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Nachricht vom 27.10.2015    

Afa Stegskopf: ein Hochsicherheitstrakt oder ein neues Zuhause?

Eine kuriose Verwandlung von einem militärischen Sicherheitsbereich, über eine angedachte Naturschutzzone zu einem jetzt geplanten Flüchtlingslager nahe Emmerzhausen. Geblieben sind unüberwindbare Zäune und eine Vielzahl von Wachleuten, die den gesamten Stegskopfbereich dicht machen. Was sich innerhalb der Zäune abspielt bleibt für die Öffentlichkeit unsichtbar. Die Anordnung „von oben“ (wer immer das auch ist) lautet: keiner kommt rein! Außer natürlich die Firmen die dort arbeiten.

An der Bundesstraße die neuen Schilder. Fotos: Reinhard Panthel (6)

Emmerzhausen. Als das großflächige Gelände der Bundeswehr als Truppenübungsplatz diente, konnte man die verordnete militärische Sicherheitszone verstehen und auch respektieren. Auch nach dem Abzug war das gesperrte Gelände nicht betretbar und das hatte und hat bis heute Gründe.

Aber jetzt, wo demnächst hunderte oder gar tausende von Flüchtlingen hier untergebracht werden sollen, fragt man sich nach dem Grund für ein rigoroses Zutrittsverbot für jedermann. Aufnahmelager für Asylbewerber (AfA) Stegskopf ist jedenfalls breit ausgeschildert und es gibt eine Firma eines Sicherheitsunternehmens, die übt das Hausrecht aus.

Reporter der Kuriere wollten für die Leserschaft einmal nachfragen, wie weit die Ausbaumaßnahmen gelungen sind, die vor dem Einzug der Flüchtlinge anstanden. Wie weit ist die Ausstattung, wie sieht es mit den Infrastrukturen aus: Duschen, Toiletten und alles was dazu gehört. Dies wollen wir natürlich auch berichten, denn es ist ein Thema, das die Menschen der Region beschäftigt. In den Unterkünften der deutschen Soldaten gab es auch ausreichende Versorgungsleitungen für Strom, Wasser und Kanal. Aber jetzt scheint irgend etwas geschehen zu sein, das offensichtlich nicht "an die große Glocke" gehängt werden soll. Es ist zwar nur ein Gerücht, dass nach dem Abzug der Soldaten alle Versorgungsleitungen gekappt wurden, aber Beweise gibt es dafür noch nicht. Warum eine Kanalleitung vom Stegskopf in einem atemberaubenden Tempo zum Klärwerk Daaden verlegt wird, darüber kann nur spekuliert werden.

Am ersten Tor der Hauptzufahrt von der B 255 aus: „kein Eintritt“. Mit dem Hinweis auf „militärischen Sicherheitsbereich“ und eine Anweisung der „von oben“. Auf den Hinweis, dass es kein militärischer Sicherheitsbereich mehr ist und der Bitte mit dem da „oben“ (nicht erreichbar) sprechen zu können, wurde der Zutritt verwehrt. Alle sachlichen Argumente nutzten wenig. Ein neuer Versuch an dem Tor, das man von Emmerzhausen aus erreicht, das gleiche Spiel. Anordnung: Keiner darf hier rein, ohne weitere Begründung. Aber sichtbar wurde das, was man vermutet: „Hier wird fleißig gebaggert!“

„Fotografieren verboten!“, auf Schildern aus der Militärzeit und jetzt noch zusätzlich vom Wachpersonal mündlich vorgetragen. Ohne Angabe von Gründen. Will man so die Menschen rundum mitnehmen auf die Westerwälder Willkommenskultur? In Daaden wird am 9. November eine Versammlung der vielen ehrenamtlichen Personen stattfinden, die für ein Willkommen und für die notwendige menschliche Aufnahme der Kinder, Frauen und Männer sorgen will. Ob die Leute dann mehr zum Sachstand erfahren? Wir werden diesen Termin auch besetzen.



Wer nun glaubte, die nächste Sitzung des Kreisausschusses am 2. November würde im öffentlichen Teil einen Sachstandsbericht zum Stegskopf und zur Flüchtlingssituation im Kreis Altenkirchen von Seiten der Kreisverwaltung Altenkirchen hören und veröffentlichen dürfen, der irrt. Dieses Thema steht im nicht öffentlichen Teil auf der Tagesordnung.
(repa/hws)

Kommentar
Ob diese Politik der "Nicht-Information" der Öffentlichkeit vor Ort sinnvoll ist, mögen andere entscheiden. Derzeit überschlagen sich aus allen Fraktionen der politischen Parteien die Pressemeldungen zu irgendwelchen Wahlkampfauftritten in der Region. Aber eine klare Auskunft zu den brennenden Themen, die für die Menschen/Wähler hier wichtig sind - Fehlanzeige. Eine Kundgebung in Bad Marienberg gegen den aufkeimenden Fremdenhass reicht nicht aus.

Die Menschen wollen wissen, was im ehemaligen Lager geschieht, wann und wie viele Menschen kommen, wer die neuen Infrastrukturmaßnahmen bezahlt und wie die Versorgung aussehen wird. Spekulationen über vieles was dort geschieht schießen ins Kraut. Unsere Redaktion erreichen diese Fragen, auf die wir gerne Antworten geben würden. Aber das ist leider nicht möglich, wie man sieht. Das eine solche Informationspolitik Misstrauen und Gerüchte nur noch kräftiger schürt und den "Rechten" die Argumente geradezu in die Hände spielt - das sollten sogar Politiker begreifen. Egal wieviel sie derzeit mit dem Wahlkampf zu tun haben. Es ist sicher richtig und sinnvoll das angesichts von mehr als 800 Anschlägen auf Asylbewerberheime die Sicherheit groß geschrieben wird, das rechtfertigt aber nicht die fehlende Informationen für die Öffentlichkeit. Helga Wienand-Schmidt


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Kommentare zu: Afa Stegskopf: ein Hochsicherheitstrakt oder ein neues Zuhause?

4 Kommentare

Interessante Fotos!
Die Schilder am Tor sollten im Zug der Renovierung sicher noch entfernt werden. Das Schild zum Fotografierverbot dürfte rechtlich die gleiche Wirkung haben, wie ein Schild an meinem Gartenzaun "Atomwaffenfreie Zone". Solange keine Personen erkennbar sind, gibt es keinerlei Einschränkungen. Ein Schild allein hat keine Rechtskraft. Das Schild mit dem "Schusswaffengebrauch" sollte sofort entfernt werden, nicht dass jemand auf falsche Ideen gebracht wird. Als psychologisch nicht vorgebildeter Bürger habe ich Bedenken gegen das dritte (Schild) Foto. Für kriegsbedingte psychische Erkrankungen hat so ein Hinweis sicher den gleichen Effekt, wie Nusskuchen für Allergiker.
#4 von Jürgen Wolfgang Mäuer, am 28.10.2015 um 20:17 Uhr
Wittert die Lokalpresse etwa eine große Verschwörung? "Keiner darf hier rein, ohne weitere Begründung." Ein völlig normaler und legitimer Vorgang. Das Areal dient schließlich der Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen und ist kein Zoo oder Volksfest. In meinem Garten möchte ich auch nicht die Presse umherpilgern sehen. Vielleicht richten Sie einfach Ihre ganz konkreten Fragen, die Sie durch die Inaugenscheinnahme des Geländes beantwortet haben wollten, um die Öffentlichkeit zu informieren, an den Landkreis oder das zuständige Ministerium? Das könnte helfen.

Den Truppenübungsplatz habe ich als Wehrpflichtiger kennen lernen "dürfen" und kann daher bestätigen, dass eine Anpassung der Infrastruktur für die Unterbringung von bis zu 5000 Menschen ausgehend von meiner laienhaften Expertise zwingend erforderlich erscheint.


#3 von Christian Brenner, am 28.10.2015 um 15:07 Uhr
Deutschland hat 2009 auch die UN-Behindertenrechtskonvention( UN-BRK) ratifiziert
Darum:
Bei Flüchtlingen Menschen mit Behinderungen nicht vergessen!
https://www.bizeps.or.at/news.php?nr=15968

Auf meine heutige Anfrage bei dem Behindertenbeauftragten und Abteilungsleiter des Kreises Altenkirchen erhielt ich nur die lapidare Antwor: "zu der Frage, wieviele behinderte Menschen sich unter den Flüchtlingen befinden, kann derzeit niemand konkrete Angaben machen"
Wie dann die "Mindestnormen für die Aufnahme von Asylbewerbern in den Mitgliedstaaten" einhalten werden, konnte mir auch keine inhaltliche Auskunft erteilt werden.
"Für Schwangere, Minderjährige, Geisteskranke, Behinderte, Opfer von Vergewaltigung und sonstigen Formen von Gewalt ist die jeweils erforderliche medizinische und psychologische Betreuung sicherzustellen. ....
Besondere Bestimmungen
Die Mitgliedstaaten sind gehalten, Minderjährigen, Behinderten, alten Menschen und Opfern von Diskriminierung und Ausbeutung besondere Aufmerksamkeit zu schenken."
http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=URISERV:l33150

Wie will der Kreis Altenkirchen diesen Bestimmungen gerecht werden, wenn darauf verzichtet wird, diesen Personenkreis überhaupt zahlenmäßig zu erfassen?


#2 von Manfred Wolter, am 28.10.2015 um 06:29 Uhr
Warum dort in Windeseile gebaggert und Versorgungsleitungen gelegt werden, liegt doch auf der Hand. Die derzeitige Infrastruktur ist angesichts der sich doch ganz offensichtlich ergebenden Entwicklung unterdimensioniert.Angesichts von ca. 10000 Flüchtlingen, die derzeit täglich nach Deutschland kommen, muss man natürlich einen Plan "B" haben bzw. vorbereiten.
Es wird Vorsorge getroffen für weitere Flüchtling, d.h. über die bisher genannten 5000 hinaus. Durch Container und Zelte kann dann innerhalb kurzer Zeit auf 10000 aufgestockt werden, wenn die Infrastruktur vorhanden ist. Die wird jetzt geschaffen.
#1 von Volker Kaduk, am 27.10.2015 um 18:48 Uhr

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