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Nachricht vom 12.12.2013    

Im Westerwald noch zu wenig Jobs für Behinderte

Westerwaldkreis. Der Arbeitsmarkt brummt, viele sehen uns schon auf dem Weg zur Vollbeschäftigung. Aber Menschen mit einer Behinderung spüren im Westerwald wenig davon. Ihre Beschäftigungschancen sind schlecht. Auf Einladung des Forums Soziale Gerechtigkeit war jetzt ein Dutzend Experten aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen unterwegs bei drei großen Westerwälder Unternehmen.

Fotos von den Betriebsbesichtigungen.

Die Unternehmen zeichnet alle aus, dass sie auf unterschiedlichen Wegen versuchen Menschen mit einem Handicap in ihre Betriebe zu integrieren. Da die „Unternehmensrundreise“ im Rahmen der Aktionswoche der Menschen mit Behinderung der Bundesagentur für Arbeit gestartet wurde, fiel der Startschuss mit einem Fachgespräch bei der Agentur für Arbeit in Montabaur. Deren Leiterin Heike Strack wies einleitend darauf hin, der Fachkräftemangel sei bereits in der Region angekommen. Unter den Arbeitslosen in ihrem Bezirk seien die Menschen mit einer Behinderung überdurchschnittlich gut qualifiziert und dazu geeignet, auf vielen Arbeitsplätzen fachliche Lücken zu schließen

MdL Gabi Wieland (CDU) setzte sich für qualifizierte „Lotsen“ ein, um Unternehmen mit Arbeitskräftebedarf und Arbeitssuchende mit einem Handicap zusammenbringen zu können

Unter der „Reiseleitung“ von Forumssprecher Uli Schmidt (Horbach) führte die Exkursion dann zur ersten Station, der Fritz Stephan GmbH in Gackenbach. Prokurist Rainer Hafermann und Geschäftsführerin Tanja Stephan führten die Gäste zunächst in die erfolgreiche Produktion des mittelständischen und fast weltweit agierenden Herstellers von medizintechnischen Geräten ein. Im Mittelpunkt standen dort diejenigen Beschäftigten mit einem Handicap, die ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben können und im Berufsförderungswerk (BFW) Koblenz in Vallendar in einem Zweitberuf ausgebildet wurden. „Wir haben bereits 21 Absolventen des BFW erfolgreich in den Betrieb integriert“, freute sich Personalchefin Michaele Fischbach. Stephan Russ, der selbst im BFW in einem technischen Beruf umgeschult wurde und heute eine leitende Funktion in der Stephan GmbH ausübt, lobte: „Die Ausbildung im BFW war richtig gut und hat mir alle Möglichkeiten eröffnet“.

Eine ganz andere Gruppe stand bei der nächsten Station im Mittelpunkt: die Beschäftigten der “Werkstatt für Behinderte Menschen“ (WfbM), die lieber in einem normalen Unternehmen arbeiten wollen. Ein solches Unternehmen ist das LKH Kunststoffwerk in Heiligenroth. Werkleiter Jürgen Kolb und der Leiter des Prozessmanagments, Thomas Ritter, stellten zunächst das zur „Friedhelm Loh Group“ gehörende Unternehmen vor. Dagmar Theis, Leiterin der Integrationsabteilung Viweca der Caritas-Werkstätten Westerwald-Rhein-Lahn, konnte berichten, dass zurzeit vier WfbM-Beschäftigte dauerhaft auf Außenarbeitsplätzen bei der LKH arbeiten




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Dritte Station war die Jasba Mosaik GmbH in Ötzingen. Das zur Deutschen Steinzeug Cremer & Breuer AG gehörende Westerwälder Traditionsunternehmen wurde 4 Tage zuvor in Mainz von Arbeits- und Sozialminister Alexander Schweitzer mit dem „Landespreis für beispielhafte Beschäftigung schwerbehinderter Menschen 2013“ geehrt. Schnell wurde den fachkundigen Gästen klar, dass diese hohe Auszeichnung zu Recht in den Westerwald gegangen war. Personalchef Thomas Dasbach meinte „Die Qualität der Arbeit ist einfach besser, wenn unsere Kolleginnen und Kollegen zufrieden sind“. Zu diesen vielen „Zufriedenen“ gehören bei Jasba auch 22 Menschen mit einer Behinderung, was einer im Westerwald überragenden Beschäftigungsquote von 12 % entspricht.

Alle drei Betriebe klagten über zu viel unnötigen bürokratischen Aufwand und kräftezehrende Kämpfe, um die „Schwerbehinderten“ mit dem zu versorgen, was ihnen von Renten- und Krankenversicherung oder der Arbeitsagentur zusteht. Sehr unbefriedigend seien die oft sehr langatmige und zeitaufwendige Beschaffung von technischen Hilfsmitteln sowie die immer wieder zu zögerliche Vermittlung zu Fachärzten.

Für das Forum Soziale Gerechtigkeit dankte Uli Schmidt für viele informative Begegnungen und Eindrücke an diesem anstrengenden „Reisetag“: „Wir haben heute hoffentlich einen weiteren kleinen Schritt zu der Erkenntnis beigetragen, dass Behinderung kein Grund ist um Menschen im Westerwald vom Arbeitsmarkt auszuschließen“. Agenturchefin Heike Strack meinte abschließend: „Der Nachwuchs wird weniger, wir müssen uns künftig alle noch mehr anstrengen, um behinderte aber auch ältere Arbeitnehmer in die Belegschaften zu integrieren. Heute haben wir drei überzeugende Beispiele dafür gesehen, wie dies möglich ist!“

Das Forum Soziale Gerechtigkeit will im Dezember 2014 bei der dann 3. Unternehmensrundreise wieder drei beispielhafte Betriebe besuchen, die auf diesem Weg schon gut unterwegs sind. Unternehmen, die daran interessiert sind, können sich gerne schon jetzt melden per Mail unter uli@kleinkunst-mons-tabor.de.


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