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Nachricht vom 30.10.2012    

HwK verlieh Goldene und Diamantene Meisterbriefe

In einer zentralen Feierstunde ehrte die Handwerkskammer Koblenz langjährige Handwerksmeisterinnen und -meister. Insgesamt wurden 14 Diamantene und 160 Goldene Meisterbriefe verliehen. Die Handwerkssenioren kamen aus dem gesamten Kammerbezirk.

Kammerpräsident Werner Wittlich (Mitte herte die Altmeister im Handwerk. Foto: piel-media

Region. „Mit dem Erwerb des Meisterbriefes haben Sie vor 50 und sogar 60 Jahren den Grundstein für Ihren beruflichen Lebensweg gelegt, den Sie fortan meisterlich beschritten haben“, begrüßte Werner Wittlich, Präsident der Handwerkskammer (HwK) Koblenz, auch im Namen von Geschäftsführung und Vorstand, die geladenen Handwerksmeisterinnen und Handwerksmeister.

Die traditionelle Ehrung der Handwerkssenioren fand im Zentrum für Ernährung und Gesundheit (ZEG) der HwK statt. In diesem Jahr wurden an neuer, erst in diesem Jahr eröffneter Stätte, 160 Goldene und 14 Diamantene Meisterbriefe verliehen, deutlich mehr als im Vorjahr.
„Die Tätigkeit im Handwerk hält offensichtlich fit. Wenn das mal kein Fingerzeig für die junge Generation ist“, kommentierte der Kammerpräsident die Zahlen. So ließ es sich Studiendirektor a.D. Helmut Pflug, Dozent in den Meisterkursen der HwK und Lehrervertreter in verschiedenen Prüfungsausschüssen, trotz seiner 96 Jahre nicht nehmen, seinen „Ehemaligen“ zu gratulieren.
„Heute besinnt sich die Gesellschaft, die Arbeitswelt wieder auf die Älteren und wendet den Blick ab von dem Gedanken, die Leistungsfähigkeit eines Menschen rein nach dessen Alter und den physischen Voraussetzungen zu beurteilen. Der Blick geht nunmehr eher dahin, den Menschen in seiner Gesamtheit, einschließlich seiner persönlichen und beruflichen Lebenserfahrungen zu sehen und wert zu schätzen“, betonte Wittlich.

Prägende Ereignisse 1962
Er erinnerte an Ereignisse, die 1962 in dem Meisterjahr der heute Geehrten, die Menschen bewegt haben. Dazu zählte die schwere Sturmflut in Hamburg, bei der 315 Bürger ihr Leben verloren und Unzählige obdachlos wurden. Mit der „Kuba-Krise“ erreichte der Kalte Krieg, der unerbittliche Machtkampf zwischen Ost und West um die Vorherrschaft in der Welt, einen Höhepunkt. Als Folge dieser Krise wurde der sogenannte „Heiße Draht“ zwischen dem Weißen Haus und dem Kreml etabliert; der Beginn einer „Entspannungspolitik“.
Das Jahr 1962 war aber auch geprägt vom deutschen Wirtschaftswunder und dem Wiederaufbau. Die 60er Jahre waren eine Zeit des unbegrenzten Aufschwungs in Deutschland. Die boomende Marktwirtschaft wurde unter Wirtschaftsminister Ludwig Erhard zu einer sozialen Marktwirtschaft. „Um die Nachfrage nach den verschiedensten Produkten befriedigen zu können, galt es auch im Handwerk, große betriebliche Herausforderungen zu bewältigen. Sie haben die steigenden Anforderungen an die handwerklichen und unternehmerischen Fähigkeiten gepackt und damit maßgeblich zum wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands beigetragen“, so Werner Wittlich.
Für den Präsidenten der HwK Koblenz ist die Weitergabe von Wissen an die nächste Generation eine Jahrhunderte alte Tradition im Handwerk. „Wir brauchen auch weiterhin qualifizierte und engagierte junge Leute, die ihre Zukunft im Handwerk gestalten wollen. Denn nur dann stehen wir auch in 50 Jahren wieder hier und können – wie Ihnen heute –, den Altmeistern des Jahrgangs 2012 zu ihrer erfolgreichen Karriere im Handwerk gratulieren.“ Bewegt und auch stolz nahmen die Handwerksmeisterinnen und -meister aus den Händen des Kammerpräsidenten ihren Goldenen und Diamantenen Meisterbrief entgegen.




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Handwerkssenioren erzählen
Zu den sechs Goldmeisterinnen gehörte auch Bäckermeisterin Inge Müller. Eine bemerkenswerte Tatsache, waren doch Frauen zur damaligen Zeit in dem von Männern dominierten Beruf eher eine Seltenheit. Die 74-jährige aus Flacht bei Limburg erzählt, dass sie drei Mädchen zu Hause waren. „Mein Vater, ein Bäckermeister, schrieb aus der Kriegsgefangenschaft, dass die Stabilste die 1906 gegründete Bäckerei weiterführen muss. „Die Stabilste, also Kräftigste, war ich“, lacht sie. Noch heute hilft sie in der Backstube, die inzwischen ihr Sohn Martin, ebenfalls Bäckermeister, führt. „Als Exotin in meinem Beruf habe ich mich eigentlich nie gefühlt. Damals war sogar noch eine Müllerin mit in der Berufsschule. Mädchen würde ich immer zu dem Beruf raten, zumal heute die Technik bei der Handarbeit hilft“, erzählt sie.
„Das Dachdeckeren wurde uns vererbt“, schmunzeln die Brüder Herbert und Horst Hees. Die Dachdeckermeister wurden beide mit dem Goldenen Meisterbrief geehrt. „Unser Vater war Dachdeckermeister und unsere drei Söhne sind es ebenfalls“, so Herbert Hees. „Wir sind keine Konkurrenten, betreiben aber alle unser eigenes Geschäft. Das haben wir gemeinsam so entschieden, um Familienfehden auszuschließen. So tragen Firmen in Holzappel, Attenhausen und Görgeshausen den Namen Hees. „Ein guter Name! Wir haben alle genug zu tun“, sagt Herbert Hees, der mit 83 Jahren immer noch ab und an aufs Dach steigt.
Der diamantene Meister, Edelsteinfasser Max Loch aus Idar-Oberstein, sieht im Meisterbrief ein „zeitloses Qualitätssiegel“. „In unserem Handwerk ist er nicht mehr Voraussetzung für die Selbstständigkeit. Für meinen Sohn stand jedoch schon vor der Geschäftsübernahme der Meisterbrief nie in Frage“, so der 82-Jährige.

Führung durch das ZEG
Der Bäckermeister und langjährige Obermeister Werner Klein aus Koblenz bedankte sich im Namen der Altmeisterinnen und Altmeister bei der HwK Koblenz für die gelungene Feier im neuen Berufsbildungszentrum, dessen „Werdegang“ in einem kurzen Filmbeitrag gezeigt wurde. Gern nutzten die Handwerkssenioren im Anschluss an die Feier eine Führung durch das Haus.
Traditionell umrahmte der Handwerker-Chor Kreis Birkenfeld musikalisch die Feier. Immer wieder gelingt es dem Chor mit seinen Liedern Tränen der Freude und Rührung bei den Geehrten hervor zu rufen.


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