Hachenburger Kirmespräsident kritisiert Berichterstattung der Medien
LESERMEINUNG | Das Thema Gleichberechtigung hatte die Medien in jüngster Vergangenheit auf die Satzung der Hachenburger Kirmesgesellschaft aufmerksam gemacht, wonach nur männliche Mitglieder zugelassen seien. Kirmespräsident Sacha Jahn bedauert, dass dadurch die Werte und das ehrenamtliche Engagement in den Medien zu kurz gekommen seien.
Hachenburg. Sascha Jahn, Präsident der Kirmesgesellschaft Hachenburg e.V., ist der Meinung, dass der Geist der Hachenburger Kirmes nicht ausreichend in den Medien wiedergegeben wird. Er hat deshalb einen langen Leserbrief verfasst, den wir an dieser Stelle ungekürzt und ohne Korrekturen wiedergeben.
Die Kuriere weisen explizit darauf hin, dass Lesermeinungen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wiedergeben. Darstellungen in Leserbriefen sind nicht nachrecherchiert und geben ausschließlich die Meinung des Autors wieder. (Red)
"Drei Tage Hachenburger Kirmes sind vorbei. Was bleibt?
Fast vier Wochen sind seit der Hachenburger Kirmes 2026 vergangen. Auf dem Alten Markt ist längst wieder Alltag eingekehrt. Geblieben sind Erinnerungen – und bei mir viele Eindrücke, über die ich seitdem immer wieder nachgedacht habe. Mit etwas Abstand möchte ich deshalb noch einmal auf diese drei Tage zurückblicken.
Der Samstagabend war in diesem Jahr ein anderer als in den Jahren zuvor: Erstmals habe ich die Hachenburger Kirmes als Präsident unserer Kirmesgesellschaft eröffnet. Das mit diesem Amt verbundene Vertrauen unserer Mitglieder bedeutet mir viel. Vor allem aber war da die Freude darüber, dass nach intensiven Monaten endlich das im Mittelpunkt stand, worauf unser Vorstand gemeinsam mit vielen Mitgliedern und Helfern hingearbeitet hatte: unsere Hachenburger Kirmes.
Wenn ich heute auf diese drei Tage zurückblicke, denke ich vor allem an Menschen: an Mitglieder und Helfer, die selbstverständlich mit anpacken. An Familien, die gemeinsam feiern. An alte Freundschaften und an Menschen, die jedes Jahr zur Kirmes nach Hachenburg zurückkommen. Manche sieht man vielleicht nur einmal im Jahr – und trotzdem fühlt es sich beim ersten Treffen so an, als wäre man nie weg gewesen. Für drei Tage kommen Menschen zusammen, die hier leben, hier aufgewachsen sind oder sich Hachenburg und seiner Kirmes verbunden fühlen.
Genau dieses Miteinander macht den besonderen Wert unserer Kirmes aus. Und es entsteht nicht von allein. Damit tausende Menschen gemeinsam feiern können, investieren Vorstand, Mitglieder und Helfer über Monate Zeit und Herzblut in Sitzungen, Vorbereitungen und Arbeitseinsätze. Dieses ehrenamtliche Engagement ist keine Selbstverständlichkeit und doch das Fundament unserer Kirmes.
Gerade deshalb erkenne ich die Kirmes, die ich drei Tage lang erlebt habe, in ihrer medialen Aufarbeitung nur bedingt wieder. Mir kommt darin zu kurz, was dieses Fest ausmacht: Gemeinschaft, Tradition und die tausenden Menschen, die Hachenburg für drei Tage zu einem besonderen Ort machen. Dabei geht es mir weniger um einzelne Medien oder Artikel als um das Bild, das in der Summe entsteht.
Ein Beispiel dafür ist die Berichterstattung über den Kirmessamstag. Über die Eröffnung auf dem Alten Markt, die besondere Atmosphäre, den Einzug der Kirmesgesellschaft und den Großen Zapfenstreich wurde durchaus ausführlich berichtet. In einem Beitrag wurde jedoch ein kurzer Teil der Rede unseres Kirmesekels zur Mitgliedschaft von Frauen zum titelgebenden Thema. Dass dieses Thema erwähnt wird, gehört zur Berichterstattung. Dass es jedoch zum Aufhänger für einen Artikel über die Kirmeseröffnung wird, zeigt mir, wie stark diese Diskussion inzwischen die mediale Wahrnehmung unserer Kirmes prägt.
Eine andere Seite unserer Kirmes blieb medial dagegen weitgehend unsichtbar: der Sonntag. Dieser Kirmestag ist sehr gut besucht und gerade der Familienfrühschoppen zeigt vieles von dem, was unsere Kirmes ausmacht. Der Kinderbaum wird gestellt, ein junger Kirmesbursch' hält seine Rede, unsere Kirmespänz stehen nach monatelanger Vorbereitung auf der Bühne und wir ehren Mitglieder für 25, 40 oder sogar 50 Jahre Vereinstreue. Nachwuchs, Tradition und gemeinsames Feiern gehören hier ganz selbstverständlich zusammen. Das ist gelebte Gemeinschaft von A bis Z und gehört zu einem vollständigen Bild unserer Kirmes. Mir ist bewusst, dass nicht jedes Medium jeden Kirmestag personell begleiten kann. Trotzdem fehlt damit ein wesentlicher Teil dessen, was unsere Kirmes ausmacht, im medialen Gesamtbild.
Der Montagsfrühschoppen fand mit vielen Teilen unseres Programms, dem traditionellen Schlagabtausch und dem Einsatz für den guten Zweck seinen Platz in der Berichterstattung. In einem Beitrag wurde die Ernennung der Bürger des Jahres dabei als "wichtigster Akt des Montagsfrühschoppens" bezeichnet. Diese Einordnung teile ich nicht. Die Ehrung durch die Stadt Hachenburg ist ohne Frage etwas Besonderes. Dass diese Auszeichnung im Rahmen unserer Kirmes verliehen wird, macht uns stolz und zeigt zugleich, welchen Stellenwert die Hachenburger Kirmes und gerade der Kirmesmontag für unsere Stadt haben. Dieser Vormittag lebt aber gerade vom Zusammenspiel aus Musik und Humor, Tradition und gesellschaftlichem Engagement, unseren Mitgliedern und Gästen – und von der Arbeit derjenigen, die ihn über Wochen mit Ideen, Kreativität und persönlichem Einsatz vorbereiten. Einen einzelnen Bestandteil dieses vielfältigen Programms als den wichtigsten herauszustellen, wird deshalb weder diesem Engagement noch dem Charakter des gesamten Vormittags gerecht. Unsere Kirmes hat viele Geschichten zu erzählen. Genau diese Geschichten wünsche ich mir häufiger im Mittelpunkt.
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Umso stärker fällt mir auf, welchen Raum seit Monaten eine andere Diskussion in der öffentlichen Berichterstattung einnimmt: die Mitgliedschaft von Frauen in unserer Kirmesgesellschaft. Dieses Thema ist wichtig für unseren Verein. Gleichzeitig beobachte ich, dass es auch ohne einen neuen Sachstand immer wieder aufgegriffen wird. Dabei empfinde ich die Darstellung häufig als einseitig: Einzelne Positionen und Sichtweisen finden breiten Raum, während andere Perspektiven und insbesondere die Beweggründe hinter der demokratischen Entscheidung unserer Mitglieder kaum vorkommen.
Deshalb ist mir eines wichtig: Wer im März gegen die Satzungsänderung gestimmt hat, hat nicht „falsch“ abgestimmt. Dahinter standen unterschiedliche Beweggründe und Vorstellungen von der Zukunft unseres Vereins. Dieses demokratische Ergebnis respektiere ich ausdrücklich – genauso wie die Enttäuschung derjenigen, die sich eine Öffnung gewünscht haben.
Auch den Eindruck, dass derzeit intensive Gespräche geführt werden oder es neue Entwicklungen in der Sache gibt, möchte ich korrigieren. Natürlich wird innerhalb und außerhalb unseres Vereins darüber gesprochen. Das ist gut und wichtig. Einen neuen Sachstand gibt es dadurch aber nicht. Ich habe in den vergangenen Monaten immer wieder gesagt: Erst machen wir gemeinsam unsere Kirmes. Danach setzen wir uns wieder mit dem Thema auseinander. Genau so sind wir damit umgegangen – und jetzt werden wir diesen Dialog wieder aufnehmen. Dazu gehört, offen miteinander zu sprechen und unterschiedlichen Positionen ihren Platz zu geben. Der Vorstand ist für Gespräche in alle Richtungen offen – unabhängig davon, welche Haltung jemand zu einer möglichen Öffnung unseres Vereins vertritt.
Entscheidend ist mir, welche Wirkung der öffentliche Umgang mit diesem Thema auf unseren Verein hat. Der dadurch entstehende Druck macht den vereinsinternen Dialog nicht leichter. Gerade bei einem so emotionalen Thema braucht es mehr direkten Austausch und weniger Diskussion übereinander. Denn die Entscheidung über die Zukunft unserer Kirmesgesellschaft wird am Ende nicht in der öffentlichen Debatte getroffen, sondern durch unsere Mitglieder.
Meine Haltung ist dabei unverändert: Frauen sind seit Generationen ein unverzichtbarer Teil unserer Kirmesgemeinschaft und wir werden über ihre zukünftigen Möglichkeiten in unserem Verein weiterreden. Gleichzeitig respektiere ich die Entscheidung unserer Mitglieder vom März. Darin sehe ich keinen Widerspruch. Demokratie bedeutet, Entscheidungen zu akzeptieren und trotzdem miteinander im Gespräch zu bleiben. Genau diesen Weg möchte ich weitergehen – offen für unterschiedliche Positionen und mit dem Ziel, Lösungen zu finden, die möglichst viele mittragen können.
Und bei all den Diskussionen sind es am Ende andere Bilder, die mir von meiner ersten Kirmes als Präsident bleiben: Ich sehe einen Alten Markt voller Menschen. Ich höre den Großen Zapfenstreich. Ich sehe Kinder mit Brezeln in der Hand. Ich denke an gelungene Frühschoppen, grandiose Partys und an die vielen Menschen, die oft unbemerkt dafür sorgen, dass unsere Kirmes Jahr für Jahr gelingt.
In meiner Eröffnungsrede habe ich gesagt, dass unsere Kirmes Menschen verbindet und Erinnerungen schafft. Mit etwas Abstand bin ich davon mehr denn je überzeugt.
Wenn von der Hachenburger Kirmes 2026 etwas bleiben soll, dann wünsche ich mir genau diese Erinnerungen – und dass unsere Kirmes in ihrer ganzen Vielfalt wahrgenommen wird, statt auf einzelne Themen reduziert zu werden. Denn sie ist vor allem eines: ein Fest der Gemeinschaft, getragen von großem ehrenamtlichem Engagement und von Menschen, die sie seit Generationen zu dem machen, was sie ist.
Hui Wäller? Allemol!" (Sascha Jahn/Präsident der Kirmesgesellschaft Hachenburg e.V.)
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