Werbung

Pressemitteilung vom 16.05.2026    

NABU Hundsangen appelliert an Gemeinden, Wegränder erst ab Oktober zu mähen

Der NABU Hundsangen ruft Gemeinden, Landwirte und Straßenmeistereien dazu auf, Wegränder und Feldraine zwischen März und September nicht zu mähen. Diese Flächen seien entscheidend für den Erhalt der Artenvielfalt in ausgeräumten Feldlandschaften.

Blütenreicher Fahrbahnrand. (Foto: Peter Fasel)

Hundsangen. In den vergangenen Jahren hat sich das Insektensterben und der Rückgang von Feld- und Wiesenvögeln dramatisch entwickelt. Die Zahl brütender Kiebitze in Deutschland ist seit den 1990er Jahren auf ein Viertel gesunken, während die Rebhühner seit den 1970er Jahren nur noch einen Bruchteil ihres ursprünglichen Bestandes ausmachen.

Eine Studie aus dem Jahr 2017 zeigte, dass die Biomasse der Fluginsekten in Nordwestdeutschlands Schutzgebieten in den letzten 27 Jahren um mehr als 75 Prozent abgenommen hat.

Besorgniserregende Entwicklungen
Auch in Hundsangen und anderen Gemeinden des Westerwalds sind besorgniserregende Entwicklungen zu beobachten. Das letzte Kiebitzpaar brütete 1990 zwischen Hundsangen, Malmeneich und Obererbach. Heute ist die Art im Westerwald ausgestorben.

Das Rebhuhn verschwand ebenfalls vor Jahren aus vielen Gemeinden, während die Rauchschwalbe vor über 15 Jahren den Ortskern verließ. Der Gartenrotschwanzbestand erlosch in Hundsangen in den 1990er Jahren, und in der gesamten Verbandsgemeinde Wallmerod gibt es nur noch ein Paar. Auch die Goldammer-Bestände nehmen weiter dramatisch ab. Im Jahr 2024 konnten in Hundsangen und Obererbach keine Feldsperlingsbruten mehr nachgewiesen werden.

Naturschutzbund ruft Gemeinden zum Umdenken auf
Laut dem NABU Hundsangen würden Wegränder und Feldraine immer wichtiger werden, um den weiteren Rückgang der Arten zu verhindern. Vielerorts gäbe es kaum noch Hecken, Baumreihen, Streuobstwiesen, blütenreiche Mähwiesen oder Brachflächen. Ungemähte Wegränder dienen vielen Tieren als Ersatz. Würden diese Ränder erst spät gemäht, also zwischen Oktober und Februar, könnten sie Wildblumen, Insekten und Vögeln einen lebensnotwendigen Rückzugsraum schaffen. Besonders vorteilhaft sei es, wenn die Pflege erst im folgenden Frühjahr erfolgt, da viele Insekten in den abgestorbenen Pflanzenstängeln überwintern. Stehende Ränder vernetzen zudem blütenreiche Flächen und bieten nach der Ernte Deckung in der ausgeräumten Landschaft.



Insekten, Kleintiere und Plastikmüll werden oft geschreddert
Ein technischer Aspekt sei, dass die Flächen gemäht statt gemulcht werden sollten. Beim Mulchen werden Insekten und Kleintiere zerkleinert, und herumliegender Müll wird in Mikroplastik verwandelt, das, wenn überhaupt, nur schwer entsorgt werden kann. Neben dem Naturschutzaspekt würden Gemeinden sogar Geld sparen, wenn der finanzielle Pflegeaufwand durch Straßenmeistereien und Landwirte reduziert würde.

Einige Ortschaften in der Region hätten bereits beschlossen, die Wegränder zwischen März und September unberührt zu lassen. Der NABU hofft, dass weitere Akteure diesen Beispielen folgen und zur Erhaltung einer gestärkten Natur mit hoher Biodiversität beitragen. (PM/Red)


Mehr dazu:   Naturschutz  
Lokales: Wallmerod & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

WW-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


Westerwaldkreis stärkt Katastrophenschutz und medizinische Versorgung

Der Kreistag des Westerwaldkreises hat wichtige Entscheidungen getroffen, um die Sicherheits- und Gesundheitsversorgung ...

Rollos vor dem Kühlregal: Wenn Supermarkt und Discounter die Hitze nicht mehr schaffen

Die Rekordtemperaturen in der vergangenen Woche haben Deutschland vor Herausforderungen gestellt. Selbst ...

Vorsicht bei aufblasbaren Sommerartikeln: Worauf Käufer achten sollten

Aufblasbare Sommerartikel aus PVC sind beliebt, bergen jedoch Risiken. Verbraucher sollten beim Kauf ...

Deutsche Meisterschaft im Handwerk: Sprungbrett für Nachwuchstalente

Die Deutsche Meisterschaft im Handwerk bietet Junghandwerkern eine Bühne, um ihr Können unter Beweis ...

Spatenstich bei Irmtraut für neuen Trinkwasser-Hochbehälter der Verbandsgemeindewerke Rennerod

In der Verbandsgemeinde Rennerod hat der Bau eines neuen Hochbehälters zur Sicherstellung der Trink- ...

Smartphone-Ablenkung im Straßenverkehr: ACE zieht Bilanz in Hachenburg

In Hachenburg fand ein Handy-Verkehrs-Check des Auto Club Europa (ACE) statt. Die Aktion ist Teil einer ...

Weitere Artikel


Bergbaugeschichte wird im Rathaus Gebhardshain lebendig

Zur Vernissage der Jubiläumsausstellung "40 Jahre Besucherbergwerk Grube Bindweide" kamen mehr als 80 ...

Mein Name ist Bobby: Ich bin ein bisschen dickköpfig, unheimlich verschmust und suche ein Zuhause

Ein freudiges Wedeln, zwei treue, hellwache Augen und eine feuchte Nase, die sich ganz dicht an das Gitter ...

Fünf Jahre WERT.VOLL.LEBEN: Jubiläum auf der Montabaurer Höhe

Das Netzwerk "WERT.VOLL.LEBEN" feierte sein fünfjähriges Bestehen auf der Montabaurer Höhe. Bei strahlendem ...

Startschuss für eine neue Ära der Forschung in Siegen

Im Beisein von Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, ist ...

MdB Harald Orthey würdigt Bus-Branche und stellt aktuelle Reformen vor

Bei einer Tagung der Busunternehmen hat der Bundestagsabgeordnete Harald Orthey, Mitglied im Verkehrsausschuss, ...

Aktualisiert: Das Wunder von Dernbach - keine Verletzten trotz heftigen Aufpralls

In Dernbach kam es am Samstag (16. Mai 2026) zu einem Zusammenstoß zwischen einem Pkw und einem Regionalzug ...

Werbung