Werbung

Nachricht vom 16.04.2014    

Pflegeexperte rückt Rolle der Kommunen in den Mittelpunkt

Dr. Jürgen Gohde, einer der anerkanntesten deutschen Pflegeexperten im Westerwald stellte in seinem Vortrag die zunehmend wichtige Rolle der Kommune für die Pflege in den Mittelpunkt.

Pflegeexperte Dr. Jürgen Gohde (Dritter vorne rechts) freute sich mit den Verantwortlichen des Ignatius-Lötschert-Hauses und des Forums Soziale Gerechtigkeit über eine lebhafte Diskussion über die Rolle der Kommunen in der künftigen Gestaltung des Pflegeangebotes im Westerwald Foto: Veranstalter

Westerwaldkreis/Horbach. „Die Zukunft der Pflege liegt in der Kommune! Also hier im Westerwald in den kleinen Städtchen und vielen Dörfern.“ Dafür müssen nach Ansicht von Dr. Jürgen Gohde als einem der anerkanntesten deutschen Pflegeexperten die Weichen künftig richtig gestellt werden. Im Ignatius-Lötschert-Haus in Horbach rückte er in seinem Vortrag: „Gute Pflege vor Ort – was jetzt zu tun ist“ die wichtige Rolle der Kommunen und den damit verbundenen Systembruch deshalb in den Mittelpunkt.

Heimleiter Bernd Eberz freute sich bei seiner Begrüßung über einen voll besetzten Saal. Für das Forum Soziale Gerechtigkeit und den Förderverein der Pflegeeinrichtung im Buchfinkenland führte Uli Schmidt in das Thema ein. „Mit der Pflegestrukturplanung hat uns das Land ein wichtiges Instrument an die Hand gegeben um ein hochwertige ambulante und stationäre Pflegelandschaft Westerwald zu gestalten“, so das Kreistagsmitglied. Deshalb sei es unverständlich und ärgerlich, dass der Entwurf des ersten „Kreispflegestrukturplanes“ kürzlich ohne jegliche Aussprache im Kreistag verabschiedet worden sei.

In einem umfassenden Vortrag beschäftigte sich Jürgen Gohde kritisch mit der aktuellen Situation und dem Reformbedarf der Pflege. Als Pfarrer und Vorsitzender des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA) ebenso wie im familiären Umfeld ist der Experte mit der Pflege sowohl praktisch auch als wissenschaftlich vertraut. Zumal er bis Ende 2011 Vorsitzender des Pflegebeirates der Bundesregierung war und noch Vorsitzender des Beirates zur Überprüfung des Pflegebedürftigkeitsbegriffes ist.

Der Referent bemängelte die gegenwärtig falschen Markt- und Systemanreize im Pflegesystem. „Diese führen nicht zu integrierten lokalen Versorgungsstrukturen und berücksichtigen unzureichend den Wunsch der Menschen auch im Westerwald nach selbständiger Lebensgestaltung“, so Gohde. Deshalb müssten die Kommunen künftig eine die Infrastruktur steuernde Rolle übernehmen. Das erfordere ein Umdenken und eine ausreichende Finanzausstattung, beispielsweise für neue Wohnformen und eine barrierefreie Gestaltung des Wohnumfeldes.



Nach Ansicht von Dr. Gohde müssen künftig alle stationären und ambulanten Angebote in der Dorfgemeinschaft (in der Fachdiskussion „Quartier“ genannt) optimal vernetzt, Nachbarn und Freunde in einen Hilfemix einbezogen sowie die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf verbessert werden. „Da immer mehr Menschen direkt oder indirekt von der richtigen Organisation der Pflegeangebote betroffen sind, ist das Thema in der Mitte der Gesellschaft angekommen, weshalb sich die Bürger auch an der Lösung der künftigen Probleme beteiligen wollen“, stellte Gohde fest.

In der anschließenden lebhaften Diskussion wurde das Problem des fehlenden Pflegepersonals angesprochen. „Wenn sich nichts ändert, fehlen bis 2030 434.000 Fachkräfte“, meinte der Referent. Heute sei der Arbeitsalltag der Pflegekräfte überwiegend durch harte Arbeit geprägt, wobei das öffentliche Ansehen jedoch nicht der gebrachten Leistung entspreche. Zudem sei der Verdienst im Vergleich zu anderen Berufsgruppen mehr als bescheiden. Wenn sich daran nichts ändere, seien auch im Westerwald junge Menschen künftig immer weniger bereit einen Pflegeberuf zu lernen.

Weitere Gesprächsthemen waren die Integration von älteren Menschen in Vereine vor Ort und die Chancen einer Aufwertung der Pflege durch Einführung einer Pflegekammer in Rheinland-Pfalz. Über Möglichkeiten der Integration von demenzkranken Menschen in einer Dorfgemeinschaft berichtete die aus Horbach stammende frühere Bundestagsabgeordnete und Sozialpolitikerin Regina Schmidt-Zadel. Claudia Ahrens, Leiterin eines Azurit-Seniorenzentrums im oberen Westerwald, formulierte Gedanken darüber, wie es künftig möglich sein kann, ein ganzes Dorf bei der Teilhabe ihrer „Alten“ einzubeziehen. Die Gerontologin Dr. Marita Blitzko-Höhner wies auf die einzige wachsende Ressource einer älter werdenden Gesellschaft hin: das ehrenamtliche Engagement der 55 bis 75 järhigen.

Zum Thema soziale Betreuung und Aktivierung im Pflegealltag meinte der Ehemann einer Bewohnerin des Ignatius-Lötschert-Hauses: „Nirgendwo fühlt sich meine Frau so wohl wie hier im Buchfinkenland“.


Lokales: Montabaur & Umgebung

Jetzt Fan der WW-Kurier.de Lokalausgabe Montabaur auf Facebook werden!


Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus der Region


Unbekannte zünden "Mon-Stiletto" Schuhskulptur in Montabaur an - Zeugen gesucht

Montabaur. Gegen 15.15 Uhr konnten Passanten beobachten, wie die "Mon-Stiletto" Skulptur, ein markantes Wahrzeichen der Stadt, ...

Verstärkte Polizeikontrollen decken Alkohol- und Drogenmissbrauch im Straßenverkehr auf

Westerwaldkreis. Nach einem Hinweis aus der Bevölkerung trafen die Beamten der Polizei am 22. April um 17.25 Uhr zwei junge ...

Rätselhafter Einbruch in Wirges: Diebe entkommen mit britischem Auto

Wirges. In den Morgenstunden des heutigen Mittwochs (24. April) zwischen 11.04 Uhr und 11.13 Uhr wurde ein Einfamilienhaus ...

Neuer Pflegegradrechner der Verbraucherzentralen hilft bei Selbsteinschätzung

Region. Leistungen der Pflegeversicherung sind nur für Personen erhältlich, die im Rahmen einer Pflegebegutachtung einen ...

Jugendliche aus sechs Ländern wandern auf Entdeckungsreise im Westerwald

Enspel. Im Herzen des malerischen Westerwalds trafen die jungen Menschen und ihre Trainer aus Norwegen, Tschechien, Polen, ...

Erfolgsgeschichte einer Paradressurreiterin: Martina Halter und "Cara mia" halten zusammen

Region. Dieses Angebot nahm Martina Halter gerne an, da sie als selbst im Parasport aktive Fachwartin des Behinderten- und ...

Weitere Artikel


Motorradfahren - Hobby genießen und unfallfrei ankommen

Region. Für Motorradfahrer beginnt im Frühjahr die schönste Jahreszeit.
Die Sonne kann nun in vollen Zügen genossen werden ...

Stimmenwunder Hanna aus Neuwied battlet am Freitag

Kuriere: Was sind deine Lieblingsfächer auf dem Werner-Heisenberg-Gymnasium?
Hanna: Deutsch und Französisch.
Kuriere: Was ...

Bauplätze im Neubaugebiet „Gleichen“ stehen zum Kauf

Selters. Der Stadtrat hat beschlossen, das Gebiet mit Straßen und Fußwegen in einem Areal für 40 Bauplätze in einem zu erschließen. ...

IHK begrüßt juristische Aufarbeitung im Fall Podzun

Sein damaliger Stellvertreter Dr. Edelbert Dold erhielt eine Verwarnung, die Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen à 115 ...

Brennende Waschmaschine löste Großalarm aus

Hundsangen. Um 17.47 Uhr wurden am Dienstag, 15. April die Feuerwehren Hundsangen, Obererbach, Wallmerod, Meudt und Westerburg ...

Baum des Jahres gepflanzt

Bad Marienberg. Seit 1989 wird in jedem Jahr ein Baum, der in Deutschland heimisch und/oder selten geworden ist, von der ...

Werbung