Werbung

Nachricht vom 05.04.2016    

Außergewöhnlicher „Crash-Kurs“ für junge Leute

Bei der Polizeidirektion Montabaur gibt es das „Projekt 25“. Es richtet sich an junge Fahrer. Rund 320 Schüler der Jahrgangsstufen elf und zwölf des Mons-Tabor Gymnasiums bekamen in einer Präventionsveranstaltung von Polizei, Rettungskräften und einem Film die Folgen von schnellem Fahren vor Augen geführt. Durch Betroffenheit soll Vernunft ausgelöst werden.

Rettungsassistent Kevin Krämer bei der Schilderung seiner Eindrücke. Fotos: Wolfgang Tischler / Video: rsmedia-tv.de

Montabaur. Junge Fahrer stellen im Straßenverkehr eine besondere Risikogruppe dar. Bei der Prävention geht die Polizeidirektion Montabaur neue Wege. Sie will Vernunft durch Betroffenheit auslösen. So ist der Titel der Veranstaltung „Crash-Kurs“ auch bewusst doppeldeutig gewählt worden. Laut Duden bedeutet Crash-Kurs: „Lehrgang, in dem der Unterrichtsstoff besonders komprimiert und in kurzer Zeit vermittelt wird.“ Crash steht aber auch für „heftiger Zusammenstoß, Unfall“.

In dem gut einstündigen Vortrag ging es um schwere Unfälle, an denen junge Fahrer beteiligt waren und diese nicht überlebt haben. Bei der Einführung erläuterte die Referentin Daniela Delzepich, dass diese Art der Prävention seit 2006 in Großbritannien praktiziert wird und dort die Unfallzahlen deutlich gesunken sind. Schon die Eingangszahlen waren erschreckend: Es kamen 2015 im Westerwald 15 Personen im Straßenverkehr ums Leben, davon waren sechs unter 25 Jahre alt. Alle Unfallverursacher waren männlich. Bei 130 Unfällen gab es Schwerverletzte, davon waren bei 45 Unfällen junge Fahrer involviert. 112 dieser Unfälle wurden von männlichen Fahrern verursacht.

„Was ihr hier seht und erlebt, habt ihr garantiert noch nicht erlebt“, sagte Daniela Delzepich, ehe sie einen Film startete. Ralf Steube hatte einen Film über mehrere tödliche Unfällen aus dem Jahr 2015 und 2016 zusammengestellt. Der Film, der die Arbeit der Rettungskräfte zeigte, machte sehr betroffen. Es wurden selbstverständlich keine Verletzten oder gar Toten gezeigt, aber allein der Gedanke, dass in den gezeigten Trümmern ein junger Mensch, starb reichte aus. Tief betroffene Gesichter und Tränen in den Augen, als in einer Szene ein Sarg von Feuerwehrleuten und Bestatter ins Bestattungsfahrzeug getragen wurde.

Anschließend an den Film berichteten betroffene Helfer ihre Eindrücke bei dem tödlichen Unfall am 20. Februar 2015 um 5.55 Uhr bei Langenhahn. Polizeikommissar Florian Schwan hatte an dem Morgen noch Dienst, der um 6.30 Uhr normalerweise enden sollte. Er schilderte sehr detailliert die Phase vom Notruf bis zum Ankommen an der Unfallstelle und dem ersten Eindruck. Seine Schilderung umfasste auch die Feststellung, dass der eingeklemmte junge Fahrer noch lebte und leicht röchelte.

Seine Kollegin Franziska Hülpert hatte bei Beginn ihrer Schicht dann die Unfallstelle mit übernommen. Sie erzählte, dass Unfallaufnahmen eine Routinearbeit der Polizei sei, aber „Todesnachrichten zu überbringen, das ist absolut das Schwerste was wir tun müssen“. Wehrleiter Patrick Schäfer von der Freiwilligen Feuerwehr Langenhahn erzählte von der Rettung und dass ihre Rettungsscheren bei dem total deformierten Fahrzeug nicht die Kraft hatten, um den Verletzten freizuschneiden und stärkeres Gerät von Westerburg angefordert werden musste.



Bei der Feuerwehr Langenhahn fährt Rettungsassistent Kevin Krämer mit. Er erzählte sachlich und nüchtern, wie die Rettungskräfte des DRK und der Notarzt versuchten das Leben der eingeklemmten Person zu retten. Die Verletzungen, die Kevin Krämer schilderte, waren derart stark, dass im Nachhinein betrachtet, die Rettungskräfte keine Chance hatten. Nach seiner detaillierten Schilderung hatten sie alles versucht, aber den Kampf nicht gewinnen können.

Als letzter Live-Berichterstatter kam Pfarrer Wilfried Steinke zu Wort. Er hatte einen großen Luftballon in der Hand, auf dem viele Zettel klebten. Er hatte vorab die Schüler gebeten einen ihrer Träume aufzuschreiben. Der Pfarrer liest vor: „Erfolg, Familie, Geld, Glück, Freizeit und einige mehr.“ Er nahm eine spitze Schere und stach damit in den Luftballon, der mit einem lauten Knall platzte. „Genauso platzten auch die Lebensträume bei dem Unfall am 20. Februar“, war aus dem Mund des Notfallseelsorgers zu hören.“ Steinke schilderte das erste Gespräch mit der Mutter des Unfallopfers, die Szenen der Beerdigung und die Nachbetreuung. In der Aula des Gymnasiums war es schon lange total still geworden und manche Tränen flossen.

Als Schlusspunkt wurden die Schülerinnen und Schüler aufgefordert, nach draußen zu gehen und sich das Unfallauto eines aktuellen tödlichen Unfalls anzuschauen. Die Betroffenheit der Schüler war nach dem Vortrag groß, wie lange es bei den einzelnen anhält, vermag keiner zu sagen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass diese Art von Prävention Erfolge erzielt.

Der Schüler Anton Klersy meinte nach der Veranstaltung gegenüber den Kurieren: „Ich fand die Darstellung sehr imposant, ich kann das Gesehene und Gehörte gut nachvollziehen. Hier wurde ein klarer Unterschied zur Fahrschule deutlich. Ich bin der Überzeugung, bei mir ist das Ziel erreicht worden.“ Seine Mitschülerin Felisa Barba Meuer ergänzte: „Mich und meine Mitschüler hat die Veranstaltung sehr berührt. Es geht einem doch sehr nahe, wie schnell ein Auto zerfleischt ist und wie schnell man sterben kann.“

Die Polizeidirektion Montabaur wird auch weitere Veranstaltungen in dieser Form durchführen. (woti)

Video zum "Projekt 25":


Jetzt Fan der WW-Kurier.de Lokalausgabe Montabaur auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
       
   


Kommentare zu: Außergewöhnlicher „Crash-Kurs“ für junge Leute

Es sind leider keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

Beliebte Artikel beim WW-Kurier


Die Fuchskaute: Der höchste Punkt im Hohen Westerwald

Für alle, die gern mal hoch hinaus wollen, bietet sich ein Ausflug zur Fuchskaute an. Mit 657 Metern findet man hier den höchsten Punkt im Westerwald. Die Fuchskaute ist kein normaler Berg, sondern wer den Ausblick dort genießt, steht auf einem erloschenen Vulkan und einem 40 Hektar großen Areal.


Corona im Westerwaldkreis: Acht Neuinfektionen, Inzidenz stabil

Das Gesundheitsamt Montabaur meldet am Freitag, 23. Juli, acht neu festgestellte Corona-Fälle seit Mittwoch. Der Westerwaldkreis verzeichnet damit aktuell laut Gesundheitsamt 26 aktiv Infizierte.


Westerwaldwetter am Wochenende – Warnung vor Gewittern

Der Freitag (23. Juli) zeigt sich noch sonnig-sommerlich. Doch das ändert sich über das Wochenende. Teilweise gibt es zwar zwischendurch am Samstag, 24. und Sonntag, 25. Juli, durchaus viel Sonne, aber insgesamt zeigt sich das Wetter wechselhaft. In der Samstagnacht muss auch mit Gewittern in der Region gerechnet werden.


Region, Artikel vom 23.07.2021

Holz-Transporter verliert Ladung

Holz-Transporter verliert Ladung

Am Donnerstagnachmittag, dem 22. Juli, kam es auf der B49 zwischen Montabaur und Neuhäusel zu einem Unfall, bei dem ein Holz-Transporter seine komplette Ladung verloren hatte. Dies sorgte für erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen im Feierabendverkehr.


Trotz Corona: Kirmesgesellschaft Hachenburg präsentiert gut durchdachte Alternative

Wie schon im vergangenen Jahr lässt auch 2021 die Corona-Pandemie eine breit aufgestellte Kirmes nicht zu. Unter strengen Auflagen darf die Kirmesgesellschaft Hachenburg e.V. immerhin einen Konzertabend und einen der beliebten Frühschoppen im Burggarten durchführen.




Aktuelle Artikel aus der Region


Wieder da: Bad Marienberger Sommerfestival 2021 kommt!

Bad Marienberg. Im vergangenen Jahr musste das Bad Marienberger Sommerfestival leider komplett ausfallen und auch in diesem ...

Corona im Westerwaldkreis: Acht Neuinfektionen, Inzidenz stabil

Montabaur. Der relevante Inzidenzwert des Kreises bleibt damit einstweilen bei 6,4 stabil (Stand: 23. Juli, 15 Uhr) und liegt ...

Westerwaldwetter am Wochenende – Warnung vor Gewittern

Region. Für Freitag, 23. Juli (2021) ist noch Hochdruckeinfluss angesagt. Hoch Dana, aktuell mit ihrem Zentrum über der nördlichen ...

Montabäurer Mären: Wandern auf den Spuren der Sagen und Mythen des Westerwalds

Montabaur. Wahrlich sagenhaft ist er, der Montabäurer Mären Wanderweg von Nentershausen nach Montabaur. Stolze 22 Kilometer ...

Krankenhaus Dierdorf/Selters: "Der Patient muss wieder in den Mittelpunkt"

Dierdorf/Selters. Vertreter des KHDS-Verwaltungsrates und der Geschäftsführung gaben Dr. Machalet einen praxisnahen Einblick. ...

Libellen in der "Hasenwiese" bei Guckheim entdeckt

Guckheim. Unter den entsprechenden Coronavorgaben war eine begrenzte Anzahl von 20 jungen und erwachsenen Libellenforschern ...

Weitere Artikel


Ute Asbach gewinnt Kleinwagen beim Gewinnsparen

Gieleroth. Sie kommt ganz unscheinbar daher, die Losnummer 04.887.046. Für Ute Asbach aus Gieleroth-Herpteroth war sie ein ...

SG Wienau/Marienhausen Halbfinalaus im Pokal

Marienhausen/Ebernhahn. Der Gastgeber aus Ebernhahn konnte früh in Führung gehen, aber die SG Wienau/Marienhausen hielt dagegen ...

Zwei Verkehrsunfälle mit zwei Verletzten

Unnau K 61. Am Montag, 4. April um 14.39 Uhr ereignete sich in der Gemarkung Unnau, Landesstraße 293 Einmündung Kreisstraße ...

Hundehalter eines kleinen toten Hundes gesucht

Müschenbach. Es handelt sich um einen Yorkshire Terrier Rüden, nicht gekennzeichnet. An dem Hund sind keinerlei äußerliche ...

Workshop zu Klimaschutzzielen der Verbandsgemeinde Hachenburg

Hachenburg. Im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ...

Abwechslungsreiche Osterfreizeit 2016

Hachenburg. Montag: Nachdem alle 25 Kinder wohlbehalten in Westernohe angekommen und die Zimmer eingerichtet waren, startete ...

Werbung