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Nachricht vom 25.02.2015    

Höchstenbacherin lernte in Afrika ihre Grenzen kennen

Jenny Martini sammelte in Kamerun wichtige Erfahrungen als Krankenschwester. Zunächst fast ganz auf sich allein gestellt, dann mit einem gebrochenen Fuß, lernte die junge Frau das Land Kamerun kennen und lieben. Sie will sogar wieder dorthin zurückkehren, vielleicht sogar für immer.

Jenny Martini in Kamerun. Foto: privat.

Höchstenbach. So ganz versteht Jenny Martini aus Höchstenbach immer noch nicht, was für eine erlebnisreiche Zeit hinter ihr liegt. Ein Jahr lang war die ehemalige Jugendvertreterin des Evangelischen Dekanats Selters und Mitarbeiterin der Höchstenbacher Kirchengemeinde als Krankenschwester in Kamerun: als „Missionarin auf Zeit“; beauftragt von den katholischen Pallottinerinnen. Ein Jahr, in dem sie in einem Dorf nahe der Hauptstadt Yaounde nicht nur in eine völlig andere Welt eintaucht. Sondern in dem sie oft bis an ihre Grenzen und darüber hinaus geht.

Als die junge Frau August 2013 ins Abenteuer aufbricht, glaubt sie zu wissen, was sie erwartet. Doch gleich am Anfang ihrer Zeit in Afrika erlebt sie die erste Überraschung: „Ich dachte, dass ich in eine große Gruppe von Schwestern eingebunden bin. Tatsächlich waren eine andere Freiwillige und ich von Anfang an komplett auf uns alleine gestellt.“ Kein leichter Start einer Reise, die nach wenigen Wochen fast schon wieder zu Ende ist. Denn Jenny Martini bricht sich ihren Fuß, als sie ausgerechnet vor dem Gebäude der Weltgesundheitsorganisation in ein Schlagloch tritt. Der Bruch wird zunächst nicht erkannt, und als er nach mehr als drei Wochen endlich diagnostiziert und operiert wird, gibt es Komplikationen bei der Anästhesie. „Letztendlich hat es zwei Monate gedauert, bis ich wieder gesund war. Meine Organisation wollte mich sogar ausfliegen“, erzählt sie.

Aber Jenny Martini bleibt. Nicht nur, weil sie die Dinge zu Ende bringt, die sie beginnt. Sondern weil sie sich – trotz des holprigen Reiseantritts – in das Land verliebt hat. „Es gibt in Kamerun viele Vorurteile gegenüber den ,Weißen', so wie es in Deutschland Vorurteile gegenüber Afrikanern gibt. Aber ich habe etliche Menschen kennengelernt, denen die Hautfarbe egal ist und mit denen ich tiefe Freundschaften geschlossen habe. Für die Kameruner ist das Zwischenmenschliche wichtiger als die Arbeit“, sagt die Höchstenbacherin. „Sie halten zusammen; helfen sich aus, wenn jemand in Schwierigkeiten steckt.“

Natürlich sei die Ausbildung in Deutschland besser, und die Arbeitslosigkeit ist dort viel höher als hier, erzählt Jenny Martini. „Aber die Menschen verlieren ihren Lebensmut nicht und definieren sich nicht über Statussymbole, sondern ziehen ihre Kraft aus der Gemeinschaft.“ Eine Gemeinschaft, die auch die deutsche Krankenschwester schätzen und lieben gelernt hat. „Die Leute haben ihr Leben mit mir geteilt. Und ich habe viel gelacht – mehr als in Deutschland in den vergangenen drei Jahren.“

Auch, wenn ihr nicht immer nach Lachen zumute ist. Nicht wegen des Heimwehs, das ihr eigentlich nur an Weihnachten zu schaffen macht. Sondern weil sie mehr als einmal Grenzen überwindet. Vor allen Dingen im Beruf. Denn als Krankenschwester übernimmt Jenny Martini Aufgaben, die in Deutschland den Ärzten vorbehalten sind. „Ich hatte nur selten einen Arzt an meiner Seite und musste sehen, wie ich zurechtkam“, sagt sie und erzählt, wie sie Wunde näht, Zugänge legt oder Kinder impft. Mehr noch: Schon früh hält sie vor Patienten Vorträge über Themen wie Alkoholismus, Trinkwasser, Malaria oder Babypflege – auf Französisch, wohlgemerkt. „Das war eine harte, aber gute Schule. Dadurch, dass ich auf mich alleine gestellt war und mir viel Wissen aneignen musste, habe ich viel Selbstbewusstsein für mein Studium in Mainz getankt.“ Im Sommer geht’s in der Landeshauptstadt los. Jenny Martini blickt der Zeit völlig entspannt entgegen.
Und danach? Für Jenny Martini ist das Abenteuer Kamerun noch lange nicht vorbei. Sie plant, nach dem Studium in das Land zurückzukehren – und vielleicht sogar für immer zu bleiben. „Am liebsten irgendwo nach Limbe ans Meer“, sagt sie. „Inmitten von Natur und Ruhe.“ (bon)


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