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Nachricht vom 29.07.2026    

Die Nister ist Kandidat für die "EU-Wiederherstellungsverordnung"

Die Bundesregierung ist derzeit dabei, den nationalen Umsetzungsplan für die "EU-Wiederherstellungsverordnung" zu erstellen. Mithilfe dieser Verordnung sollen geschädigte Lebensräume in Wäldern, Feldern, Gewässern, Mooren und Städten renaturiert werden, um unter anderem die Artenvielfalt zu retten und den Klimawandel abzufedern.

(Foto: BUND und Arge Nister)

Hachenburg. Eine wichtige Rolle spielen dabei nach Ansicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auch die Fließgewässer. Konkretes Ziel sei die Wiederherstellung von 25.000 Kilometern freifließenden Flüssen in der EU durch den Rückbau von Verbauungen. Denn ein Fluss, der durchgängig ist und mit seinen angrenzenden Auen und dem Grundwasser in Verbindung steht, schaffe Lebensräume für Tiere und Pflanzen, sei durchquerbar für Wanderfische, mindere Hochwasser ab und halte Wasser bei Trockenheit länger in Boden und Landschaft, so der BUND. Er setzt sich bundesweit dafür ein, mindestens 2.000 Kilometer Flüsse wieder frei fließen zu lassen. In Rheinland-Pfalz sollen unter anderem Nister, Elzbach und Glan in den nationalen Wiederherstellungsplan aufgenommen werden.

Auf einem Informationsabend zur Renaturierung der Nister am 22. Juli im Rathaus Hachenburg berichtete Sonja Gärtner vom BUND Rheinland-Pfalz über diesen aktuellen Anlass. Sodann stellte Manfred Fetthauer von der Arge Nister in einem reich bebilderten Vortrag die im Fokus stehende Nister vor. Muscheln und Fische bildeten bereits seit der Gletscherzeit - lange bevor der Mensch die Landschaft besiedelte - einen wichtigen Bestandteil komplexer ökologischer Zusammenhänge. So weiden Fische wie die Nase die Algen ab und hinterlassen in ihrem Kot vermutlich Nährstoffe; von den sich Muscheln ernähren können, und sich dann, im von den Nasen geputzten und freigelegten Kiesbett, weiterentwickeln und wiederum Unmengen von Wasser filtern. Mit vielen anderen Lebewesen sorgen sie dafür, dass Flüsse und Bäche lebendig blieben und ihre natürliche Fähigkeit zur Selbstreinigung erhalten.

Doch der Mensch habe tief in diese natürlichen Kreisläufe eingegriffen, erklärt Manfred Fetthauer. Flüsse wurden begradigt, verbaut und in ihrem Lauf verändert - zur Energiegewinnung, für die Landwirtschaft, zum Hochwasserschutz und für viele andere Zwecke. Dabei gingen wertvolle Lebensräume verloren, Fischwanderwege für Tiere in und entlang der Fließgewässer wurden unterbrochen und die natürlichen Lebensbedingungen für Fische, Muscheln und andere Wasserorganismen immer weiter verschlechtert.

Unsere Flüsse brauchen eine Stimme
"Die EU-Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000 sollte negativen Entwicklungen eigentlich entgegenwirken und bis 2015 einen guten Zustand der Gewässer erreichen. Viel Geld wurde investiert, und an manchen Stellen konnten Erfolge erzielt werden. Doch seit 2015 stagniert die Entwicklung vielerorts. Die Ziele wurden erneut verschoben - auf 2027 und teilweise sogar darüber hinaus. Doch unsere Flüsse können nicht endlos warten und daher gilt es nun, die EU-Wiederherstellungsverordnung zu nutzen", so die Vertreter von BUND und Arge Nister. Gerade die Nister zeige, was auf dem Spiel steht. Das Landesamt für Umwelt beschreibt sie als Refugium einer in Rheinland-Pfalz einzigartigen Fluss-Lebensgemeinschaft mit seltenen und geschützten Arten. Sie besitzt noch Merkmale eines andernorts längst verschwundenen, historischen gewässerökologischen Normalzustandes und damit ein besonders wertvolles, landesweit bedeutendes Entwicklungspotenzial. Und dennoch hat sich die ökologische Gewässergüte der Nister seit der Jahrtausendwende verschlechtert.




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"Das dürfen wir nicht einfach hinnehmen!", sind sich die Naturschützer einig. Daher soll die Durchgängigkeit der Nister durch den Rückbau von Querbauwerken verbessert werden. Zusätzlich spielen weitere Faktoren eine wichtige Rolle. Wie Manfred Fetthauer ausführte, haben Prädatoren wie der heimische und geschützte Kormoran, aber auch zunehmend invasive Arten wie Waschbär, Nutria und Bisam in bestimmten Regionen erheblichen Einfluss auf den heimischen Fisch und Muschelbestand. Gerade an der Nister wurde und wird wissenschaftlich intensiv geforscht.

"Viele Erkenntnisse liegen längst auf dem Tisch. Jetzt ist es an der Politik, diese Erkenntnisse ernst zu nehmen und konsequent zu handeln. Denn ein Fluss ist mehr als ein Wasserlauf. Er ist Lebensraum. Er ist Heimat. Er ist ein lebendiges Netzwerk, in dem jedes einzelne Glied eine Aufgabe erfüllt. Wenn wir Fische und Muscheln verlieren, verlieren wir nicht nur einzelne Arten - wir verlieren ein Stück des natürlichen Gleichgewichts, das sich über Jahrtausende entwickelt hat. Wir dürfen nicht länger warten, bis unsere Flüsse endgültig verstummen. Wir müssen ihnen Raum geben, ihre natürlichen Funktionen zurückzugewinnen. Wir müssen Lebensräume schützen und wiederherstellen, Hindernisse beseitigen, wo es sinnvoll und notwendig ist, und gleichzeitig alle Faktoren berücksichtigen, die das empfindliche Gleichgewicht unserer Gewässer beeinflussen. Die Nister und unsere anderen Flüsse brauchen keine weiteren Versprechen. Sie brauchen entschlossenes Handeln. Was über Jahrtausende gewachsen ist, darf nicht innerhalb weniger Generationen zerstört werden. Unsere Flüsse gehören nicht uns. Wir haben sie nur von den kommenden Generationen geliehen. Deshalb ist es höchste Zeit, dass wir Verantwortung übernehmen - für die Fische, für die Muscheln, für die unzähligen Lebewesen im Wasser und letztlich auch für uns selbst. Schützen wir unsere Gewässer, solange sie noch die Kraft haben, sich selbst zu helfen. Geben wir unseren Flüssen eine Zukunft."

Weitere Informationen unter: www.bund.net/lebensraeume/eu-wiederherstellungsverordnung sowie www.argenister.de


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