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Nachricht vom 17.09.2013    

Theologe Rainer Schmidt brillierte bei Kabarett-Abend

Er saß schon bei Markus Lanz und auf dem roten Sofa des NDR: Kabarettist Rainer Schmidt wird in Deutschland einer immer größeren Öffentlichkeit bekannt. Nun begeisterte der Tischtennisweltmeister und Theologe mit seinem Programm "Däumchen drehen. Keine Hände, keine Langeweile." gut 250 Gäste im Kulturwerk in Wissen. Im Vorprogramm heizte das Schulorchester der IGS Hamm dem Publikum schwungvoll ein.

Theologe und Kabarettist Rainer Schmidt erhielt in Wissen tosenden Applaus. Foto: Maja Wagener

Wissen. Er ist mehrfacher Olympia-Goldmedaillengewinner, Pfarrer und Buchautor, Patenonkel, Freund und Mann – und wurde ohne Unterarme und Hände geboren: In seinem Kabarettprogramm löste Rainer Schmidt bei seinem Auftritt in Wissens Kulturwerk umwerfend komisch, berührend und mit erotischen Akzenten die gesellschaftlichen Grenzen von Normalität und Behinderung auf.

Veranstaltet wurde der Abend von Christof Weller vom Hiba in Wissen, Anke Kreutz, Leiterin der Evangelischen Landjugendakademie in Altenkirchen, und Pfarrer Hans-Jürgen Volk vom Evangelischen Kirchenkreis Altenkirchen. Sie begrüßten wechselseitig die Gäste und den Kabarettisten. Das bewährte Team, das mit dem Abend eine Reihe von Veranstaltungen zum Thema Inklusion weiterführt, arbeitete hier mit Maria Bastian-Erll, Vorsitzende der Volkshochschule Wissen, und Dominik Weitershagen von Kulturwerk in Wissen zusammen.

"Das ist mein erster Auftritt mit einer Vorband," startete der Kabarettist den Abend und lobte das Schulorchester der IGS Hamm, das einen gelungenen Mix aus Klassik und Unterhaltung geboten hatte. Die Sechstklässler, die alle ihre Instrumente erst seit einem guten Jahr spielen, zeigten großes Können und viel Spaß an der Musik.

Spaß machte auch Rainer Schmidt den gut 250 Gästen des Kulturwerks. Als Zuschauer sei er nicht so gut, denn Applaudieren könne er nur, wenn zufällig ein Glatzkopf neben ihm säße, so Schmidt. Deshalb stünde er lieber auf der Bühne. Richtig so: In den folgenden zwei Stunden gab Rainer Schmidt mit Erzählungen von eigenen Erlebnissen und persönlichen Begegnungen einen vergnüglichen, manchmal nachdenklich stimmenden Einblick in sein Leben.

Im elterlichen Schlafzimmer mit Hebamme und Großmutter zur Welt gekommen, sei sein Anblick für seine Eltern erst einmal ein Schock gewesen, berichtete Schmidt: "Meine Mutter sagt bis heute, der Tag meiner Geburt sei der schlimmste ihres Lebens gewesen. Dabei habe ich mich redlich bemüht, noch schlimmere folgen zu lassen", erzählte er mit einem Augenzwinkern.
Skurrile Situationen, spannende Wortwechsel und schräge Ideen beherrschten das Programm. Ob Bockwürstchen als Fingerersatz in Handschuhen oder die Geschichte von einem Freund und einem dank starker Sehschwäche mit einem roten Ball verwechselter Hund in rotem Hundetrikot – die Gäste lachten Tränen.

Seine unbeschwerte Kindheit in einem kleinen Dorf im Bergischen Land machte Rainer Schmidt ebenso zum Thema wie Schulzeit und Studium. "Als meine Eltern mir erklärten, ich soll auf eine Sonderschule, sagte ich noch 'Wenn ihr meint, ich habe das Zeug dazu, dann gehe ich da hin." Dann der Schock: "Da waren lauter komische Kinder. Irgendwann kam ich auf die Idee: Vielleicht bist du auch so komisch?" Und schließlich die Erkenntnis: "Das sind ganz normale Kinder, wie alle anderen auch."



Tatsächlich ist der Gottesmann im Dienste der Inklusion unterwegs. Jeder Mensch hätte Dinge, die er nicht könne, so Schmidt. Dabei die Menschen dazu zu bringen, mehr auf die Stärken zu sehen und nicht auf das Fehlende – das sei ein Ziel seiner Arbeit.
Als er das Publikum fragte, welche Dinge er ohne Hände nicht könne, kamen, angefangen beim Handstand über das Zumachen der Hose bis hin zu Handball, viele Antworten zusammen. Hier erfuhren die Zuschauer auch mehr über den Titel des Abends: Als Hommage an ein Mädchen einer Grundschule, das vor Jahren auf die Frage mit "Däumchen drehen" antwortete, habe er sein Programm schließlich so genannt. Doch auch Persönliches gab der Kabarettist preis. Handball nicht, doch Völkerball habe er als Kind ganz gut gespielt, berichtete der mehrfache Tischtennisweltmeister und seine Hose könne er sich mit entsprechenden Hilfsmitteln selbstverständlich alleine an- und ausziehen.

Immer wieder bezog der Theologe auch sein Publikum mit ein. Ob Torben und Gabi, deren Namen er in einzelnen Geschichten verwendete, oder Melanie Schütz aus Niederdreisbach, die mit ihm um die Wette mit den Füßen einen Tischtennisball vom Boden hochwerfen und mit den Schultern auffangen sollte: Vor allem Zuschauerinnen waren nie sicher. Frauen hätten sich schließlich jahrelang beschwert, nicht ausreichend zu Wort zu kommen. Hier hätten sie Gelegenheit dazu, bemerkte Schmidt trocken.
Mit tosendem Applaus wurde der Kabarettist von seinem begeisterten Publikum entlassen. Anschließend zogen Rainer Schmidt und Christof Weller gemeinsam das Resümee des Abends: "Kabarett ist Kultur. Und die gehört an Orte für Kultur wie das Kulturwerk."

Nächster Termin der Veranstaltungsreihe zum Thema Inklusion ist der Informationsabend am 28. Oktober, um 19 Uhr zum Thema "Auch wir dürfen Nein sagen! Behinderung und sexualsierte Gewalt" im Kuppelsaal der Verbandsgemeinde Wissen. Interessierte sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.


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