Umjubeltes Kindermusical "Der barmherzige Samariter" in der evangelischen Kirche in Selters
Von Wolfgang Rabsch
Noch vor wenigen Jahren war es verpönt und kaum vorstellbar, dass in einer Kirche vor und während eines Gottesdienstes Szenenapplaus erklang und rhythmisch im Takt geklatscht wurde. Das lag vordergründig an einer strengen Liturgie, die einen engen Rahmen für die Gestaltung eines Gottesdienstes vorgab.
Selters. Nun haben sich die Zeiten, Gott sei Dank, geändert, denn mit dem Einhalten der strengen Vorgaben wurden viele Gottesdienstbesucher verprellt. Damit einhergehend wurden auch die Kirchen vom Zeitgeist eingeholt und haben gut daran getan, zu versuchen, ihre "Schäfchen" durch eine modernere, zeitgemäße Ausrichtung der Gottesdienste zurückzugewinnen.
Einen solchen Schritt in die richtige Richtung haben an diesem Wochenende (1. und 2. August) die Evangelische Christusgemeinde Sayn-Wied-Westerwald und die katholische Pfarrei St. Anna Herschbach in Kooperation unternommen. Vorab gesagt: Es hat sich für alle Beteiligten ohne Wenn und Aber gelohnt.
Wovon reden wir hier?
Gemeindepädagoge Olaf Neumann und Gabi Eutebach-Karasu beabsichtigten auch in den diesjährigen Sommerferien, wieder ein Familien- und Kinder-Musical-Projekt auf die Beine zu stellen. Angesprochen wurden Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren, die Spaß am Schauspiel und Gesang haben. Es meldeten sich insgesamt 17 Kinder, mit denen in lediglich drei Proben das Kindermusical "Der barmherzige Samariter" erfolgreich einstudiert wurde, sodass einer Aufführung vor Publikum nichts mehr im Wege stand.
Olaf Neumann und Gabi Eutebach-Karasu wurden bei den Proben sehr engagiert von einem Team begleitet, das sich ebenfalls stark einbrachte. Gemeinsam gelang es ihnen, den Kindern Inhalt und Sinn des Musicals zu vermitteln und für die jeweiligen Rollen die beste Besetzung zu finden - je nach Neigung und Interesse.
Peppige Gesangseinlagen
Das Konzept des Ferienprojektes war sehr anspruchsvoll ausgelegt, denn es sollte auch qualitativ überzeugen. In drei verschiedenen Workshops ("Gesang und Choreografie", "Schauspiel" und "Bühnenbau") entstand innerhalb von drei Nachmittagen ein fertiges Musical mit peppig arrangierten Songs und intensiven Spielszenen. In jedem Jahr wird eine Erzählung aus der Bibel aufgegriffen, die den Kindern spielerisch und musikalisch vermittelt wird.
Von den während einer Woche entstandenen Ergebnissen konnten sich Eltern, Geschwister, Großeltern und weitere Interessierte bei zwei Aufführungen überzeugen, die am 1. August im katholischen Pfarrsaal in Selters und am 2. August im Rahmen eines Familiengottesdienstes in der evangelischen Kirche in Selters stattfanden.
Die Kuriere besuchten die Aufführung am 2. August in der evangelischen Kirche in Selters, um sich persönlich ein Bild von dem diesjährigen Kinderprojekt zu machen. Normal heißt es bekanntlich: "Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben." Doch in diesem Fall konnte der Autor des Artikels seine Begeisterung für das Erlebte nicht unterdrücken. Den jungen Schauspielern gelang es von Beginn an, die Besucher des Familiengottesdienstes in ihren Bann zu ziehen und immer wieder deren Beifall herauszufordern.
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Die Kinder agierten ohne Lampenfieber und begeisterten auf ganzer Linie
Doch nun der Reihe nach: Zunächst betraten die Hauptakteure des Familiengottesdienstes den Innenraum der Kirche, wobei sie mit freundlichem Beifall der Besucher empfangen wurden. Olaf Neumann begrüßte anschließend die Besucher des Gottesdienstes und gab einige Einblicke in die Proben des Kindermusicals. Anschließend übernahm Pfarrerin Svenja Müller das Wort und eröffnete den eigentlichen Familiengottesdienst mit einigen segensreichen Vergleichen im Hinblick auf den biblischen Inhalt des folgenden Kindermusicals.
Kurze Inhaltsangabe des Kindermusicals
Auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho wird ein wohlhabender Händler überfallen, ausgeraubt und schwer verletzt. Die Räuber verschwinden, ohne sich um ihn zu kümmern. Zunächst kommt ein Priester vorbei, dem der Mann jedoch egal ist, weil er meint, dieser sei selbst schuld, dass ihm das passiert sei. Auch ein Levit kümmert sich nicht um den Verletzten und geht achtlos weiter. Als Nächster kommt ein Samariter vorbei, der sich sofort um den Überfallenen kümmert, seine Wunden behandelt und ihm zu trinken gibt. Anschließend bringt er ihn in ein Gasthaus, wo der Verletzte eine Unterkunft bekommt, die der Samariter auch bezahlt. Danach geht er weiter, weil er weiß, dass der Mann gut versorgt ist.
Das Besondere an dem Verhalten des Samariters ist, dass Samariter und Juden damals "nicht grün" waren und der Samariter sinnbildlich dafürsteht, sich trotzdem um den Nächsten in Not zu kümmern, egal wer es ist.
Verdienter Jubel für alle Beteiligten
Am Ende der Aufführung erhoben sich die Besucher des Gottesdienstes zu Standing Ovations, begleitet von lautem Jubel. Sogar Rufe nach Zugaben waren zu hören. Die überglücklichen Jungschauspieler wurden einzeln vorgestellt, verneigten sich vor dem Publikum und durften im Beifall baden.
Gabi Eutebach-Karasu stellte auch ihr Team einzeln vor: Lea Baumhauer, Marie Civello, Louisa Schmid, Emma Schnug und Johanna Schwank.
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