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Nachricht vom 25.04.2013    

Wirtschaft der Region spürt Gegenwind

Wie aus der Frühjahrssitzung des Beirats der IHK-Geschäftsstelle Montabaur hervorging, erleben viele Wirtschaftsbereiche seit Beginn des Jahres eine verhaltene Marktentwicklung mit rückläufiger Auftragslage, was nicht zuletzt zu einer Unsicherheit in den weiteren Erwartungen geführt hat.

Im Rahmen der IHK-Beiratssitzung beglückwünschte Sprecher Frank Klein (links) Susanne Szczesny-Oßing, Geschäftsführende Gesellschafterin EWM HIGHTEC WELDING GmbH, Mündersbach, zu ihrer kürzlich erfolgten Wahl durch die IHK-Vollversammlung zur Vizepräsidentin der Kammer. (Foto: Heilf)

Montabaur. Anlässlich seiner Frühjahrstagung erörterte der Beirat der IHK-Geschäftsstelle Montabaur die Lage und Perspektiven der Wirtschaft im Rhein-Lahn-Kreis sowie im Westerwaldkreis für 2013. Unter der Leitung des Beiratsvorsitzenden Frank Klein stellte das Unternehmergremium eine deutliche Konjunkturabkühlung fest. Klein: „In vielen Wirtschaftsbereichen spüren wir seit Beginn des Jahres eine verhaltene Marktentwicklung. Die Auftragslage ist vielfach rückläufig, die Verbraucher zurückhaltend und die weiteren Erwartungen von Unsicherheit geprägt.“

Langer Winter problematisch
Die 19 Wirtschaftsvertreter aus beiden Landkreisen im Beirat der IHK-Geschäftsstelle Montabaur berichteten übereinstimmend von einer auffällig rückläufigen Umsatzentwicklung im ersten Quartal. Neben der Verunsicherung von Investoren und Verbrauchern hinsichtlich der weiteren konjunkturellen Entwicklung in der Binnen- wie auch Außenwirtschaft habe vielen Unternehmen unterschiedlicher Branchen „der lange und harte Winter im wahrsten Sinne des Wortes einen Strich durch die Rechnung gemacht“, so der Beirat. Darunter litten neben dem Bausektor und verwandten Branchen die Investitionsgüterindustrie, der Baustoffhandel, der Textileinzelhandel, die Gastronomie und die Tourismuswirtschaft. Im Handel seien vielfach die Lager mit Saisonware gefüllt. Gleichzeitig werde die Zeit für deren Absatz immer knapper, was den Druck auf die Preise erhöhe.

Märkte in Südeuropa eingebrochen
Im Außenhandel sei der Einbruch der Märkte in Südeuropa ebenfalls sehr deutlich spürbar. Es sei nicht zu erwarten, dass Griechenland, Italien, Portugal und Spanien schnell wieder auf die Beine kämen. Im industrienahen Dienstleistungsbereich gebe es nicht wenige Unternehmen, die verstärkt ihre Aufträge außerhalb der Region Richtung Rhein-Main-Gebiet, Rhein-Ruhr und darüber hinaus finden müssten, um die derzeitige Flaute ausgleichen zu können. Nach Auffassung des Beirats bedeutet dies vielfach eine noch intensivere Konfrontation mit dem Verdrängungswettbewerb. Im weiteren Verlauf des Jahres 2013 erwartet der IHK-Beirat keine signifikant bessere Entwicklung. Die Lage werde sich – auch mit Blick auf eine günstigere Witterung – zwar zur Jahresmitte hin entspannen, doch die Zweifel, ob die Politik die Wirtschafts- und Finanzkrise im EURO-Raum nachhaltig in den Griff bekommt, blieben. „Die hiesige Wirtschaft ist zwar bis dato gegen Krisen gut gerüstet gewesen, doch können wir einen Zeitenwechsel nicht ausschließen. Es sieht danach aus, dass nun die Devise für die Unternehmen der Region verstärkt lauten muss: Mehr Diversifikation, die Entwicklung neuer Märkte, Produkte und Dienstleistungsangebote, um damit neue Kundengruppen zu gewinnen.“ Der Fingerzeig des Unternehmergremiums der IHK richtet sich im Exportbereich auf Osteuropa, Russland, die Türkei, Asien und Südamerika.



Kreisentwicklungskonzepte und Verkehrsinfrastruktur
Weitere Themen in der Frühjahrssitzung des Beirats waren die Qualifikation von Fachkräften in Unternehmen, die zunehmenden Anfragen zur Existenzgründungs- und Fördermittelberatung in der Geschäftsstelle sowie die Standortperspektiven im Rhein-Lahn-Kreis und im Westerwaldkreis. Begrüßt wurde die Initiative der Kreisverwaltung im Rhein-Lahn-Kreis, einen Kreisentwicklungsplan aufzulegen. Dies wünsche man sich auch für den Westerwaldkreis. IHK-Hauptgeschäftsführer Arne Rössel und Regionalgeschäftsführer Richard Hover rieten jedoch dazu, sich in einem solchen Konzept auf zwei bis drei Schwerpunktthemen zu konzentrieren und die darin enthaltenen Maßnahmen dann auch tatsächlich umzusetzen: „Andernfalls hat man viel Papier produziert, ohne jedoch etwas zu bewegen.“ Die IHK bietet ihre Unterstützung bei der Erstellung des Kreisentwicklungskonzeptes an. Enttäuscht zeigte man sich im Beirat über die Verkehrsinfrastrukturplanungen des Landes für die Region. IHK-Regionalgeschäftsführer Hover: „Das Land hat offensichtlich nicht die Bedeutung der Vernetzung und des leistungsfähigen Ausbaus von Verkehrsachsen wie die B 8 und vor allem die B 255 für die Region verstanden.“ Stattdessen erlebe man immer wieder eine Abwehrargumentation, die auf die kommende Schuldenbremse, wichtige andere Infrastrukturmaßnahmen im Land und planerische Hürden verweise. Beiratsvorsitzender Klein ergänzt: „Die Wirtschaft insbesondere im Norden des Westerwaldkreises irritiert ebenfalls eine gewisse Sprachlosigkeit der Entscheider auf Kreisebene zu diesem Thema. Welche konzeptionellen Vorstellungen hat man in der Kreisverwaltung, wenn es in Zukunft um eine leistungsfähige Straßeninfrastruktur im Westerwaldkreis geht? Was will und kann man dafür tun?“ Man könne daher Mainz und Montabaur die Frage nicht ersparen, wie es um den weiteren Ausbau der B 255 ab Langenhahn bis zur Landesgrenze Richtung Anschluss A 45 stehe. Es entstehe mehr und mehr den Eindruck, dass diese für die Wirtschaft und Bevölkerung im Kreis wichtige Verkehrsachse im Zuge der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans quasi hinten runter falle.


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