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Nachricht vom 27.06.2026    

Monti Stadtrallye für Kinder in Montabaur: Mit dem Stadtgespenst durch die Stadt

Von Katharina Kugelmeier

Die Monti Stadtrallye ist ein rund zwei Kilometer langer Stadtrundgang durch die historische Altstadt von Montabaur, bei dem Kinder und Familien an acht Stationen Rätsel lösen, Montis Versteck aufspüren und dabei ganz nebenbei eine der spannendsten Stadtgeschichten des Westerwaldes kennenlernen.

Mit Monti Montabaur entdecken. (Foto: TI Montabaur)

Montabaur. Bei der Monti Stadtrallye gibt es richtig viel zu entdecken und zu lernen. Schon die Herkunft des Stadtnamens ist eine Geschichte für sich und beginnt mit einem Kreuzzug. Erzbischof Dietrich II. von Trier zog im Jahr 1223 ins Heilige Land und als er 1227 die Burg Humbach am Westerwaldhügel ausbaute, erinnerte ihn der kegelförmige Schlossberg an den Berg Tabor in Israel, den "Verklärungsberg" der Christen, auf dem die Bibel die Verklärung Christi beschreibt. Er taufte die Burg kurzerhand "Mons Tabor" - Berg Tabor - und aus diesem lateinischen Namen wurde im Lauf der Jahrhunderte "Montabaur". Seitdem erinnert die Stadthalle "Haus Mons Tabor" an diesen ungewöhnlichen Namensursprung, und wer mit Monti durch die Altstadt streift, spürt: Diese Stadt hatte schon immer einen ausgeprägten Sinn für das Besondere.

Start der Rallye ist die Tourist-Info am Großen Markt, genau dort, wo das Herz der Altstadt schlägt. Der kostenlose Faltplan mit den acht eingezeichneten Stationen und den zugehörigen Rätselfragen ist direkt vor Ort erhältlich. Wer den Stadtplan auffaltet, blickt auf den Großen Markt mit seinen Fachwerkhäusern ringsum und hat damit bereits die erste Station vor Augen. Der Marktplatz ist das lebendige Zentrum einer Stadt, die seit 1291 das Recht besitzt, Wochen- und Jahrmärkte abzuhalten: König Rudolf von Habsburg verlieh Montabaur in jenem Jahr auf Betreiben des Trierer Kurfürsten Boemund I. die Stadtrechte. Mehr noch: Die Montabaurer Kaufleute durften von da an auf der gesamten Strecke zwischen Köln, Wetzlar, Frankfurt und Mainz zollfrei handeln. Ein Privileg, das die Stadt bis zum Ende des 15. Jahrhunderts zum bedeutendsten Handelszentrum des Westerwaldes aufsteigen ließ.

Auf dem Marktplatz trifft man direkt auf einen der bekanntesten Mon-Stilettos, einen der überdimensionalen, zwei Meter hohen Schuhskulpturen in Größe 302, die seit 2015 als farbenfrohe Kunstwerke und Wegweiser durch die Altstadt führen. Jeder Schuh erzählt dabei eine andere Geschichte aus dem Stadtleben und der Schuster-Schuh am Großen Markt erinnert an das Handwerk, das Montabaur seinen zweiten, liebevollen Beinamen eingebracht hat: "Schusterstadt". In der Blütezeit des Schuhmacherhandwerks im 19. Jahrhundert gab es in Montabaur bei gerade einmal 2.700 Einwohnern sage und schreibe 62 Schuhmachermeister. Die fertigen Schuhe fanden reißenden Absatz auf den Wochenmärkten und die Montabaurer wurden in der Region schlicht "Schuster" oder "Schusterjungen" genannt. Ein Spitzname, der bis heute mit einem Augenzwinkern getragen wird. Erst die Industrialisierung und die Verlagerung der Schuhproduktion nach Pirmasens und Hauenstein brachten das Ende der großen Schustertradition.

(Foto: TI Montabaur)

Von der dritten Station in der Kirchstraße aus lohnt sich ein Blick auf das beeindruckendste Fachwerkensemble der Stadt: ein ursprünglich aus fünf einzelnen Gebäuden bestehendes Haus, in dem einst das älteste Gasthaus Montabaurs sowie eine historische Apotheke untergebracht waren. In Teilen des Gebäudekomplexes liegt das Gasthaus "Zur goldenen Cron" und Mitte des 18. Jahrhunderts befand sich das Ensemble im Besitz des damals reichsten Bürgers der Stadt, Martin Monsieurs. Die meisten Fachwerkhäuser der Kirchstraße und des Stadtzentrums stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, viele von ihnen lagen aber jahrzehntelang unter einer Betonputzschicht versteckt und wurden erst in den 1970er und 1980er Jahren wieder freigelegt. Ein verheerender Stadtbrand hatte 1534 weite Teile des Zentrums in Schutt und Asche gelegt, woraufhin die Stadt in einem großen Bauboom fast komplett in Fachwerkbauweise neu errichtet wurde. Mitten durch das historische Zentrum führt die Deutsche Fachwerkstraße, bei der Montabaur einer der Stützpunkte dieser überregionalen Ferienroute ist, die die schönsten Fachwerkstädte Deutschlands verbindet.

Die Rallye führt weiter zur Pfarrkirche St. Peter in Ketten, deren Zwillingstürme schon von Weitem über die Dächer der Altstadt ragen und die zu den ältesten Gotteshäusern des gesamten Westerwaldes zählt. Die erste Holzkirche am heutigen Standort ließ Graf Hermann nach dem Jahr 910 errichten und ihr Weiheakt im Jahr 959 ist das älteste schriftliche Dokument, das den Ort Montabaur überhaupt erwähnt. Der heutige gotische Bau entstand in mehreren Abschnitten zwischen dem späten 12. und der Mitte des 14. Jahrhunderts. Im Innern begeistern der spätgotische Holzaltar aus der Werkstatt von Caspar Weis aus Niederlahnstein und ein Lahnmarmor-Taufstein aus dem Jahr 1661. Auf einem der Chorfenster sieht man den gefesselten Petrus von Soldaten bewacht und den Engel, der ihn befreit: das Bildmotiv, das der Kirche ihren Namen gab. Es lohnt sich, das Innere der Kirch mit offenen Augen zu erkunden, um jedes der vielen besonderen Details zu entdecken.



Weiter geht es zur Stadtmauer und dem markanten Wolfsturm, einem der letzten sichtbaren Überreste der einst mächtigen Stadtbefestigung. Nach der Verleihung der Stadtrechte 1291 ließ die Bürgerschaft zu Beginn des 14. Jahrhunderts eine massive Stadtmauer mit 15 Türmen und 12 Pforten errichten, die den Altstadtbereich auf einer Länge von 2,5 Kilometern umschloss. Vier dieser Türme waren als Haupttortürme ausgebaut (Peterstor, Schöffentor, Sauertaler Pforte und Allmannhäuser Pforte) Den Stadteingang sicherten zudem undurchdringliche Hecken aus Hainbuche und Dorn, die sogenannten "Gebücke". Der Wolfsturm diente von 1628 bis 1632 als Hexenverlies, ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte, das die Infostele am Turm nicht verschweigt. Wer genau auf das Straßenpflaster schaut und die Beschreibungen auf dem Stadtplan liest, entdeckt noch mehr: Unter der Altstadt verlaufen unterirdische Geheimgänge, die aus Kellern heraus als Fluchtweg in Belagerungszeiten gegraben wurden und teils noch heute nicht vollständig erkundet sind. Dass einer der bekanntesten dieser Keller bei einem Einwohner in der Judengasse liegt und sein Haus mit anderen unterirdischen Gängen verbindet, ist eine der Stadtgeschichten, die der Erlebnisrundgang Fachwerk mit QR-Codes zum Anhören bereithält.

(Foto: TI Montabaur)

Den krönenden Abschluss bildet der Aufstieg zum Schloss Montabaur, dem weithin sichtbaren, gelb leuchtenden Wahrzeichen auf dem 321 Meter hohen Schlossberg. Seit 1018 war das Schloss rund 800 Jahre lang im Besitz der Trierer Erzbischöfe und Kurfürsten; bis 1802 diente es als eine ihrer Residenzen. Kurfürst Johann Hugo von Orsbeck, derselbe Mann, der auch das Jagdzeughaus in Welschneudorf errichten ließ, gab dem Schloss zwischen 1687 und 1709 sein heutiges barockes Gesicht: Sein Hofbaumeister Johann Christoph Sebastiani entwarf die welschen Hauben der Türme, und der Freskenmaler Lazaro Maria Sanguinetti schuf die Deckenmalereien in den Sälen. Wer heute über den frei zugänglichen Schlosshof schlendert und hinunter auf die Altstadt schaut, steht an einem Ort, der Kreuzritter, Kurfürsten und Kaufleute gesehen hat. Und an dem Monti, das freundliche Stadtgespenst, seine Geschichte weiter voller Stolz erzählt.

Damit ist die Rallye geschafft. Wer das Lösungswort aus den acht Stationen zusammengesetzt hat und es in der Tourist-Info abgibt, erhält eine tolle Belohnung und garantiert einen Grund, bald wiederzukommen. Eine wirklich kurzweilige und liebevolle Idee, mit Kindern die Stadt zu erkunden und viel über sie zu lernen - für Groß und Klein.

Tour-Informationen

Art: Stadtrallye / Stadtrundgang
Schwierigkeit: sehr leicht
Strecke: rund 1,9 km
Dauer: rund 1,5-2,5 Stunden (je nach Tempo und Pausen)
Höhenunterschied: rund 60 m (Aufstieg zum Schloss)
Stationen: 8 Stationen in der Altstadt mit Rätselfragen; Lösungswort ergibt Montis Versteck
Preis: kostenlos; Faltplan gratis in der Tourist-Info erhältlich
Geeignet: für Familien mit Kindern, Grundschulalter aufwärts; barrierefrei im Flachteil (Marktbereich), Schlossberg mit Steigung
Beschildert: Nein (Orientierung über den Faltplan-Stadtplan
Startpunkt / Zielpunkt: Tourist-Info Montabaur, Großer Markt 12, 56410 Montabaur, Telefon: 02602 / 9502780, E-Mail: tourismus@montabaur.de

Hinweis: Öffnungszeiten, Preise oder Fahrpläne bitte tagesaktuell prüfen!

Weitere Infos


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