Aktualisiert: Zwei Leserbriefe zur Windkraft in Dreieichen
LESERMEINUNG | Während der Gemeinderat in Vielbach den Bebauungsplan für zwei Windkraftanlagen beschlossen hat, geht die Diskussion im Ort weiter. Zwei Leser haben sich mit Leserbriefen an die Redaktion gewandt. Die Briefe sind ausnahmsweise als "anonym" gekennzeichnet.
Die Kuriere weisen explizit darauf hin, dass Lesermeinungen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wiedergeben. Darstellungen in Leserbriefen sind nicht nachrecherchiert und geben ausschließlich die Meinung des Autors wieder. Als verantwortungsbewusstes Medium grenzen wir uns von den sozialen Medien durch den Wahrheitsgehalt der Aussagen ab. Dazu ist es auch notwendig, Meinungen mit einem Klarnamen zu vertreten, wenn die Redaktion den Wahrheitsgehalt nicht überprüft, jedoch unser Medium genutzt wird, um den Leserbrief zu veröffentlichen.
In diesem einen Ausnahmefall veröffentlichen wir den Wortlaut anonym, auch wenn uns der Autor namentlich bekannt ist. Dies geschieht auf ausdrücklichen Wunsch. Als Leser sollten Sie diese Tatsache berücksichtigen und etwaige Fakten entsprechend kritisch hinterfragen. Bei allen Leserbriefen gilt: Die Redaktion behält sich sinnwahrende Kürzungen vor.
Vielbach/Drei Eichen. Der erste Leserbrief im Wortlaut: "Ich verfolge die Diskussionen und die auffallend einseitige Berichterstattung zum Windpark "Drei Eichen" sehr genau. Viele Sorgen sind nachvollziehbar - aber vieles, was derzeit verbreitet wird, ist überzogen oder schlicht falsch. Wer Verantwortung trägt, darf sich nicht von Schlagworten treiben lassen, sondern muss auf Grundlage von Fakten entscheiden.
Unsere Wälder sterben nicht wegen Windkraft, sondern wegen Klimawandel, Dürre und Borkenkäfer. Das ist wissenschaftlich belegt. Wer den Wald schützen will, muss die Ursachen bekämpfen - nicht die Technologien, die genau dazu beitragen. Windenergie ist kein Problem, sie ist ein Teil der Lösung.
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Auch die angeblichen Gesundheitsgefahren halten keiner seriösen Prüfung stand. Fachbehörden wie das Umweltbundesamt und die WHO kommen seit Jahren zu dem gleichen Ergebnis: Bei Einhaltung der Abstände sind keine gesundheitlichen Schäden durch Infraschall oder Lärm nachweisbar. Sorgen sind menschlich - aber sie ersetzen keine Fakten.
Die Planungsphase dient genau dem, was viele einfordern: Transparenz, Gutachten, Verträge, Rückbaukonzepte. Und sie schafft Einnahmen, die jeden einzelnen Bürger entlasten: Die Pachtmittel sollen unter anderem die Grundsteuer stabilisieren. Das ist konkrete Entlastung, nicht theoretische Hoffnung.
Was in der Debatte viel zu kurz kommt: Unsere Gemeinderäte leisten hier außergewöhnlich gute Arbeit. Eine Gemeinde hat sogar einen ausführlichen Flyer mit fundierten Quellenangaben erstellt, um sachlich zu informieren. Die Räte machen all das ehrenamtlich, in ihrer Freizeit, ohne Bezahlung. Und sie leben selbst im Ort. Niemand, der seine eigenen Kinder, seine Familie und sich selbst schützen will, trifft leichtfertige Entscheidungen. Sie verdienen Respekt und Unterstützung - nicht Drohungen, Unterstellungen oder persönliche Angriffe.
Besonders irritierend ist in diesem Zusammenhang die Ankündigung eines Unternehmers, seinen Betrieb aus Protest gegen die Ratsentscheidung aus dem Ort abzumelden. Damit schadet er nicht dem Rat - sondern den Bürgerinnen und Bürgern, die seine Dienstleistungen nutzen und die Gewerbesteuer-Einnahmen tragen. Wer so handelt, sollte sich fragen lassen, ob er wirklich im Sinne der Gemeinschaft handelt. Und die Bürger sollten künftig sehr genau prüfen, wo sie ihre Mietverträge abschließen und wen sie damit unterstützen. Umso wichtiger ist es, die Schlagwort Kampagnen der Bürgerinitiative kritisch zu hinterfragen. Dramatische Begriffe ersetzen keine Argumente. Nicht jede Behauptung wird durch Wiederholung wahr. Wer Verantwortung übernehmen will, prüft Informationen, bevor er sie weiterverbreitet. Die Gemeinderäte haben keinen Schnellschuss abgegeben, sondern einen mutigen und verantwortungsvollen Schritt: Sie prüfen, bevor sie entscheiden. Genauso funktioniert seriöse Kommunalpolitik. Windenergie ist kein Verlust unserer Heimat - sie ist ein Beitrag dazu, dass wir sie auch in Zukunft Heimat nennen können. Frei nach dem Motto: 'Drei Eichen: Mehr Energie, weniger heiße Luft'." Anonymer Leser
Der zweite Brief:
Mit Interesse habe ich Ihre verschiedenen Artikel zum geplanten Windpark Drei Eichen gelesen. Allerdings entsteht dabei aus meiner Sicht erneut ein einseitiger Eindruck, der wesentliche Hintergründe und Zusammenhänge nur unzureichend berücksichtigt.
Gerade bei einem so sensiblen und zugleich wichtigen Thema wie der Windenergie fällt auf, dass die Berichterstattung häufig zugespitzt ist und zentrale Fakten in den Hintergrund treten. Viele geäußerte Sorgen sind nachvollziehbar – gleichzeitig werden jedoch auch Aussagen verbreitet, die verkürzt, überzogen oder nicht haltbar sind. Ein sachlicher Diskurs erfordert jedoch, dass Entscheidungen auf Grundlage von Fakten getroffen werden, nicht auf Basis von Schlagworten oder Stimmungen.
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Zunächst ist festzuhalten, dass Einwohnerversammlungen einer Gemeinde nach § 16 der Gemeindeordnung Rheinland-Pfalz ausdrücklich auf bestimmte Themen oder Teile der Bevölkerung beschränkt werden können. Zudem ist geregelt, dass im Rahmen solcher Veranstaltungen primär Einwohner und Bürger zu Wort kommen. Vor diesem Hintergrund ist eine Beschränkung des Teilnehmerkreises keineswegs ungewöhnlich oder per se problematisch. Auch die Rolle der Polizei hätte eine differenziertere Darstellung verdient. Diese wurde im Zusammenhang mit einer nicht angemeldeten Demonstration hinzugezogen und hat Maßnahmen selbst – nach Rücksprache mit der Polizeiinspektion –
ergriffen, darunter auch Platzverweise. Solche Maßnahmen sind im Versammlungs- und Polizeirecht vorgesehen und kein außergewöhnlicher Vorgang. Die Bürgerbefragung einer Gemeinde ist nur meinungsbildend, jedoch nicht bindend. Dies zeigt die Abstimmung dort eindrücklich.
Darüber hinaus bleibt in der Berichterstattung häufig unberücksichtigt, dass die laufende Planungsphase nach den Aufstellungsbeschlüssen der Bebauungspläne gerade dazu dient, Transparenz herzustellen und belastbare Entscheidungsgrundlagen zu schaffen. Gutachten zu Umwelt, Schall, Artenschutz oder Rückbaukonzepten sind integraler Bestandteil dieses jetzt eingeleiteten Prozesses. Genau diese strukturierte Prüfung ermöglicht es, Chancen und Risiken realistisch abzuwägen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Die jetzt in den vier Gemeinden gefassten Beschlüsse sind genau das, was die Bürger mit ihren Fragen in Wirges und den Sitzungen der Gemeinderäte wissen wollten: Welche Auswirkungen wird es geben? Dazu dient
genau die jetzige Phase nach Aufstellung der Bebauungspläne. Es werden Gutachten beauftragt und öffentliche sowie private Stellen beteiligt. In der öffentlichen Debatte entsteht zudem oft der Eindruck, als stünden Windkraft und Naturschutz grundsätzlich im Widerspruch. Tatsächlich zeigen wissenschaftliche Erkenntnisse, dass zentrale Herausforderungen für unsere Wälder vor allem im Klimawandel, in Dürreperioden und im Schädlingsbefall liegen. Wer den Wald langfristig schützen will, muss diese Ursachen in den Fokus nehmen. Windenergie ist dabei kein Gegensatz, sondern kann ein Baustein der Lösung sein. Gerade bei dem Thema stehen sich selbst die Naturschutzverbände mit unterschiedlichen Meinungen gegenüber. Während u.a.
der BUND gerade Windkraftanlagen in Wäldern begrüßt, argumentiert allein
die Naturschutzinitiative um Herrn Neumann dagegen. Aber gerade bei letztgenanntem mag hier besonders das Nimby-Prinzip greifen, da er selbst Anwohner einer Gemeinde ist. Windkraft ja, aber nicht vor meiner Haustüre.
Auch häufig angeführte gesundheitliche Bedenken sollten differenziert betrachtet werden. Fachbehörden wie das Umweltbundesamt oder internationale Organisationen kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass bei Einhaltung der geltenden Abstände keine gesundheitlichen Schäden durch Lärm oder Infraschall nachweisbar sind. Sorgen sind ernst zu nehmen – sie ersetzen jedoch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die wirtschaftliche Dimension. Einnahmen aus Windenergie können dazu beitragen, kommunale Haushalte zu stabilisieren und Bürgerinnen und Bürger finanziell zu entlasten, beispielsweise durch die Stabilisierung von Abgaben. Diese Effekte sind konkret und im Rahmen der kommunalen
Finanzplanung durchaus relevant.
Gerade vor diesem komplexen Hintergrund wäre eine ausgewogenere Darstellung der verschiedenen Akteure und Positionen wünschenswert gewesen. Dazu gehört auch die Einordnung von Initiativen und Organisationen, die teilweise sehr zugespitzt argumentieren und damit die Debatte zusätzlich emotionalisieren. Schlagworte ersetzen jedoch keine Fakten. Gerade Gemeinden, die in egal welcher Form Bürger beteiligen, werden jetzt negativ dargestellt. Jedoch Gemeinden, die ohne jede Beteiligung Entscheidungen trafen, werden nicht kritisiert. Hier läuft die Berichterstattung in die völlig falsche Richtung. Gemeinden, die einbinden, sind die Verlierer, obwohl Gemeinderäte ihr freies Mandat ehrenamtlich ausübten. Die Gemeinderäte mindestens einer Gemeinde beschäftigten sich intensiv und umfassend mit einer Vielzahl an fachlichen, rechtlichen und gesellschaftlichen Fragestellungen und wägen dabei Klima-, Natur-, Wirtschafts- und Bürgerinteressen gegeneinander ab. Sie tun dies in ihrer Freizeit, ohne Bezahlung – und als Menschen, die selbst im Ort leben und von den Entscheidungen unmittelbar betroffen sind. Entscheidungen werden hier nicht
leichtfertig getroffen, sondern mit Verantwortungsbewusstsein und auf
Grundlage der verfügbaren Informationen.
Diese Arbeit verdient Anerkennung und Respekt. Pauschale Kritik, persönliche Angriffe oder verkürzte Darstellungen werden dem Engagement dieser Ehrenamtlichen nicht gerecht.
Ein sachlicher und konstruktiver Diskurs über den geplanten Windpark ist wichtig. Voraussetzung dafür bleibt jedoch eine Berichterstattung, die die relevanten Fakten vollständig, differenziert und ausgewogen darstellt. Darüber hinaus sollten alle beteiligten Bürgermeister, Gemeinderäte und Einwohner zu einer sachlichen Auseinandersetzung zurückkehren. Am Ende ist das Projekt zeitlich begrenzt – das gute Miteinander, soziale Gefüge und die Gemeinschaft in den Gemeinden müssen jedoch auch morgen und in Zukunft noch Bestand haben. Anonymer Leser
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