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Pressemitteilung vom 22.04.2026    

40 Jahre nach Tschernobyl: Spätfolgen in Rheinland-Pfalz weiterhin messbar

Vor 40 Jahren ereignete sich der verheerende Atomunfall von Tschernobyl, dessen Auswirkungen bis heute spürbar sind. Eine radioaktive Wolke zog damals bis nach Westeuropa und hinterließ Spuren, die auch in Rheinland-Pfalz noch messbar sind.

Ukraine-Krieg - Tschernobyl. (Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa)

Rheinland-Pfalz/Tschernobyl. Am 26. April 1986 kam es in der Ukraine zu einem der schwersten Atomunfälle der Geschichte. Um 1.23 Uhr Ortszeit geriet ein Test außer Kontrolle, Reaktor vier explodierte. Die Explosion setzte große Mengen radioaktiver Stoffe frei, die sich über weite Teile Europas ausbreiteten.

Die Katastrophe zwang Zehntausende Menschen zur Flucht. Die Stadt Prypjat wurde evakuiert und ist bis heute unbewohnt. Das stillgelegte Atomkraftwerk ragt weiterhin als Symbol der Ereignisse in die Landschaft. Im Innern befinden sich etwa 200 Tonnen Uran sowie weitere radioaktive Stoffe.

Sicherheitsprojekt mit globaler Bedeutung
Ein Projekt von herausragender Bedeutung war die Montage des Sarkophags für Christoph Schmidt von der Kalzip GmbH aus Koblenz. "Für mich war es das Projekt meines Berufslebens", sagt er. Zum Schutz vor weiterer Strahlung wurde 2016 ein neuer Sarkophag aus Edelstahl errichtet. Diese Hülle, der sogenannte New Safe Confinement, soll das Austreten kontaminierter Partikel verhindern. An dem Projekt war auch die Koblenzer Firma Kalzip GmbH beteiligt.

Die Konstruktion wurde für eine Lebensdauer von 100 Jahren ausgelegt und sollte extremen Belastungen standhalten. Bereits in der Planungsphase wurden Szenarien wie Tornados berücksichtigt. Wartungsmaßnahmen sind laut Planung nicht vorgesehen.

Unvorhergesehene Risiken
Trotz umfangreicher Planung traten neue Risiken auf. Im Jahr 2022 wurde die Anlage durch den russischen Angriffskrieg beeinträchtigt. Eine Explosivdrohne beschädigte die Dachkonstruktion und verursachte ein etwa zwei Meter großes Loch. Dabei wurden Teile der Schutzmembran zerstört.

Diese Schäden haben Auswirkungen auf die Sicherheit der Anlage. Derzeit werden Möglichkeiten zur vorübergehenden Wiederherstellung geprüft, um den Schutz weiterhin zu gewährleisten.



Langfristige Folgen in Rheinland-Pfalz
Auch in Rheinland-Pfalz sind die Auswirkungen der Katastrophe weiterhin messbar. Das Landesuntersuchungsamt in Koblenz weist darauf hin, dass radioaktive Belastungen trotz eines Rückgangs noch vorhanden sind. Etwa 60 Prozent des Cäsium-137 sind inzwischen zerfallen, dennoch bleiben Spuren bestehen.

Besonders betroffen sind Wildschweine und Pilze. Auf sauren Waldböden kann sich radioaktives Cäsium anreichern. Pilze nehmen diese Stoffe auf, wodurch sie in die Nahrungskette gelangen. Wildschweine nehmen beim Wühlen im Boden ebenfalls belastete Nahrung auf, insbesondere sogenannte Hirschtrüffel.

Bewertung der Lebensmittelbelastung
Trotz dieser Befunde sieht das Landesuntersuchungsamt keine Gefahr für Verbraucher. Die Auswertung von mehr als 24.000 Datensätzen zu Wildschweinen zeigt, dass der Konsum unbedenklich ist. Auch bei Stichproben wurde der Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm nicht überschritten.

Untersuchungen an Speisepilzen in den Jahren 2022 bis 2025 bestätigten ebenfalls unauffällige Werte. Darüber hinaus werden regelmäßig Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Fleisch und Milch kontrolliert. In den vergangenen Jahren gab es keine Auffälligkeiten.

Das im Boden gebundene radioaktive Cäsium wird von landwirtschaftlich genutzten Flächen nicht mehr von Pflanzen aufgenommen und gelangt somit nicht in die Nahrungskette. Dennoch bleibt die Katastrophe von Tschernobyl ein Ereignis, dessen Folgen auch nach 40 Jahren noch messbar sind. (PM/bearbeitet durch Red)


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