Nentershausen entdeckte beim Chorkonzert seine irische Seele
Von Wolfgang Rabsch
Beim Konzertabend "Irish Heartbeats - Irlands Seele in Liedern" entführten die Männergesangsvereine Harmonie-Liederkranz Eschelbach, Frohsinn Staudt, MGV Eintracht Nentershausen und das Vocalensemble "Cannibale-Vocale" zusammen ihr Publikum nach Irland. Dabei begeisterten sie mit einem thematisch treffenden Programm.
Nentershausen. Das Konzert am Samstag (6. Juni 2026) in der Freiherr-vom-Stein-Halle in Nentershausen wird noch lange nachhallen, denn was die Zuschauer in der ausverkauften Halle erleben durften, kann als ein musikalischer Höhepunkt im Westerwald bezeichnet werden. Mehrere hundert Besucher können nicht irren, wenn sie gleich von Beginn an Teil des Konzerts werden. Bei vielen anderen Chorkonzerten lauscht das Publikum andächtig während des Gesangs, um diesen dann mit Beifall zu belohnen. In Nentershausen tickten die Uhren anders.
Was war der Grund für diese Euphorie?
Die Chöre des Männergesangvereins (MGV) Harmonie-Liederkranz Eschelbach, des MGV Frohsinn Staudt, des MGV Eintracht Nentershausen und das Vocalensemble "Cannibale-Vocale" zelebrierten ein Konzert, das die irische Seele in den Westerwald transportierte. Das Konzert stand unter dem Titel "Irish Heartbeats - Irlands Seele in Liedern", treffender konnte diese Bezeichnung nicht gewählt werden, denn den Chören gelang es, diesem Anspruch gerecht zu werden. Grün ist die Farbe Irlands, und so war auch die Dekoration in der Halle gestaltet, die irisches Feeling vermittelte.
Dass das rundum gelungene Konzert den Erwartungen gerecht wurde, lag nicht zuletzt an den Chören und ihrem musikalischen Leiter, Fabian Glück. Dessen Name scheint Programm zu sein, denn die Chöre dürfen sich glücklich schätzen, einen Chorleiter zu haben, dessen Begeisterung für die Musik, sie sich nicht entziehen können. Ihm gelingt es fast spielerisch, mit seinen Chören ein unsichtbares Band zu knüpfen, getragen von gegenseitiger Sympathie und Sangesfreude. Der "Maestro" muss über eine sehr gute Kondition verfügen, denn in dem über zweistündigen Konzert befand sich sein Körper in andauernder Bewegung, ohne zu ermüden. Man erlebt es als regelmäßiger Konzertbesucher eher selten, dass zwischen dem Publikum, den Sängern und dem Dirigenten von Beginn an sich eine Allianz bildet, in Nentershausen war dem aber so.
Im Westerwald steckt auch viel Irland
Thorsten Lind begrüßte das Publikum und gab gleich anfangs bekannt, dass er eine Wette abgeschlossen hätte, wonach er sich eine Glatze rasieren ließe, sollte die Halle in Nentershausen zum Konzert ausverkauft sein. Er lüftete seine Mütze und zum Vorschein kam ein kahlgeschorener Kopf, was mit lautem Jubel des Publikums honoriert wurde. Lind fand Parallelen zwischen Irland und dem Westerwald heraus, grüne, hügelige Landschaft, raue Winde, und Menschen, die ihr Leben in vollen Zügen genießen möchten. In Irland verfügt die Musik über einen hohen Stellenwert, überall sei Musik zu hören, auf den Straßen, bei der Arbeit, bei Hochzeiten, in Kneipen und sogar bei Beerdigungen. Irland sei der Inbegriff für Lebensfreude, die ansteckend wirkt. Lind begrüßte Bundestagsabgeordnete Dr. Tanja Machalet als neue Verbandsführung des Chorverbandes Westerwald, Melanie Leicher, Stadtbürgermeisterin von Montabaur, und Ortsbürgermeister Tobias Reusch.
Die Chöre brachten irisches Feeling in den Westerwald
Dann war es endlich so weit, das Konzert begann und faszinierte das Publikum von Beginn an. Bei der Vielzahl der Lieder, die von den verschiedenen Chorformationen vorgetragen wurden, ist es unmöglich, alle Lieder zu erwähnen. Darum werden an dieser Stelle nur einige herausgepickt, die etwas anders als andere waren. "Whiskey in the Jar" von "Thin Lizzy" ist wohl am bekanntesten. Aber die freie Version des MGV Staudt auf "Wäller Platt" hat Hitpotenzial. Ein kleiner Auszug aus dem vielsagenden Text gefällig? "Wir sind ein toller Haufen, die singen und auch saufen, und dafür jeden Freitagabend hin zur Probe laufen. Die ganze Woche warten, das können nur die Harten, denn freitags nach der Probe warten Würfeln und auch Karten."
"Loch Lomond", "Danny Boy", "The Wellerman", "High Barbary" und "Down by the Sally Gardens" sind nur einige der Titel, die für Furore sorgten. Die besondere Verbindung zwischen dem Publikum und den Chören wurde noch einmal unter Beweis gestellt, als am Ende des Konzerts alle vier Chöre gemeinsam, insgesamt 113 Sänger, das große Finale bestritten. Dabei entpuppte sich das Lied "The Wild Rover", in der Anmoderation als normales irisches Volkslied angekündigt, als der Hit von Klaus und Klaus "An der Nordseeküste, am plattdeutschen Strand". Ohne Aufforderung durch Glück, klatschte das Publikum an den entsprechenden Stellen, und schaffte auch innerhalb der Halle ein Gemeinschaftsgefühl.
Besser kann ein Konzert nicht laufen
Dem Niveau des Konzerts passte sich problemlos die Band "The Rakes of Mayfield" an, der es gelang, den typisch irischen Sound zu interpretieren und auch teilweise musikalisch die Chöre zu begleiten. An diesem Abend fügte sich alles zu einem harmonischen Gesamtbild zusammen. So hatte es Lind in seinem Schlusswort auch geschildert, der sich ausdrücklich bei allen Beteiligten, Helfern und Unterstützern bedankte. An dieser Stelle hob er nochmals Glück hervor und betonte, dass es ihm zu verdanken sei, das Konzert in dieser Dimension musikalisch zu organisieren. Alle beteiligten Chöre und ihr Dirigent strahlten um die Wette, als sie am Ende mit einem Jubelsturm des Publikums von der Bühne entlassen wurden.
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