Möhnenball in Freirachdorf: Ein Fest der Freude und Gemeinschaft
Von Wolfgang Rabsch
Wer glaubt Karneval wird nur im Winter gefeiert, wurde in Freirachdorf eines Besseren belehrt. Im Festzelt feierten die Möhnen zusammen mit zahlreichen Gästen ihren Möhnenball im Mai.
Freirachdorf. Etwas ungläubig werden viele Leser im Amtsblatt die Information womöglich erhalten haben, dass die Möhnen in Freirachdorf Anfang Mai Karneval gefeiert haben und zu ihrem diesjährigen Möhnen Ball eingeladen hatten. Sie haben die Gunst der Stunde genutzt und das Zelt, das die Freiwillige Feuerwehr Freirachdorf zum "Tanz in den Mai" aufgebaut hatte, eine Woche später für ihren Möhnenball verwendet. Der Erfolg gab ihnen recht, denn das Zelt war sehr gut besucht. Die Möhnen sind in Freirachdorf aber auch eine Institution, da sie 2026 bereits zum 49. Mal ihren Möhnenball veranstaltet haben. Demzufolge steht 2027 das große Jubiläum zum 50. Möhnenball an, das vermutlich entsprechend gefeiert wird.
Der Zeitpunkt, eine karnevalistisch angehauchte Veranstaltung durchzuführen, ist sicherlich ungewöhnlich, doch damit haben die Möhnen aus Freirachdorf ein Alleinstellungsmerkmal im Westerwald. Entsprechend groß war die Vorfreude auf die Fete. Der Erfolg gab den Möhnen wieder einmal recht, gefühlt das halbe Dorf feierte mit den Möhnen. Im Zelt merkte man sofort, dass in Freirachdorf Gemeinschaftsgefühl besteht, denn das Publikum konnte kaum erwarten, bis es endlich losging.
Wer zum ersten Mal beim Möhnenball in Freirachdorf zu Gast war, wie der Autor dieses Artikels, der ist positiv überrascht von der Art, wie die Feier gestaltet wird. Der Autor fiel fast aus allen Wolken, als er von Simone Krämer mit folgenden Worten und einem Augenzwinkern begrüßt wurde: "Von der Presse ist heute Wolfgang Rabsch anwesend, er ist Assistent von Frauke Ludowig und soll für 'RTL-Exclusiv' berichten."
Einfache Ausstattung - große Wirkung
Eine aus Holzbrettern zusammengezimmerte Bühne, Bierzeltgarnituren als Sitzfläche, kein Parkettboden, das war der erste Eindruck. Kein Vergleich zu anderen Sitzungen im Karneval. Aber gerade das machte den Charme dieses Möhnenballs aus. In diesem Rahmen wurde in den Nachkriegsjahren Karneval gefeiert, weil es nur darum ging, den Menschen Freude und Unterhaltung zu bieten. Auch das Programm unterscheidete sich in Freirachdorf von manch einer karnevalistischen Veranstaltungen anderenorts. Treffende Worte wurden laut, derb, deftig, ehrlich und komisch präsentiert, keine Spur von "Wokeness" oder großer Politik. Das waren die Zutaten, mit denen die Besucher unterhalten wurden.
Selbstverständlich wurden Ereignisse in Freirachdorf, die sich in dem letzten Jahr zugetragen hatten, durch den Kakao gezogen. Einige im Publikum, die "Opfer" wurden, hatten den Spott zu ertragen. Im nächsten Moment konnte einem aber das Lachen im Hals stecken bleiben, wenn man selbst ins Visier der Möhnen geriet. Die Anspielungen waren jedoch nie persönlich, oder sogar verletzend, sie trieben nur den Stimmungspegel nach oben.
Höhepunkte des Programms
Wie immer, ist es einfach unmöglich, alle Programmpunkte des über drei Stunden dauernden Möhnenballs zu erwähnen. Darum an dieser Stelle nur einige Situationen: Ein Ehepaar aus Freirachdorf hatte sich nichts mehr zu sagen und wollte sich eigentlich trennen. Doch dazu kam es nicht, weil keiner die Kinder mitnehmen wollte.
Viele Männer hätten keine Haare mehr auf dem Kopf, die würden jetzt an anderer Stelle wachsen, wo sie mit dem Hintern draufsitzen. Es wurde auch die Frage aufgeworfen, ob man bei Amazon sich einen Mann bestellen könne, "Der nicht kritisiert oder knurrt, und dich massiert, bis man schnurrt. Aussieht wie George, nicht wie Kurt, im Bett mehr Marathon statt Sport. So ein Traum von einem Mann, der nicht nur will, sondern auch kann. Falls er dann doch lieber zecht, dann nutze ich mein Rückgaberecht."
Musikalische Höhepunkte des Möhnenballs waren die nachgestellten Auftritte von Tina Turner (The Best), Doris Day (Whatever Will Be, Will Be (Que Sera, Sera)) und von den "Blues Brothers", die allesamt das Zelt zum Beben brachten. Großes Gelächter schallte durch das Zelt, als "Deutschlehrerin" Simone Krämer mit ihrer türkischsprechenden Schulklasse den Satz: "Ich bin ein Deutscher" übte. Murat sollte nachsprechen und er tat es auch: "Ey Alder, bin isch Kartoffelfresser, du Opfer".
Die Stunden vergingen wie im Fluge und der Beifall, mit dem die Möhnen am Ende ihres Programms belohnt wurden, war Ansporn und Bestätigung dafür, dass ihre Veranstaltung gelungen war und sie das Publikum begeistern konnten.
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