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Nachricht vom 25.11.2013    

Arbeitsagentur und Jobcenter bieten Spätstartern neue Perspektiven

Region. Keine Ausbildung, geringe Qualifikation – das sind die typischen Mankos für Menschen in Betrieben, deren Beschäftigung immer auf der Kippe steht und die so gut wie keine Aufstiegsmöglichkeiten haben. Mit einem gezielten Programm für Spätstarter bieten die Agentur für Arbeit und das Jobcenter hier Abhilfe an. Ein gelungenes Beispiel zeigt, wie es geht.

Das Foto zeigt (von links): Tanja Demko, Personalleiterin der Steuler Services GmbH & Co. KG, Tobias Klemen, Assistenz der Projektleitung der Firma Steuler, Anne Schüller, Vermittlerin der Neuwieder Arbeitsagentur, und Christian Schulz, Vermittler des Arbeitgeberservices der Agentur für Arbeit Montabaur.

Die Initiative „AusBildung wird was – Spätstarter gesucht“ der Bundesagentur für Arbeit und der Jobcenter verfolgt das Ziel, jungen Erwachsenen zwischen 25 und 34 Jahren ohne Berufsabschluss eine neue Perspektive durch eine betriebliche Umschulung zu ermöglichen. Gleiches gilt für gering qualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dieses Alters, die in einem bestehenden Arbeitsverhältnis beschäftigt sind.

„Während sich durch den demografischen Wandel für qualifizierte Kräfte neue Chancen ergeben, wird eine Gruppe nicht von den aktuellen Entwicklungen profitieren: Menschen ohne Berufsabschluss“, weiß Karl-Ernst Starfeld, Leiter der Neuwieder Arbeitsagentur. „Bereits heute sind Menschen ohne eine abgeschlossene Ausbildung überproportional von (Langzeit-)Arbeitslosigkeit sowie von prekären Beschäftigungsverhältnissen und niedrigen Einkommen betroffen“, so der Agenturleiter.

Wenn nicht jetzt, wann dann? – an diesem Motto der neuen Kampagne der Arbeitsagentur Neuwied orientierte sich Tobias Klemen aus Dierdorf und nahm die Chance wahr, noch mal ganz von vorne anzufangen und die Schulbank zu drücken.

Geplant war das zunächst alles ganz anders. Klemen begann nach dem Abitur mit einem Studium der Nautik an der FH in Oldenburg. Nach dem 5. Semester fingen die ersten Probleme an. Es stand das Fachpraktikum auf dem Plan und es gelang dem Studenten nicht, einen entsprechenden Praktikumsplatz zu finden. Zudem wollte er seine Freundin heiraten und gemeinsam in deren Heimat im Landkreis Neuwied ziehen.

Als das erste Kind erwartet wurde, stand die naheliegende Entscheidung fest: Es musste zunächst einmal Geld verdient werden und ein Job her. So landete Klemen 2010 bei der Firma Steuler in Höhr-Grenzhausen und arbeitete dort als ungelernter Helfer im Magazin. Dort war er für die Wartung und Pflege der Geräte der Außenbereiche zuständig.

„Wir merkten schnell, dass Herr Klemen sehr viel Potenzial hatte. Er war motiviert, engagiert und er hatte gute Englischkenntnisse. Einen jungen Mann mit so vielen Möglichkeiten wollten wir unbedingt fördern“, erinnert sich Tanja Demko, Personalleiter der Firma Steuler.

„Wir boten ihm zunächst im Rahmen eines Großprojekts des Auslandsvertriebs ein sechsmonatiges Praktikum an, in dem er seine Fähigkeiten einbringen konnte. Die Feuerprobe bestand er mit Bravour und so legte ich ihm in einem persönlichen Gespräch meine Idee nahe, doch eine Umschulung zum Kaufmann für Groß- und Außenhandel zu beginnen“, berichtet Tanja Demko.

Die engagierte Personalchefin stand in engem Kontakt mit dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Montabaur und konnte Klemen konkrete Möglichkeiten und Perspektiven eröffnen.

Dieser Vorschlag brachte den Dierdorfer erst einmal ins Grübeln. „Ich war zunächst unsicher, denn es galt natürlich einige Bedenken auszuräumen. Hierbei spielte auch das Finanzielle eine nicht unerhebliche Rolle. Aber auch der Stress und die Tatsache, eventuell als Oldie mit 16-Jährigen die Schulbank zu drücken verunsicherten mich anfangs“, er-zählt Klemen.



„Ich ging zur Agentur für Arbeit, wo die für mich zuständige Vermittlerin Frau Schüller mir schnell das genaue weitere Vorgehen erläuterte und mir die Rahmenbedingungen erklärte. Sie nahm mir die letzten Zweifel“, so Klemen.

Zusammen mit der Ausbildungsvergütung des Arbeitgebers und der Zahlung von Arbeitslosengeld und Fahrtkosten sowie Lehrmittel durch die Arbeitsagentur war auch die Existenzsicherung gewährleistet. Im August 2011 konnte es losgehen. Tobias Klemen begann seine zweijährige Umschulung zum Groß- und Außenhandelskaufmann mit der Fachrichtung Außenhandel, die er im Juni 2013 mit gutem Ergebnis abgeschlossen hat.

Auf die Frage, ob er es wieder machen würde, antwortet der frischgebackene Kaufmann: „Auf jeden Fall! Es gibt mehr Chancen als Risiken. Für mich hat sich das auf der ganzen Linie gelohnt“.

Tanja Demko kann diese Möglichkeit jedem Arbeitgeber und jedem ungelernten Mitarbeiter nur ans Herz legen: „Es profitieren am Ende beide davon. Der Betrieb sichert sich qualifizierte Mitarbeiter mit einer starken Identifikation mit dem Unternehmen und einem breit aufgestellten Fachwissen. Der Mitarbeiter hat neben einer sicheren Perspektive natürlich auch nicht zuletzt einen finanziellen Vorteil, denn als Facharbeiter gelangt er natürlich auch in eine andere Gehaltsklasse.“

Tobias Klemen hat sich so vom ungelernten Helfer zum Sachbearbeiter im Vertrieb für wichtige Großbaustellen im In- und Ausland entwickeln können, leitet kleinere Projekte eigenverantwortlich und wird intern weiter geschult und gefördert.

Natürlich hat Klemen mit seinem Arbeitgeber aber auch großes Glück gehabt, weiß Christian Schulz, Vermittler des Arbeitgeberservices in Montabaur. „Nicht jedes Unternehmen steht einer solchen Möglichkeit so offen gegenüber und bringt von sich aus den Stein ins Rollen. Viele Arbeitgeber müssen erst davon überzeugt werden. Aber auch da sind wir nicht zuletzt durch unsere aktuelle Werbekampagne auf einem guten Weg“, so Schulz.

Nicht nur bei den Betrieben, auch bei den Mitarbeitern müssen die Kollegen der Arbeitsagentur oft Überzeugungsarbeit leisten: „Ich kann nur jedem Arbeitnehmer ohne qualifizierten Abschluss raten, einen unverbindlichen Beratungstermin bei uns zu vereinbaren. Wir können dann in Ruhe alle Optionen und Möglichkeiten erläutern“, appelliert Anne Schüller, Arbeitsvermittlerin der Neuwieder Arbeitsagentur.

Betriebe, die Interesse haben und den jungen Erwachsenen eine Chance geben möchten, können sich an ihren persönlichen Ansprechpartner beim Arbeitgeber-Service wenden oder über die kostenlose Hotline-Nummer 0800/4 5555 20 Kontakt aufnehmen.

Arbeitnehmer erhalten weitere Informationen zum Programm „AusBildung wird was – Spätstarter gesucht“ bei der Agentur für Arbeit kostenfrei unter 0800/4 5555 00. Rufen Sie einfach an – am besten heute noch, denn: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“


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