Werbung

Nachricht vom 03.03.2014    

Jugendkirche setzt sich für Flüchtlinge ein

Die Diktatoren sind allgegenwärtig. Nicht nur in den Nachrichten als Despoten in fremden Ländern. Sondern auch – im übertragenen Sinne – im alltäglichen Leben. Dinge, die uns im Griff haben; schlechte Angewohnheiten, Süchte, Gefühlszustände.

Raus aus der Diktatur: Die Jugendkirche des Dekanats Selters sagt "nein" zu schlechten Zwängen. In den kommenden sieben Wochen sucht sie nach Wegen, falschen Herrschern den Schrecken zu nehmen.

Westerwaldkreis. Die Jugendkirche „Way to J“ will diese Zwänge nicht mehr einfach so hinnehmen: Sie stellt ihre diesjährige Fastenaktion unter das Motto „Sieben Wochen ohne Diktatur“. Eine Aktion, die die ganz persönlichen Herrscher des Alltags entlarven möchte. Und die Menschen helfen will, die unter Diktatoren aus Fleisch und Blut leiden.

Dass das ein ehrgeiziges Ziel ist, wissen die Mitglieder der Dekanatsjugendkirche. „Natürlich können wir nicht die Welt retten. Schon gar nicht in nur sieben Wochen“, meint Jugendpfarrer Werner Schleifenbaum. Aber darum geht es ihm und den Jugendlichen auch nicht. „Wir wollen nichts verdammen, sondern uns derjenigen Dinge bewusst werden, die uns und unser Leben bestimmen. Ob's nun Banales wie das Handy, Facebook oder Whatsapp ist, oder die schlechten Gewohnheiten oder Gefühle, die unseren Alltag diktieren“, meint Schleifenbaum.

Bewusst werden heißt also nicht: sich selbst kasteien. Sondern Themen offen ansprechen und Möglichkeiten finden, wie Dingen der Schrecken genommen werden kann. „Mein Großvater war zum Beispiel starker Raucher“, erzählt Matthias Marschall. „Allerdings hat er nach einem bestimmten Erlebnis von heute auf morgen keine Zigarette mehr angerührt. Ich glaube deshalb, dass jeder Diktator unseres Lebens einen wunden Punkt hat. Etwas, das ihm die Macht nimmt. Wir wollen die sieben Wochen nutzen, um uns danach auf die Suche zu machen – mit Referaten, die wir während unserer Treffen halten, Gesprächen oder auch Gebeten.“



Allerdings wollen die Jugendlichen weder nur die inneren Diktatoren beleuchten, noch sieben Wochen lang unter sich bleiben. Ganz im Gegenteil: „Für Flüchtlinge, die unter einer wirklichen Diktatur leiden, wäre es ein Hohn, wenn wir das Thema nur im übertragenen Sinne anpacken“, sagt Werner Schleifenbaum. Viele dieser Menschen leben inzwischen im Westerwald und haben in der Vergangenheit Flucht und Unterdrückung am eigenen Leibe erlebt. „In Deutschland sind viele von ihnen völlig hilflos. Das eigentliche Ziel unserer Sieben-Wochen-Ohne-Aktion ist, diese Leute in unserer Region willkommen zu heißen und etwas für sie zu tun“, erläutert Schleifenbaum.

Ganz konkret nutzt die Jugendkirche die kommende Zeit, um Kontakt zu Flüchtlingen aufzunehmen und eine Willkommenskultur in der Region etablieren. „Wir stehen in engem Kontakt mit der Diakonie im Westerwaldkreis sowie der Landeskirche und überlegen gemeinsam, wie wir dieses Ziel umsetzen können“, sagt Schleifenbaum. „Denn die Sieben-Wochen-Ohne-Aktion soll keine Eintagsfliege werden. Wir wünschen uns, dass mittelfristig ein Pool aus Ehrenamtlichen entsteht, der Flüchtlinge begleitet. Ich bin fest davon überzeugt, dass ein solches Netzwerk möglich ist“, glaubt Schleifenbaum. „Wir wollen den Menschen zeigen, dass sie bei uns keine Angst mehr vor einer Diktatur haben müssen und sich angenommen fühlen.“ (bon)



Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus der Region


Tag der offenen Tür - Polizeidirektion Montabaur lädt ein

Montabaur. Am Sonntag, 23. Juni, lädt die Polizeidirektion Montabaur zu einem Tag der offenen Tür ein. Zwischen 13 und 18 ...

Regionale Stromunterbrechung wegen Wartungsarbeiten im Mittelrhein-Gebiet

Wallmerod/Boden/Moschheim. Die geplanten Arbeiten am Stromnetz werden auch Auswirkungen auf Hahn am See, Ettinghausen, Niederahr ...

14-Jähriger verletzt: Unfall mit Fahrerflucht auf Supermarkt-Parkplatz in Montabaur

Montabaur. Der Vorfall ereignete sich am Dienstag gegen 7.10 Uhr morgens, auf dem Parkplatz des Norma-Supermarktes in der ...

Westerwälder Rezepte - Kartoffelsalat mit Spargel

Dierdorf. Die Spargelsaison endet traditionell am 24. Juni, dem Johannistag. Kurz zuvor sinken meist die Preise für das edle ...

Ambulante Versorgung auf Rädern: Mobile Arztpraxen bald auch im Westerwald unterwegs?

Mainz. In entsprechenden Regionen kommen die Mobilen Arztpraxen zum Einsatz. Unterstützt wird das Projekt vom Ministerium ...

"Sparkassen Fair Play Soccer Tour": Stadionstimmung mit Fußballlegende René Tretschok in Betzdorf

Betzdorf. René Tretschok, ehemaliger Bundesligaspieler bei verschiedenen Vereinen, hat in seiner Fußballerkarriere in relativ ...

Weitere Artikel


Der große „Grüffelo“ kommt

Bad Marienberg. Der große Wald ist voller Gefahren. Da ist es gut, wenn man einen starken Freund hat. Und wenn man keinen ...

Benefizkonzert zum 20. Todestages von Hans Lingerhand

Montabaur. Aus Anlass seines 20. Todestages in diesem Jahr lädt nunmehr der Männergesangverein „Mendelssohn Bartholdy“ 1855 ...

Prunkvoller Rosenmontagszug in Herschbach

Herschbach. Seit der Gründung der Karnevalsgesellschaft Herschbach 1912 e.V. vor 101 Jahren, ist die Karnevalshochburg Herschbach ...

Wohnwagen geklaut und direkt in den Straßengraben gesetzt

Herschbach. Am Sonntag, dem 2. März meldete ein Verkehrsteilnehmer ein verunfalltes Wohnwagengespann auf der B 413 Höhe Einmündung ...

Fastnachtsnarr fällt beim Umzug in Guckheim vom Traktor

Guckheim: Am Samstag, 1. März, gegen 14.12 Uhr konnte ein Teilnehmer des Karneval-Umzuges von Glück im Unglück sprechen. ...

Auf Missstände am ICE-Bahnhof Montabaur hingewiesen

Montabaur. In einer schriftlichen Stellungnahme räumte die Bahn ein, dass es aufgrund des erhöhten Instandhaltungsaufwands ...

Werbung