AfD-Mitgliedern klar verneint. Die EKHN werde keine Menschen von Gottesdiensten und Kasualien ausschließen. Das heiße aber nicht, dass nicht einer Partei kritisch begegnet werden dürfe, die menschenverachtende oder rassistische Thesen vertrete, betonte Oelschläger. „Wir müssen gegen solches Gedankengut als Kirche Stellung beziehen. Nicht zuletzt auch deswegen, weil wir aus unserem vielfältigen Versagen im Nationalsozialismus zu lernen haben“, sagte Oelschläger. Er schloss seinen Impulsvortrag mit Blick auf die Flüchtlingsproblematik mit dem Bibelwort aus 3. Mose 19, Vers 33 folgende:“ Wenn ein Fremdling bei dir in eurem Lande wohnen wird, den sollt ihr nicht schinden. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und sollst ihn lieben wie dich selbst…“

Im Anschluss gab Antje Knieper-Wagner von der IFW Hochschule Koblenz einen Einblick in die Entstehungsursachen für menschenfeindliche Einstellungen. Sie erläuterte psychologische Begründungsmodelle von ausgrenzenden Neigungen. Sie stellte dar, dass es keineswegs einen Zusammenhang zwischen tatsächlicher Zuwanderung und Ablehnung Fremder gebe. So sei in Dresden, dem Entstehungsort von Pegida, der Ausländeranteil der Bevölkerung ganz besonders niedrig. Es entstehe lediglich bei Personen bestimmter psychologischer Dispositionen das Gefühl, selbst weniger zu bekommen, wenn andere - scheinbar ungerechtfertigt - etwas erhalten. Knieper-Wagner plädierte dafür, strukturpolitische Voraussetzungen zu schaffen, um Fremdenfeindlichkeit entgegen zu wirken. Bei Personen, die mit den Anforderungen moderner Gesellschaftsformen überfordert seien, versage häufig pädagogische Einflussnahme.



Andreas Müller von der Präventionsagentur gegen Rechtsextremismus in Rheinland-Pfalz wies in seinem Impulsvortrag darauf hin, dass der Aktionismus und die Aggressivität rechtsextremistisch begründeter Gewalttaten erheblich angestiegen seien. Er warnte vor dem Einfluss der Rechten, die sich als „Kümmerer“ scheinbar für gesellschaftlich Benachteiligte einsetzen und soziale Ängste zum Anlass nähmen, braunes Gedankengut zu säen. Im Anschluss an die Impulsvorträge wurde in drei Workshops darüber diskutiert, wie rechtsextremistischen Tendenzen im Westerwald begegnet werden könne. Das Aktionsbündnis „Rennerod OFFENsiv“ wird vom Bürgermeister der Stadt, Raimund Scharwat, dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Gerrit Müller, den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden und zahlreichen gesellschaftspolitischen Gruppen unterstützt. Am Rande der Veranstaltung hatten die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, die Landeskoordinierungsstelle „Demokratie leben“, der Deutsche Gewerkschaftsbund, Die Falken und die Pfadfindergemeinschaft St. Georg Infostände aufgebaut. (shg)


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