Das Wunschkonzert der "@coustics" in Betzdorf ließ keine Wünsche offen
Von Wolfgang Rabsch
Die Parkanlage an der Betzdorfer Stadthalle verwandelte sich in eine restlos ausausverkaufte Arena der Superlative. Bei milden Sommertemperaturen erlebten 400 begeisterte Zuschauer ein besonderes Konzert, bei dem die Fans die Setliste ihrer "@coustics" im Vorfeld selbst bestimmen durften.
Betzdorf. Die Erfahrung lehrt, dass man mit Superlativen sparsam umgehen sollte, denn es gibt im Leben häufig noch Steigerungen, die dann alles Gesagte oder Geschriebene ad absurdum führen. Einen solchen Abend der Superlative durften 400 Zuschauer in der restlos ausverkauften Parkanlage vor der Stadthalle in Betzdorf miterleben. Die "@coustics", die sich ironischerweise auch als "feine Herrenband" bezeichnen, sind neue Wege gegangen und haben ein Konzert gespielt, das nicht bestimmten Vorgaben folgte, sondern von ihren Fans bestimmt wurde, die im Vorfeld des Konzerts online aus dem umfangreichen Repertoire der Band ihre Wunschliste wählen konnten. Die äußeren Umstände zum Konzert waren wie aus dem Bilderbuch gemalt, denn nach Tagen der unerträglichen Hitze, unter denen die Menschen zu leiden hatten, folgten milde Außentemperaturen, sodass man durchaus von einer lauen Sommernacht sprechen konnte. Entsprechend positiv war die Vorfreude auf das kommende Konzert spürbar.
Tolles Konzert, tolles Publikum
Bernd Gudernatsch, Bandleader der "@coustics" und Moderator, hatte bei seiner Begrüßung die Möglichkeit, den "schwarzen Peter" auf die Fans zu schieben, wenn jemand etwas zu meckern hätte. Denn die Fans hätten ja schließlich die Auswahl getroffen und die Band würde nur den Wünschen ihrer Anhänger folgen. Gudernatsch sprach sicherlich seinen Bandkollegen voll aus der Seele, als er beim Blick auf die prall gefüllten Zuschauerreihen ins Schwärmen geriet: "Wow, das ist heute ein wahrer Glücksmoment für unsere Band, in dieser herrlichen Location, bei traumhaftem Sommerwetter vor euch spielen zu dürfen."
Für großes Gelächter sorgte Gudernatsch, als er meinte, es sei an der Zeit gewesen, in Betzdorf zu spielen. Sie wären zuvor nicht dazu gekommen, weil sie Konzerte in großen Orten gespielt hätten, zum Beispiel in Wilnsdorf, Scheuerfeld und Elkenroth. Die Moderation des Konzerts wurde nicht allein von Gudernatsch ausgeführt. Die übrigen Bandmitglieder waren ebenfalls bei dem Spektakel eingebunden und trugen mit allerlei Späßen und Geschichten zur guten Stimmung bei.
Die Band benötigte kein langes Warm-up, um die Besucher auf Temperatur zu bringen. Vom ersten Song an wurde geklatscht und mitgesungen. Es war spürbar, dass sich die positive Energie des Publikums entladen musste. Das hört sich wieder etwas übertrieben an, wird aber von jedem einzelnen Besucher, der vor Ort war, vollumfänglich bestätigt werden. Die Leute hatten Bock auf Party und feierten nicht nur die Band, sondern auch sich selbst. Diese Stimmung hielt bis zum Ende des fast dreistündigen Konzerts an. Im Gegenteil: Als das Ende des Konzerts angekündigt wurde, gaben die Fans nochmals richtig Gas, um der Band Zugaben "abzunötigen".
Viele Hits begeisterten
Angesichts der Vielfalt der gespielten Songs ist es nicht möglich, alle Hits zu erwähnen. Die Leser der Kuriere können sich anhand der beigefügten Setliste des Konzerts selbst ein Bild machen, welche "Kracher" die Band zum Besten gab. Trotzdem müssen an dieser Stelle einige Hits Erwähnung finden, die das Publikum in besonderer Art berührten und begeisterten. So zum Beispiel "The Sound of Silence", nicht von Simon & Garfunkel, sondern in der Interpretation von Disturbed. Gänsehautfeeling pur, auch erzeugt durch die rauchige Stimme von Eddie Stinner. Spätestens bei diesem Song waren emotionale Gefühle bei vielen Paaren angesagt, die liebevoll in den Armen lagen und in Erinnerungen schwelgten. Auch zärtliche Küsse wurden ausgetauscht, wie bei Petra und Werner aus Wendlingen sowie Anja und Markus aus Neunkhausen, die seit 25 Jahren so verliebt sind wie am ersten Tag.
Eine wahre Beifallsorgie erzeugte Bernd Gudernatsch beim Welthit "Sugar Baby Love" von den Rubettes, als er seine Falsettstimme in unfassbare Höhen trieb. Mit dieser Stimme hätte er beste Chancen gehabt, als orientalischer Haremswächter einen Job zu finden. Traurig und ehrfurchtsvoll wurde die Stimmung, als die kürzlich verstorbene Bonnie Tyler mit ihrem Hit "Total Eclipse of the Heart" eine nachträgliche Würdigung erhielt. Wer konnte Bonnies Stimme am besten interpretieren? Natürlich Eddie Stinner mit seiner unnachahmlich rauchigen Stimme, mit der er auch bei "Die weißen Tauben sind müde" von Hans Hartz tief beeindruckte. Die wenigsten Zuschauer hatten wohl damit gerechnet, dass sie an diesem Abend in einer beschaulichen, warmherzigen Atmosphäre auch Hardrock auf die Ohren bekamen. Bei "Highway to Hell" von AC/DC kam die zulässige Lautstärke in den Grenzbereich.
"Queen" wurde unangefochten Sieger
Sieger der Hitparade wurde unangefochten "Bohemian Rhapsody" von Queen mit über 44 Prozent der abgegebenen Stimmen. Doch damit war das Konzert noch lange nicht beendet, denn im Jubelorkan, mit dem sich das Publikum bei der Band für das Konzert bedankte, erschallten nicht zu überhörende Zugaberufe, denen die Band gerne Folge leistete und mit einem Medley der Pet Shop Boys letztendlich ein unvergessliches Konzert beendete.
Auch wenn Bernd Gudernatsch der Bandleader ist, kann er nur überzeugen, weil die übrigen Bandmitglieder absolut gleichberechtigt sind. Die Harmonie und Sympathie untereinander sind der Grundstock für das Gesamtbild, das die Band überzeugend abbildete. Egomanen hätten bei den "@coustics" nicht den Hauch einer Chance. Sie sind nicht nur Bandkollegen, sondern echte Freunde, was in jeder Phase des Konzerts spürbar war. Dass die Beschreibung des Konzerts durch den Autor nicht zu übertrieben und zu euphorisch geraten ist, kann man auf Facebook nachlesen, denn dort überschlagen sich die Lobeshymnen der Besucher hundertfach.
Die "@coustics" traten in folgender Besetzung auf:
Timo Jaschewski: Bass, Kontrabass, Gesang
Bruno Kötting: Akkordeon, Gitarre, Piano, Gesang
Eddie Stinner: Gitarre, Trompete, Gesang
Bernd Gudernatsch: Cajon, Gesang
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