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Nachricht vom 16.03.2013    

Potenziale behinderter Arbeitskräfte besser nutzen

Die Kreishandwerkerschaft Rhein-Westerwald und das Forum für soziale Gerechtigkeit hatten zu einem Arbeitgeberseminar eingeladen. Es ging um die Beschäftigung Schwerbehinderter in den Betrieben und die bundesweite Initiative "JobWinWin". Da gibt es noch viel zu tun.

Sie alle waren um Aufklärung über die Beschäftigung behinderter Menschen im Westerwald bemüht, von links: Friedhelm Peetz (Mentor), Elisabeth Schubert (Kreishandwerkerschaft), Rene Sehr (Agentur für Arbeit), Barbara Vieweg (ISL), Udo Runkel (Kreishandwerkerschaft), Wiebke Schär (ISL), Uli Schmidt (Forum Soziale Gerechtigkeit), Franz-Josef Münch (Integrationsamt) und Martin Willuweit (Integrationsfachdienst). Foto: pr

Montabaur/Westerwaldkreis. Viele Menschen mit einer Behinderung fühlen sich von der Wirtschaft und der Politik im Stich gelassen. Sie sind arbeitslos. Denn die Mehrheit der heimischen Unternehmen beschäftigt keine Schwerbehinderten oder weit weniger als die geforderte Quote von fünf Prozent.
Das Forum Soziale Gerechtigkeit und die Kreishandwerkerschaft Rhein-Westerwald sehen daher Handlungsbedarf. Sie hatten deshalb im Rahmen der von der Bundesregierung unterstützten Initiative „JobWinWin“ zu einem Arbeitgeberseminar in die Räume der Kreishandwerkerschaft in Montabaur eingeladen.

Kreishandwerksmeister Werner Zöller (Kroppach) begrüßte die Gäste, Mentoren und Referenten. Er bedauerte, dass noch einige Plätze frei geblieben waren. Für das Forum Soziale Gerechtigkeit unterstrich Uli Schmidt (Horbach) die Bedeutung der Initiative: „Es ist nicht akzeptabel, dass viele heimische Firmen sich bei der Beschäftigung behinderter Menschen verweigern, obwohl sie weitreichende staatliche Unterstützungen in Anspruch nehmen können “.

In ihrem Vortrag wies Wiebke Schär von der Interessengemeinschaft "Selbstbestimmt Leben (ISL) e.V." in Berlin auf die oft hohe berufliche Motivation von beeinträchtigten Arbeitnehmern hin: „Sie sind im Betrieb meist wertvolle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die Firmen müssen nur ihre Potenziale erkennen und nutzen“, so Schär. Sie stellte eine Studie vor, nach der 70 Prozent aller befragten Unternehmen über positive Erfahrungen mit der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen berichten.

Die Fördermöglichkeiten bei Einstellung von Menschen mit einem Handicap stellte Barbara Vieweg, ebenfalls von der ISL in Berlin in den Westerwald gekommen, vor. Unter anderem vom Integrationsamt, der Rentenversicherung und der Arbeitsagentur sei eine behindertengerechte Einrichtung der Arbeitsplätze ebenso wie eine laufende Bezuschussung des Lohnes möglich, so der Gast aus der Bundeshauptstadt.

Über reichliche Erfahrungen mit der Beschäftigung behinderter Menschen berichteten dann in einem Interview zwei Mentoren. „Es ist mir ein Rätsel, weshalb nicht mehr Unternehmen deren meist hohe Leistungsbereitschaft erkennen“, meinte Friedhelm Peetz (Brühl bei Bonn). Auf wenige Probleme bei der Beschäftigung von insgesamt 25 schwerbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in ihrem Unternehmen wies Garcia Schade (Mainz) hin.

Über einige Thesen und Berichte wurde anschließend kontrovers diskutiert. So wurde die von den Unternehmen, die ihre Beschäftigungspflicht nicht erfüllen, zu zahlenden Ausgleichsabgabe von einem Teilnehmer als zu gering angesehen. „Das hat in der jetzigen Form keine Lenkungsfunktion“, meinte er.

Von einem Arbeitgeber wurde der Kündigungsschutz für Schwerbehinderte als Hinderungsgrund genannt. Franz-Josef Münch vom Integrationsamt in Koblenz stellte dazu fest, dass in 77 Prozent aller Fälle einer Kündigung zugestimmt und nur in etwa 1 bis 2 Prozent diese endgültig versagt werde. Angeregt wurde die Gründung eines regionalen Netzwerkes von Arbeitgebern, die so ihre Erfahrungen mit der Beschäftigung von Menschen mit einem Handicap austauschen und weitergeben könnten.

Über Schwierigkeiten bei der Förderung seiner angestellten Fachkräfte mit einer Behinderung berichtete ein selbständiger Schuhmachermeister. Im Zusammenwirken der vertretenen Organisationen wie Integrationsamt, Arbeitsagentur (Rene Sehr) und Integrationsfachdienst (Martin Willuweit) konnten diese Probleme ebenso wie diejenigen von anderen Teilnehmern zur Zufriedenheit des jeweiligen Arbeitgebers gelöst werden.
Zufrieden äußerte sich der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Udo Runkel, am Ende der Veranstaltung: „Die heute gehörten Infos bringen uns auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels weiter, aber wir müssen unsere Betriebe künftig rund um die Beschäftigung behinderter Menschen noch besser informieren“.

Anlage Foto: Sie alle waren um Aufklärung über die Beschäftigung behinderter Menschen im Westerwald bemüht, vlnr: Friedhelm Peetz (Mentor), Elisabeth Schubert (Kreishandwerkerschaft), Rene Sehr (Agentur für Arbeit), Barbara Vieweg (ISL), Udo Runkel (Kreishandwerkerschaft), Wiebke Schär (ISL), Uli Schmidt (Forum Soziale Gerechtigkeit), Franz-Josef Münch (Integrationsamt) und Martin Willuweit (Integrationsfachdienst).



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