Werbung

Nachricht vom 08.10.2015    

Bürger werden über die Erstaufnahmeeinrichtung informiert

Am Mittwoch, 7. Oktober gab es im und um das Bürgerhaus in Daaden eine Informationsabend für die Bürger zur geplanten Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Gelände des früheren Truppenübungsplatzes Stegskopf. 1500 Menschen sollen hier untergebracht werden.

Foto: Julia Heinz

Daaden. Der Andrang war - wie man bei einem so wichtigen Thema eigentlich erwarten hätte können - groß gewesen. So groß, dass die Räumlichkeiten des Bürgerhauses (Flure und Treppen mit eingeschlossen) überhaupt nicht ausreichten. Zu der Enge und dem Gedränge, das jedoch sehr beispielhaft ablief, kam das Warten auf die Veranstaltung hinzu, da sich Irene Alt und Detlef Placzek, da sie im Stau standen, verspäteten. Durch Lautsprecher konnten -als schließlich begonnen wurde, auch die draußen stehende Menschenmenge über die neue Flüchtlingssituation informiert werden, jedoch war es ihnen somit unmöglich selbst Fragen an die Redner zu richten.


Detlef Placzek, Flüchtlingskoordinator des Landes, erklärte den Bürgern, dass er das Problem habe, dass er nicht wisse, wo er die vielen Flüchtlinge unterbringen solle. In Daaden auf dem Stegskopf ist jedoch viel Platz. Schließlich habe er sich als Ziel gesetzt, dass jeder Flüchtling, der nach Rheinland-Pfalz kommt, auch ein Dach über dem Kopf haben soll. Daher möchte er jede Möglichkeit nutzen, um dies zu erreichen. Außerdem äußerte er den Wunsch eine Willkommenskultur zu schaffen.

Integrationsministerin Irene Alt erklärte, dass die ersten 500 Flüchtlinge noch im Oktober auf den Stegskopf einziehen werden. Die nächsten 1000 Menschen folgen dann bis Ende dieses Jahres. Es gibt jedoch derzeit noch kein warmes Wasser auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz, berichtete Placzek. Die Kapazität auf dem Stegskopf wäre mit 5000 Flüchtlingen ausgelastet, ob es dazu kommen wird, wisse man noch nicht, fügte er hinzu.

Alt versicherte den Bürgern, dass es ein kompetentes Team geben wird, das sich um die neue Flüchtlingssituation kümmert. Es wird unter anderem einen Sicherheitsdienst und eine Gesundheitsversorgung auf dem Stegskopf geben. Dies wird ohne Beeinträchtigung der ärztlichen Versorgung im Kreis Altenkirchen sowie der Arbeit der Polizei geschehen, beteuerten Landesministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler und Polizeidirektor Christoph Semmelrogge, da die Flüchtlinge teilweise von Ärzten aus dem Ruhestand versorgt werden und die Polizei ihr Personal aufgrund der neuen Situation aufgestockt hat.

Als das Publikum die Gelegenheit hatte den Rednern Fragen zu stellen, wurde ersichtlich, dass die Bürger aus Daaden und Umgebung vor möglichen Einbrüchen, Diebstahl, Gewalt und Vergewaltigung die größte Angst haben. Semmelrogge hielt diese Sorgen jedoch nicht für begründet. Es wird zwar Streitigkeiten und Unruhen geben, diese werden aber händelbar sein und sind völlig unproblematisch. „Ein perfektes Sicherheitssystem gibt es nicht, aber das darf uns nicht hindern, zu helfen.“, betonte er. Zudem wird es eine Erstaufnahmestelle sein, das heißt, dass die Flüchtlinge auch erst einmal erschöpft und auf sich bezogen sind. Sie müssen Anträge stellen und sich orientieren, beteuerte Astrid Becker, daher werden sie das Gelände auf dem Stegskopf auch nicht unbedingt verlassen wollen.



Es wurde auch angefragt, an wen man sich wenden kann, um mithelfen zu können. Ansprechpartner wäre vor allem das Deutsche Rote Kreuz, erklärte Alt. Man könne natürlich auch selbständig ehrenamtliche Initiativen gründen, fügte sie hinzu. (jkh)





Kommentar:

Meine persönliche Meinung zum Informationsabend ist die Folgende: Den Politikern und den anderen Rednern fehlte es an diesem Abend an Feingefühl für die Sorgen und Ängste der Bürger und Bürgerinnen. Diese waren gekommen, um über eben jene Sorgen und Ängste zu sprechen und sie kamen in der Hoffnung gestärkt aus der Veranstaltung gehen zu können. Dass sie im Hintergedanken haben: „Wir können das schaffen!“.

Nach meiner Meinung konnte dies an diesem Abend jedoch nicht zufriedenstellend erreicht werden. Die Redner sprachen vor allem allgemein über die Flüchtlingssituation in Deutschland und in Rheinland-Pfalz. Wer jedoch Nachrichten sieht und Zeitung liest, weiß was Stand der Dinge ist. Die zukünftige Situation auf dem Stegskopf wurde jedoch in den meisten Reden mit lediglich ein paar Sätzen gewürdigt (Eine Ausnahme bildete die Rede von Frau Bätzing-Lichtenthäler, wo detailliert die Gesundheitsversorgung erläutert wurde). Wie es in Zukunft auf dem Stegskopf zugehen wird und worauf sich die Bürger und Bürgerinnen einstellen müssen, wurde nur teilweise, besonders jedoch als man zu den Fragen des Publikums überging, thematisiert. Viele wichtige Punkte -allein wie die Versorgung mit Lebensmitteln für die Flüchtlinge auf dem abgelegenen Stegskopf aussehen wird- wurden gar nicht behandelt.

Ich hätte mir gewünscht, dass alles rund um das Thema Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Stegskopf offen und ehrlich dargelegt worden wäre. Auch die Tatsache, dass eventuell bis zu 5000 Flüchtlinge auf dem Gelände unterkommen werden, hätte man direkt ansprechen sollen. Dann wissen die Bürger und Bürgerinnen wenigstens was auf sie zukommen wird.

Zu kritisieren ist überdies auch, dass durch die Methode des Fragensammelns, zwar ausufernde Diskussionen vermieden werden konnten, damit mehr Menschen die Gelegenheit hatten ihre Frage zu stellen, jedoch es dadurch öfters vorkam, dass einige Fragen übergangen wurden. Dies erzeugte wiederum den Eindruck, dass die Redner um die Anliegen der Fragenden „drum herum redeten“, was wahrscheinlich gar nicht die Absicht gewesen war.
Daher wäre es doch besser gewesen, wenn auf jede Frage direkt eingegangen worden wäre.

Auch wenn die Veranstaltung nicht ganz wie erhofft verlief, hoffe ich inständig, dass mit viel Optimismus, Selbstbewusstsein und Offenheit an die neue Situation herangegangen wird.
Julia Heinz


Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Daaden-Herdorf auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
   


Kommentare zu: Bürger werden über die Erstaufnahmeeinrichtung informiert

2 Kommentare

Es geht nicht um Ängste. Es geht einfach nur um Menschlichkeit und Menschen in einer schwierigen Situation zu Hilfe zu kommen. Wenn man sich erst angefreundet hat, werden auch die daadener merken, dass nur multikulturell wirklich cool ist!
#2 von Malte eunicke, am 16.10.2015 um 08:50 Uhr
Diese "Bürgerversammlung" wird wohl so verlaufen sein wie anderorts auch, leider nicht im Sinne der Menschen die besorgt oder verängstigt sind°! Ich denke mal das ganz schnell doch bis zu 5000 Menschen untergebracht werden!
#1 von Ferdinand Larenberg, am 09.10.2015 um 08:00 Uhr

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

Beliebte Artikel beim WW-Kurier


Region, Artikel vom 13.06.2021

Die Ludolfs: Hurra, sie leben noch!

Die Ludolfs: Hurra, sie leben noch!

Man hat lange nichts mehr von den Ludolfs gehört, obwohl sie zu den bekanntesten Söhnen des Westerwalds gehörten. Anfang des neuen Jahrtausends wurden sie durch Zufall vom SWR-Fernsehen auf ihrem Schrottplatz in Dernbach bei Dierdorf entdeckt.


Corona im Westerwaldkreis: Zweiter Tag in Folge keine Neuinfektionen

Das Gesundheitsamt Montabaur meldet am Dienstag, den 15. Juni 7.407 (+0) bestätigte Corona-Fälle. Der Westerwaldkreis verzeichnet aktuell laut Gesundheitsamt 110 aktiv Infizierte.


Corona im Westerwaldkreis: Am Montag keine Neuinfektionen

Das Gesundheitsamt Montabaur meldet am Montag, den 14. Juni 7.407 (+0) bestätigte Corona-Fälle. Der Westerwaldkreis verzeichnet aktuell laut Gesundheitsamt 122 aktiv Infizierte.


Ökosystem maßgeblich gestört - Schwarzgrünes Wasser in der Nister

VIDEO | Weite Strecken der Nister sind dort, wo die Kinder früher noch zum Baden und Planschen hinein gesprungen sind, nur noch tote Brühe. Die Selbstreinigung funktioniert nicht mehr ohne das komplexe Ökosystem unter Wasser. Die "ARGE" Nister setzt Hoffnungen in eine erste gezüchtete Muschelkolonie.


Rad- und Wanderweg im Gelbachtal gesperrt ab 21. Juni

Am Montag, dem 21. Juni 2021, wird der kombinierte Rad- und Wanderweg im Gelbachtal für zwei Wochen gesperrt. Betroffen ist der Abschnitt zwischen der Ahrbachbrücke bei Montabaur-Wirzenborn und der Einmündung zum Eisenbachtal unterhalb von Montabaur-Reckenthal.




Aktuelle Artikel aus der Region


Familiengottesdienste im Freien: „Aus Klein wird Groß“

Montabaur. „Aus Klein wird Groß“ – unter diesem fröhlichen und hoffnungsvollen Motto hat das Team um Pastoralreferentin Inge ...

Wassererlebnispfad Hachenburg: Themen-Wanderung rund ums Wasser bei Alpenrod

Hachenburg. Start und Ziel der abwechslungsreichen Rundwanderung ist die Hachenburger Erlebnisbrauerei, von welcher aus der ...

Neue Wehrführung für den Löschzug Hachenburg

Hachenburg. Für das Amt des Wehrführers wurden mit Jörg Alt und Thomas Lück zwei gut ausgebildete und qualifizierte Feuerwehrmänner ...

Neues Kooperationsprojekt: Rundweg Kannenbäckerland-Marathon

Höhr-Grenzhausen/Ransbach-Baumbach/ Wirges. Zu den Rundwegen gehören zum Beispiel der „Brexbachschluchtweg“ (16 km) oder ...

Neue Pröpstin ermutigt Wäller Christen zu klaren Worten

Montabaur. In der Kreisstadt gestaltete sie gemeinsam mit der Montabauer Pfarrerin Anne Pollmächer einen sonnigen Gottesdienst ...

Corona im Westerwaldkreis: Zweiter Tag in Folge keine Neuinfektionen

Montabaur. Der relevante Inzidenzwert RKI des Kreises liegt bei
Dienstag, 15. Juni 27,7
Montag, 14. Juni 29,2
Sonntag, ...

Weitere Artikel


Im Zentrum des Handwerks angekommen

Region. Kurt Krautscheid, Präsident der Handwerkskammer (HwK) Koblenz, wurde mit 106 von 117 Stimmen ins Präsidium des Zentralverbands ...

Neuer Schulleiter des Evangelischen Gymnasiums Bad Marienberg

Bad Marienberg. In ihrer Predigt sprach Puttkammer über den Bibeltext aus Jesaja 31, Vers 5 „Der Herr Zebaoth wird Jerusalem ...

Wirges feiert Westerwälder Apfeltag und Stadtfest

Wirges. Der Apfel gehört zum Westerwald wie die Tonerde, der Basalt und der Wind. Das heißt: Sich stark machen für den Erhalt ...

PKW-Fahrer kommt von Straße ab und wird schwer verletzt

Selters. Der männliche Fahrer eines PKW kam am Mittwochabend aus bisher ungeklärter Ursache auf der Landesstraße von Ellenhausen ...

Kunstauktion zugunsten des Hospizvereins Westerwald

Ransbach-Baumbach. Die Hospiz-Bewegung im Westerwald findet breite Zustimmung. Sie erfasst Firmen, Kirchengemeinden und Privatpersonen. ...

Edgar Deichmann einstimmig wiedergewählt

Sessenhausen. Im Beisein von MdL Ralf Seekatz dankte der alte und neue Vorsitzende Edgar Deichmann dem bisherigen Vorstand ...

Werbung