"Weibsbilder" in Lautzenbrücken: Kabarettduo nimmt die Männer aufs Korn
Von Wolfgang Rabsch
Rund 90 Prozent der Frauen im Saal, ein paar tapfere Männer dazwischen – und zwei Eifelerinnen auf der Bühne, die keine Pointe ausließen. Zum zehnjährigen Bestehen des Kulturkreises Lautzenbrücken gastierte das Kabarettduo „Weibsbilder" in der fast ausverkauften Mehrzweckhalle. Am Ende gab es Standing Ovations – und eine Flasche Eierlikör.
Lautzenbrücken. Karsten Lucke, Ortsbürgermeister von Lautzenbrücken, hatte bereits bei seiner Begrüßung zum Kabarettabend des Duos „Weibsbilder" die ersten Lacher auf seiner Seite, als er von der Werbung für den Abend berichtete. Die KI widersprach ihm energisch, als er den Begriff „Weibsbilder" eingab. Dies sei ein Ausdruck aus vergangenen Zeiten, der heute nicht mehr verwendet werden dürfe; er solle sich etwas anderes überlegen. Die KI gab erst nach, als Lucke darauf bestand, den Ausdruck zu verwenden. Lucke betonte des Weiteren, dass in diesem Jahr das zehnjährige Bestehen des Kulturkreises gefeiert werde und aus diesem Anlass auch die Weibsbilder eingeladen worden seien. Die Resonanz sei sehr erfreulich, denn die Mehrzweckhalle sei fast ausverkauft.
Beim Blick ins Publikum war eine vielleicht nicht überraschende Geschlechterverteilung erkennbar, denn etwa 90 Prozent der Besucher waren weiblichen Geschlechts. Der Rest des Publikums bestand logischerweise aus Männern, die an diesem Abend hart im Nehmen sein mussten, denn sie wurden zur Zielscheibe von Ironie und auch Spott. Damit war der Kern des Programms klar beschrieben: Es befasste sich überwiegend mit der Libido und den damit verbundenen Erwartungen des weiblichen Geschlechts. Die wenigen Männer im Publikum amüsierten sich prächtig, standen sie doch endlich einmal wieder im Mittelpunkt. Die Weibsbilder hatten sich aus dem Publikum auch zwei Männer herausgepickt, mit denen das Duo während des gesamten Auftritts seinen Schabernack trieb. Man muss den beiden „Opfern" attestieren, dass sie mit ihrer überraschenden Rolle bestens zurechtkamen und diese sogar genossen. Sie konnten über sich selbst lachen, wahrscheinlich wissend, dass sie mit dem beherrschenden Thema keine Probleme haben.
Die Männer im Publikum mussten starke Nerven haben
Die Weibsbilder sind Anke Brausch und Claudia Thiel, die aus Jünkerath kommen, der hintersten Eifel, wie sie immer wieder stolz betonten. Ihren Menschenschlag beschrieben sie gleich selbst, und sie ließen dabei keinen Zweifel aufkommen: bodenständig, klare Kante, kein Rumgelaber, trinkfest, heimatverbunden – und verlässlich, wenn es darauf ankommt. Wer die Westerwälder kennt, der dürfte an diesem Abend mehr als einmal genickt haben.
Man muss beiden Damen fairerweise zugutehalten, dass nicht nur Männer für Häme und Spott herhalten mussten – sie nahmen sich auch als Frauen gewaltig aufs Korn. Wie ein roter Faden zog sich die Suche nach einem Partner durch das Programm, und sei es nur ein „Tagesabschnittsgefährte" für ein kurzes Intermezzo, neudeutsch One-Night-Stand genannt. Dabei stellten sie sich so dumm an, dass die Männer panisch die Flucht ergriffen, wenn es ernst wurde. Dann standen sie ratlos vor ihrem Scheitern und suchten natürlich wieder die Schuld bei den Männern.
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Brausch und Thiel schlüpften während ihrer Vorstellung in verschiedene Rollen, verbunden mit anderer Bühnenbekleidung und teilweise anderem Dialekt. Anke Brausch brillierte in ihrer Rolle als anonyme Alkoholikerin, die Prosecco trinkend zu lallen begann und erklärte, dass sie Alkohol nur trinken könne, wenn es dunkel sei. Dann lasse sie eben schon um 9 Uhr morgens die Jalousien herunter, da der „Klügere“ nachkippt. Sie sei auch zu einer Hochzeit eingeladen worden, dort habe sie gesehen, wie das Paar in den Hafen der Ehe „geschifft" sei.
Claudia Thiel, die großen Wert auf ihr Äußeres legte, protzte mit ihren Modelmaßen 100-90-115; zudem sei sie eine „Eifeler Still-Ikone" mit viel „Cellilite“. Da Thiel ein gewisses Alter erreicht habe, sei der Weg vom Klimakterium zum Krematorium nicht mehr weit. Mit ihrem Kirchenchor aus Jünkerath mache sie fast jedes Jahr einen Ausflug an die Mosel, denn von dort aus hat man einen herrlichen Blick auf die Eifel. Bei ihrem letzten Date habe der Mann ihr eine Rose geschenkt, erklärte sie stolz. Anke Brausch hatte dafür nur einen abwertenden Satz übrig: „Ja, eine Gürtelrose."
Glückliche Comedians und dankbares Publikum
Bei ihren Rollenspielen bewiesen Brausch und Thiel auch schauspielerisches Potenzial; man merkte ihnen an, dass sie sich mit ihren Rollen regelrecht identifizierten. Dadurch entstand auch zum begeisterten Publikum von Beginn an eine starke Verbindung, die sich häufig in Szenenapplaus zeigte. Beide Comedians sprühten vor Spielfreude; es war in keiner Phase etwas von steifer Routine zu spüren. Sie reagierten auch spontan auf Zurufe aus dem Publikum mit Stand-up-Comedy, was wiederum für großes Amüsement der Besucher sorgte.
Das begeisterte Publikum forderte mehrere Zugaben, langanhaltender Beifall und Standing Ovations waren der Lohn für einen äußerst unterhaltsamen Abend. Ein kleiner Höhepunkt bescherte den Besuchern nochmals große Freude, als Ortsbürgermeister Karsten Lucke die Bühne betrat, um sich bei den Weibsbildern zu bedanken. In der einen Hand hielt er eine Flasche Eierlikör, in der anderen eine Flasche Nusslikör. Seine Frage an die beiden, wer die Nüsse und wer die Eier haben wollte, ging im großen Gelächter des Publikums unter, als Anke Brausch rief: „Natürlich will ich die Eier!"
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